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Politik > Geopolitik / Handel

Dänemark rüstet sich gegen Donald Trumps Grönland-Zölle

| The Economist | Lesezeit: 4 Min.

Die Wirtschaft ist gut vorbereitet, aber verwundbarer als früher

Dänische Demonstranten gegen Trump Foto: Shutterstock
Kopenhagen im geopolitischen Fokus: Trumps Grönland-Forderungen machen Handelsfragen zu einer sicherheitspolitischen Belastungsprobe für Dänemark. Dennoch: die Dänen sind fest entschlossen, nicht nachzugeben, Wirtschaft und Gesellschaft fühlen sich solidarisch und gewappnet. Foto: Shutterstock

22.01.2026 The Economist

Am 18. Januar, nachdem Donald Trump seine Drohung wiederholt hatte, Grönland zu übernehmen, und Zölle für Dänemark sowie sieben weitere europäische Länder angekündigt hatte, verdüsterte sich die Stimmung in Kopenhagen. Das dänische Fernsehen begann mit einer Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung über den amerikanischen Präsidenten, einschließlich Dokumentationen, die im Stil von Kriegsreportagen geschnitten waren. Noch wenige Stunden zuvor hatten sich Beamte gelassen über die Folgen von Trumps Fixierung auf die Insel gezeigt – ein halbautonomes dänisches Territorium. Nun aber wollten sie betonen, dass die dänische Politik und die Streitkräfte auf eine Konfrontation vorbereitet seien.

Trump erhebt Zölle von 10 % auf Dänemark (sowie auf Großbritannien, Finnland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Norwegen und Schweden), zusätzlich zu den bereits auf Waren aus der Europäischen Union erhobenen 15 %. Dieser Aufschlag werde auf 25 % steigen, so Trump, falls er Grönland bis Juni nicht bekomme. Dänemarks Entschlossenheit, Trump keinen Zentimeter nachzugeben, ist so fest verankert, dass in der Hauptstadt kaum jemand öffentlich Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen der Zölle äußert. Hinter verschlossenen Türen allerdings beginnen Beamte, sich über den Druck und die wirtschaftlichen Schmerzen Gedanken zu machen, die dem Land in den kommenden Wochen drohen könnten.

Gefahr trotz solidem Wirtschaftswachstum

Die Dänen sind zuversichtlich, dass ihre Wirtschaft einen zusätzlichen Aufschlag von 10 % verkraften kann. Trotz der Zölle im vergangenen Jahr dürfte sie 2025 schätzungsweise um kräftige 2,4 % gewachsen sein, getragen vom Zustrom multinationaler Unternehmen in die Hauptstadt. Die Regierung, die 2024 einen Haushaltsüberschuss von 4,5 % des BIP und im vergangenen Jahr von 2,2 % erzielte, kann zusätzliche Verteidigungsausgaben problemlos schultern; tatsächlich laufen bereits deutliche Erhöhungen.

Zwar sind die USA Dänemarks größter ausländischer Absatzmarkt (wenn man die EU als einzelne Länder betrachtet) und gewinnen weiter an Bedeutung. Im vergangenen Jahr entfielen 18 Prozent der dänischen Exporte auf die Vereinigten Staaten, gegenüber elf Prozent im Jahr 2015. Bislang jedoch wurden die Zölle auf europäische Waren größtenteils von amerikanischen Importeuren und Verbrauchern getragen. Zudem bedienen viele der größten dänischen Unternehmen den nordamerikanischen Markt über ausländische Tochtergesellschaften. Amerikaner kaufen Lego aus Mexiko, und einige von Novo Nordisk hergestellte Medikamente stammen aus North Carolina.

Die Sorge der politischen Entscheidungsträger gilt eher den anderen wirtschaftlichen Waffen, die Trump einsetzen könnte, falls sich die Spannungen verschärfen, sowie der Frage, ob die EU im Namen ihrer betroffenen Mitglieder Vergeltungsmaßnahmen ergreift. (Die Handelspolitik wird auf Unionsebene festgelegt, nicht von einzelnen Mitgliedstaaten.) Amerika könnte beispielsweise gezielte Zölle auf dänische Unternehmen erheben, unabhängig davon, wo deren Waren produziert werden. Und es gibt eine Grenze dafür, wie viel Nachfrage aus den USA Dänemark verlieren kann.

Die Frage nacch Trumps Schmerzgrenze

Die Hoffnung ist, dass Trump abkühlt, bevor die Spannungen dieses Ausmaß erreichen. Beamte sagen, eine Folge der harten Rhetorik jetzt – und der klaren Absage an eine Übergabe Grönlands – sei, dass Amerika die Alternative bedenken müsse. Eine gewaltsame Übernahme Grönlands wäre ruinös teuer. Sie könnte eine monatelange, kräftezehrende Marineoperation erfordern. Die Bevölkerung wäre feindlich gesinnt, und die Umwelt zählt zu den unwirtlichsten der Erde. Doch Beamte räumen ein, dass solche Argumente weniger Wirkung zeigen, je stärker sich Trumps Fixierung intensiviert. Die Dänen sind Trump überdrüssig – und fürchten, was er als Nächstes tun könnte.

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Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

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