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Politik > Geopolitik / Iran-Krieg

Der Iran-Krieg ist ein Schock für Dubais Geschäftsmodell

| The Economist | Lesezeit: 4 Min.

Raketen, brennende Infrastruktur und wachsende Risiken. Der Iran-Krieg trifft Dubais Image als sicherer globaler Wirtschaftsstandort

Stadtsilhouette Dubai, Vereinigte Arabische Emirate Foto: Shutterstock
Die Stadtsilhouette einer Megacity der Superlative: Dubai steht für die Boomregion am persischen Golf. Die Angriffe im Zuge des Iran-Konflikts treffen erstmals sichtbar die Infrastruktur einer Stadt, deren wirtschaftlicher Erfolg auf Stabilität und Sicherheit basiert. Resilienz und Durchhaltevermögen werden auf eine harte Probe gestellt. Foto: Shutterstock

05.03.2026 The Economist

Es schien fast zu gut, um wahr zu sein. In einer Region voller Konflikte wirkte Dubai lange wie ein Ort außerhalb der Turbulenzen. Wohlhabende und wirtschaftlich mobile Menschen zog es dorthin, um zu leben, zu arbeiten und Geld zu verdienen oder einfach Shopping und Sonne zu genießen. Die Stadt wurde zu einem globalen Verkehrsknotenpunkt, der Ost und West miteinander verbindet. Mit seinem Reichtum beteiligt sich Dubai inzwischen sogar am Wettlauf um künstliche Intelligenz. Der Schlüssel zu all dem lag darin, regionale Konflikte außen vor zu halten. Selbst der Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023, der anschließende Gaza-Krieg oder der zwölf Tage dauernde Schlagabtausch zwischen Iran und Israel im vergangenen Jahr erschütterten das Vertrauen kaum.

Nun aber hat Irans Vergeltung für die amerikanischen und israelischen Angriffe, die am 28. Februar begonnen haben, genau dieses Fundament getroffen und Dubais Aura der Sicherheit erschüttert. Das Fairmont-Hotel auf der Palm Jumeirah, einer luxuriösen künstlichen Inselanlage, stand bereits am ersten Tag in Flammen. Ein Rechenzentrum von Amazon Web Services fing Feuer. Der Flughafen, Heimat der Fluggesellschaft Emirates und zentral für Dubais Tourismusgeschäft, wurde beschädigt, Flüge wurden ausgesetzt. Jebel Ali, der schnell wachsende Hafen und Umschlagplatz des Emirats, stellte den Betrieb zeitweise ein. Trümmerteile landeten in den Gärten von Einwohnern.

Ein Wirtschaftsmodell gerät unter Druck

Dubai hat sich bisher als widerstandsfähig erwiesen, ebenso wie der Rest der Vereinigten Arabischen Emirate. Für eine Bewertung der langfristigen Folgen des Krieges ist es noch zu früh. Doch was bis vor wenigen Tagen nur als Randnotiz galt, ist plötzlich Realität geworden. Die meisten ausländischen Bewohner bleiben vorerst. Einige verlassen die Stadt jedoch oder planen zumindest eine vorübergehende Ausreise über Oman oder Saudi-Arabien, deren Lufträume offen geblieben sind. Das amerikanische Außenministerium riet seinen Bürgern, die Region zu verlassen. Auch Unternehmen bleiben vorerst, entwickeln jedoch Notfallpläne. Entscheidend wird sein, ob Menschen und Kapital, die Dubais Aufstieg zu einem globalen Wirtschaftszentrum ermöglicht haben, weiterhin in gleicher Weise kommen.

Um Menschen anzuziehen, vergibt Dubai seit einiger Zeit mehr langfristige Visa und erleichtert Ausländern den Immobilienkauf. Die Bevölkerung des Emirats wuchs im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent auf 3,9 Millionen Menschen. Das war der schnellste Zuwachs seit 2019. Auch die Zahl der Millionäre steigt rasant, und Unternehmen, die ihnen Dienstleistungen anbieten wollen, folgen diesem Trend. Der damalige Finanzchef der Bank Standard Chartered bezeichnete die Niederlassung in Dubai im vergangenen Jahr als „Blaupause“ für andere Vermögensverwaltungszentren des Instituts. Die Finanzbranche der Stadt boomt insgesamt. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 eröffneten mehr als 1.000 Firmen im Finanzzentrum neue Büros, fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. JPMorgan Chase, die größte Bank der USA, baute im vergangenen Jahr ihre Präsenz vor Ort weiter aus.

Auch Technologiekonzerne hat Dubai angezogen. Mindestens 18 Rechenzentren stehen dort, darunter die Anlage von AWS, die nach Ausbruch des Krieges getroffen wurde. Das entspricht der Hälfte aller Rechenzentren der Vereinigten Arabischen Emirate. Zugleich entfallen mehr als die Hälfte der geplanten Investitionen in Rechenzentren am Golf auf die Emirate. Die Regierung setzt große Hoffnungen auf künstliche Intelligenz. Partnerschaften mit Microsoft und BlackRock sollen Infrastrukturinvestitionen im Wert von 30 Milliarden Dollar ermöglichen. Zudem bestehen Beteiligungen an OpenAI, Anthropic und xAI.

Unternehmen kalkulieren Risiken neu

Noch ist der Krieg jung, doch die Angriffe verändern bereits die Kalkulation vieler Unternehmen. Kaum jemand hatte zuvor ernsthaft über Kriegsrisiken in den Vereinigten Arabischen Emiraten nachgedacht. Nun prüfen Firmen den Abschluss politischer Risiko-Versicherungen. Solche Policen kaufen Unternehmen gewöhnlich, um sich in Schwellenländern abzusichern, erklärt Christopher Coppock von der Beratung Marsh, Leiter der Analyse geopolitischer und wirtschaftlicher Risiken. Die Preise hängen von Faktoren wie Terrorrisiko, Kriegsgefahr oder Streiks ab. Auch die Bedeutung der versicherten Aktivität und der genaue Standort spielen eine Rolle. Nähe zu einem Militärstützpunkt kann etwa die Kosten erhöhen. Aus Sicht der Unternehmen lässt sich das Geschehene nicht rückgängig machen, sagt Coppock.

Firmen, die über einen Rückzug oder eine Verlagerung nachdenken, müssen mögliche Alternativen sorgfältig abwägen. Einige Finanzunternehmen, die nach Jahren der Pandemiebelastung in Hongkong oder Singapur nach Dubai gezogen waren, könnten diesmal schneller entscheiden wollen. Das Emirat dürfte daher rasch handeln müssen, um sie zu halten.

Die Herrscher Dubais bemühen sich sichtbar, Vertrauen zu stärken. Die meisten iranischen Drohnen und Raketen wurden abgefangen, größere Panik blieb aus. Supermarktketten wie Carrefour aus Frankreich oder Spinneys, bei westlichen Kunden beliebt, versichern, gut versorgt zu sein. Der Hafenbetreiber DP World nahm den Betrieb schnell wieder auf. Präsident Mohammed Bin Zayed zeigte sich am 2. März demonstrativ im Dubai Mall, einem gigantischen Symbol für die Anziehungskraft der Stadt.

Dennoch lassen sich die weißen Rauchwolken, das Dröhnen der abgefangenen Raketen und der Donner von Kampfjets schwer übersehen. Ebenso wenig die unheimliche Stille, die oft darüber liegt. Offizielle Stellen betonen gern, Dubai könne in Krisen schnell reagieren. Wie rasch es nun gelingt, Unternehmen, Investoren und Bewohner zu beruhigen, wird zum nächsten großen Test. Vieles jedoch entzieht sich der Kontrolle der Herrscher.

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Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

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