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Politik > Kommentar

Das Ende der Energiewende?

| Thorsten Giersch

Energiewende am Scheideweg? Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sorgt mit ihren Aussagen für Aufregung. Grüne, Verbände und Klimaschützer protestieren – doch eine nüchterne Analyse wäre jetzt wichtiger.

Porträt von Katherina Reiche (CDU)
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) fordert in der Energiewende-Debatte Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Netzausbau und Kostentragfähigkeit. (Foto: shutterstock)

17.09.2025 Markt und Mittelstand  – von Thorsten Giersch

Revolutionäre Sätze sind es nicht, die Katherina Reiche (CDU) am Montag bei der Vorstellung des von ihr in Auftrag gegebenen Monitoring-Berichts zur Energiewende ausgesprochen hatte: „Die Energiewende steht an einem Scheideweg“, sagte die Bundeswirtschaftsministerin: „Damit sie gelingt, müssen Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kostentragfähigkeit des Energiesystems für unseren Wirtschaftsstandort ins Zentrum rücken.“

„Sabotage an der Energiewende“ … „Angriff auf die Klimaziele“ … „Reiche will die Transformation zur Klimaneutralität ausbremsen“ und „plant energiepolitische Rückschritte“. Ein Auszug aus den Reaktionen zeigt, da liegt ideologisches Denken in der Luft. Auch die Grünen schießen gegen Reiche, dabei will sie keineswegs ins fossile Zeitalter zurück.

Der Bericht zum Stand der Energiewende ist nun wahrlich keine Kampfschrift, sondern so nüchtern wie ein Treffen abstinenter Alkoholabhängiger. Wesentlich sind zwei Zahlen – und die Tendenz ist nicht überraschend: Der Strombedarf steigt hierzulande bis 2030 nach neuesten Daten nicht auf 750 Terawattstunden (TWh), sondern „nur“ auf 600 bis 700 TWh, wobei der untere Teil der Spanne wahrscheinlicher sei. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch andere Studien. Zum einen wurden weniger elektrische Wärmepumpen und Elektro-Fahrzeuge verkauft als mal angenommen. Zum anderen elektrifiziert sich die Industrie nicht so fix. Das führt zu dem logischen Gedanken, dass der Netzausbau beschleunigt werden muss im Verhältnis zum Ausbau der Windkraft- und Photovoltaikanlagen.

Das alles ist genauso wenig überraschend wie Reiches logische Maßnahme, die Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen auf Hausdächern zu kürzen. Auch viele weitere Ideen hat die Europäische Union so oder so ähnlich auch schon vorgeschlagen. Ja, Branchenverbände nennen ihre Argumente – das ist legitim und ihr Job. Und auch Klimaschützer mögen sich andere Nachrichten gewünscht haben. Wir alle würden gern in einer grüneren Welt leben.

Aber der nüchterne Blick auf das System zeigt seit Jahren, dass es so nicht weitergehen kann. Wer die Debatte nicht konstruktiv führt, spaltet die Gesellschaft. Ein Wettlauf, wer am schnellsten Erneuerbare aufstellt, ist nicht sinnvoll. Es geht darum, möglichst wenig Kilowattstunde für die Tonne zu produzieren. Denn der Ausbau des Netzes wird teuer genug – übrigens deutlich teurer als bisher angenommen, wie der Bericht zeigt. Das gilt sowohl für Stromübertragungsleitungen als auch für Verteilnetze.

Zum Schluss noch zwei Zahlen, die nüchterner kaum sein könnten: Derzeit kommt rund 60 Prozent des Stroms in Deutschland aus Erneuerbaren. Der Plan war immer, dass es 2030 rund 80 Prozent sein sollen. Und an diesem Plan hält Reiche fest, wie sie diese Woche betonte.

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