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Politik > AfD im Mittelstand

Wie der Verband Die Familienunternehmer unter Druck geriet

| Markt und Mittelstand Redaktion | Lesezeit: 4 Min.

Der Verband Die Familienunternehmer öffnet sich für Gespräche mit der AfD. Verbände, Politik und Mittelstand ringen um den richtigen Umgang. Die Rekonstruktion der Ereignisse.

Marie-Christine Ostermann Foto: Picture Alliance
Für Verbandschefin Marie-Christine Ostermann von Die Familienunternehmen hagelt es Kritik für die Ankündigung, das Kontaktverbot mit der AfD aufzuheben. Aber es gibt auch Zustimmung für diesen Schritt. Foto: Picture Alliance

27.11.25 Von MuM Redaktion

 

Marie-Christine Ostermann, Chefin von Die Familienunternehmer öffnet den Verband für Gespräche mit der AfD – und löst damit eine breite Debatte in der Wirtschaft aus. Erste Unternehmen treten aus, andere unterstützen den Schritt. Verbände, Politik und Mittelstand ringen um den richtigen Umgang.

Die Chronologie der Reaktionen

Der Verband Die Familienunternehmer steht nach einer Entscheidung zur Kontaktaufnahme mit der AfD im Mittelpunkt einer bundesweiten Debatte. Nachdem Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann öffentlich bestätigte, dass das seit Jahren geltende „Kontaktverbot“ gegenüber AfD-Bundestagsabgeordneten aufgehoben worden sei, folgten innerhalb weniger Tage zahlreiche Reaktionen aus Wirtschaft, Politik und Verbänden.

 

Montag: Der Kurswechsel wird öffentlich – und sorgt für Irritationen

Zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass der Verband Die Familienunternehmer das bisherige Kontaktverbot gegenüber der AfD aufgegeben hat. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann erklärte im Handelsblatt, der Verband habe bereits im Frühjahr beschlossen, „mit AfD-Fachpolitikern ins Gespräch zu kommen“. Beim parlamentarischen Abend Anfang Oktober war erstmals ein AfD-Bundestagsabgeordneter eingeladen worden.

Viele Mitglieder erfuhren nach eigenen Angaben erst über die Medien davon. Innerhalb des Verbands führte dies zu deutlicher Verunsicherung. Ostermann betonte, es gehe nicht um Kooperation, sondern um politische Auseinandersetzung. Gespräche sollten dazu dienen, inhaltliche Positionen zu konfrontieren. Die AfD sei weiterhin kein potenzieller politischer Partner.

 

Dienstag: Erste Unternehmen kündigen ihren Austritt

Bereits am nächsten Tag reagierten erste Mitgliedsunternehmen. Die Drogeriekette Rossmann teilte mit, die Mitgliedschaft gekündigt zu haben. Man unterstütze die Haltung des Verbands nicht. Auch Vorwerk gab bekannt, eine ruhende Mitgliedschaft nicht wiederaufzunehmen und formal auszutreten. Weitere Unternehmen erklärten, ihre Zugehörigkeit zum Verband zu überprüfen.

Der Schritt sorgte für Aufmerksamkeit, weil beide Unternehmen über Jahre eng mit der Verbandsarbeit verbunden waren. In Teilen der Mitgliedschaft wurde der Kurswechsel als kommunikativ unzureichend vorbereitet bewertet. Der Verband betonte, die Entscheidung sei intern abgestimmt gewesen.

Der politische Druck wächst

Mittwoch: Politik und Verbände beziehen Stellung

Zur Wochenmitte wuchs der politische Druck. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) kritisierte den Kurs deutlich. Die AfD sei keine Partei, mit der die demokratische Mitte zusammenarbeiten könne. Auch die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU erklärte, die AfD sei „kein Partner für den Mittelstand“.

Wirtschaftsverbände reagierten unterschiedlich. Der BDI stellte klar, keinen proaktiven Austausch mit der AfD zu suchen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks verwies darauf, dass Verbände Gespräche sorgfältig prüfen müssten, aber nicht über politische „Brandmauern“ zu entscheiden hätten. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) erteilte Gesprächen eine eindeutige Absage.

Gleichzeitig wurden regionale Unterschiede sichtbar. Ostdeutsche Landesverbände der Familienunternehmer verwiesen darauf, dass Gespräche mit AfD-Vertretern auf kommunaler Ebene bereits länger vorkämen, wenn politische Verantwortung vor Ort betroffen sei. Westdeutsche Vertreter betonten dagegen, keine Gespräche zu planen.

 

Donnerstag: Folgen für Veranstaltungen und neue Branchenreaktionen

Im Laufe des Donnerstags wurde bekannt, dass die Deutsche Bank einen bestehenden Mietvertrag für eine Veranstaltung der Familienunternehmer im kommenden Jahr aufgelöst hat. Das Institut erklärte, man habe keine Kenntnis von der Gästeliste gehabt und sich nach Bekanntwerden der Umstände mit dem Verband auf eine Vertragsbeendigung verständigt.

Parallel dazu äußerten weitere Branchenvertreter ihre Position. Die Stiftung Familienunternehmen und Politik betonte, dass Vertreter extremer Parteien wie AfD oder Linke weiterhin nicht eingeladen würden. Die Programmatik passe nicht zur Wertebasis vieler Familienunternehmen. Auch einzelne Verbandsmitglieder warnten vor möglichen Auswirkungen auf internationale Geschäftspartner und Investoren.

 

Freitag: Die Diskussion erreicht die mittelständische Praxis

Zum Ende der Woche wurde die Debatte zunehmend inhaltlich geführt. Der Verband veröffentlichte Analysepapiere, die zentrale AfD-Forderungen zu Fachkräftezuwanderung, EU-Freizügigkeit und Steuerpolitik einordnen. Diese bewerten verschiedene Positionen der AfD als wirtschaftlich nachteilig. Ostermann erklärte, dies stehe nicht im Widerspruch zur Gesprächsbereitschaft, da man inhaltliche Differenzen herausarbeiten wolle.

Unternehmer äußerten sich unterschiedlich. Einige sahen im Gesprächsansatz die Möglichkeit, politische Positionen zu überprüfen, insbesondere in Regionen mit hohen AfD-Werten. Andere befürchteten Reputationsrisiken für ihre Unternehmen und die Verbandsarbeit.

Auch der Blick auf die kommenden Landtagswahlen in mehreren Bundesländern prägte die Diskussion. Vertreter anderer Wirtschaftsverbände gaben an, keine Änderung ihrer Haltung gegenüber der AfD zu planen. Der Verband Die Familienunternehmer hingegen sieht sich einer intensiven internen Debatte ausgesetzt, deren Ausgang offen ist.

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