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Politik > Bürokratie-Abbau

Feiertag streichen? Das möchten die Deutschen

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 3 Min.

Derzeit kocht die Diskussion um die Streichung von Feiertagen zur Steigerung der Wirtschaftsleistung wieder hoch. Eine Umfrage zeigt nun, wie die Menschen zu dieser Idee stehen. Und welche Feiertage sie am ehesten streichen würden

Freier Arbeitstag. Foto: Shutterstock
In Deutschland gibt es im internationalen Vergleich neben vielen bezahlten Urlaubstagen auch etliche staatliche Feiertage, die auf die Kosten der Arbeitgeber drücken. Foto: Shutterstock

09.12.25  Thorsten Giersch 

Manchmal muss man Ironie auch einfach mal ertragen können: Die Deutschen würden laiut einer Umfrage am ehesten den 1. Mai streichen, den Tag der Arbeit. Eine repräsentative Umfrage der Jobplattform Indeed in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Appinio liefert eine klare Antwort: Von allen bundesweiten Feiertagen würden die Bürger am ehesten politische Gedenktage bei einer möglichen Streichung aufgeben.

Auf die Frage, auf welchen bundesweiten Feiertag sie am ehesten verzichten könnten, nennt jeder vierte Befragte den Tag der Arbeit (1. Mai). Auf Platz zwei der entbehrlichsten Feiertage folgt der Tag der Deutschen Einheit mit 20 Prozent. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt würden sogar rund 30 Prozent den Einheitstag abtreten können.

Damit sind es mit Ausnahme des Neujahrstags eher die säkularen Feiertage, die von der Bevölkerung infragegestellt werden, als die religiösen. Bei letzterem würden die meisten Befragten am ehesten auf Christi Himmelfahrt verzichten (18 Prozent, Platz 3). Fast unantastbar ist hingegen der 1. Weihnachtsfeiertag, den nur 0,9 Prozent der Befragten missen könnten.

 

Zu viele Feiertage am Wochenende

Bei der Frage nach der Anzahl der Feiertage in Deutschland und ob diese ausreichend seien, zeigt sich die große Mehrheit der Befragten zufrieden. Insgesamt 69,3 Prozent sind der Meinung, dass es genügend Ruhetage gibt. 35,2 Prozent davon geben jedoch zu bedenken, dass die freien Tage zu häufig auf das Wochenende fallen würden.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass fast vier von fünf Befragten (80,6 Prozent) der Aussage zustimmen, dass „Feiertage am Wochenende geklaute Erholungszeit sind”.

Zu wenige Feiertage gibt es insgesamt für 30,7 Prozent der Befragten, wobei dieser Wert bei Befragten aus Bayern am niedrigsten ist (20 Prozent) und in Berlin und Bremen am höchsten (rund 44 Prozent). „Für Arbeitnehmer sind Feiertage weit mehr als nur freie Zeit im Kalender. Sie sind feste, verlässliche Momente der Erholung, an denen häufig auch das soziale Umfeld gleichzeitig pausiert, sagt Stefanie Bickert, Job- und Karriereexpertin bei Indeed. „Denn echte Erholung entsteht, wenn Menschen nicht nur Zeit haben, sondern auch das Gefühl, dass in dieser Zeit nichts von ihnen verlangt wird. Feiertage erfüllen diese Funktion in besonderem Maße.“

Der Kern des Problems liege in der Zeitsouveränität: „Der Einfluss darauf, wann und wie man arbeitet, ist einer der wichtigsten Treiber für Wohlbefinden und Engagement am Arbeitsplatz.“ Eine Kürzung der Erholungszeiten untergrabe dieses Bedürfnis. „Daher ist es fraglich, ob die gewonnene Arbeitszeit zu mehr Leistung führt.“

Gerechtigkeitsdebatte: Gleiches Recht für alle Bundesländer

Ein weiterer Streitpunkt ist der Föderalismus im Feiertagskalender. Während Bayern mit bis zu 14 Tagen die Spitzenposition einnimmt, müssen sich viele Bundesländer mit zehn Tagen begnügen. Die Umfrageergebnisse sprechen hier eine klare Sprache: Eine überwältigende Mehrheit (91 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass alle Bundesländer gleich viele Feiertage haben sollten. Bei Befragten aus Bayern war die Zustimmung mit 81,5 Prozent ebenfalls sehr hoch. Die aktuelle Ungleichbehandlung wird demnach auch als solche wahrgenommen.

Ähnlich einig sind sich die Befragten auch darin, dass Feiertage wichtig für die Erholung sind. 91 Prozent stimmten dieser Aussage zu. Folglich würden sich auch 68 Prozent einen gestrichenen Tag „anderweitig“ zurückholen – zum Beispiel durch eine Krankschreibung. Erfolgsversprechender als eine auferlegte Streichung könnte hingegen ein Schritt in Richtung mehr Flexibilität sein: 81 Prozent finden, dass Arbeitnehmer die Wahl haben sollten, ob sie an einem Feiertag (inklusive Zuschlag) arbeiten wollen. Rechtlich sind dem jedoch aktuell Grenzen gesetzt.

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