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Politik > Interview

Wann kommt endlich der Aufschwung?

| Markt und Mittelstand Redaktion | Lesezeit: 4 Min.

Der Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 findet wie geplant Ende April am Tegernsee statt. Gründerin Christiane Goetz-Weimer spricht über Inhalte, politische Angriffe, Transparenz und die Rolle des Gipfels für Deutschlands Aufschwung.

Verlegerin Christiane Goetz-Weimer
Verlegerin Christiane Goetz-Weimer verteidigt den Ludwig-Erhard-Gipfel als überparteiliches Forum für Wirtschaft, Innovation und demokratischen Dialog. Foto: WMG

16.01.2026  Redaktion Markt und Mittelstand

In den vergangenen Wochen gab es umfassende Diskussionen über den Ludwig-Erhard-Gipfel. Christiane Goetz-Weimer, Verlegerin der WEIMER MEDIA GROUP, hat dazu der Nachrichtenagentur dpa ein Interview gegeben, das am Freitag umfassenden Niederschlag fand.  

Auch wir haben Christiane Goetz-Weimer um ein Gespräch zu diesem Thema gebeten. Die Fragen und Antworten können Sie hier lesen.

Markt und Mittelstand: Wird der Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 wie gewohnt am Tegernsee stattfinden?

CHRISTIANE GOETZ-WEIMER: Ja natürlich. Es gibt eine lebhafte Nachfrage und wir haben ein starkes Programm. Dutzende Speaker und Unternehmen sind jetzt schon dabei. Vom 28. bis 30. April erwarten wir am Tegernsee wieder viele Meinungsmacher der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist die 12. Ausgabe des Gipfeltreffens, das von der WEIMER MEDIA GROUP veranstaltet wird. Diesmal wird der programmatische Akzent besonders auf Innovationsfragen liegen. Deutschland erhofft sich nach drei Jahren Rezession endlich einen Aufschwung. Wir wollen darüber beraten, wie der am besten gelingt und welche Rolle neue Technologien von KI bis zur Raumfahrt dabei spielen. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wie in Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung gelingen kann. Diskutiert werden zentrale Hebel für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit – darunter Industrie und Mobilität, Energie und Technologie, Künstliche Intelligenz, Arbeit und Bildung, Gesundheit sowie Europas wirtschaftliche und digitale Souveränität.

 

Es gibt viele Diskussionsforen. Worin liegt der spezifische Wert des Gipfels?

Der Ludwig-Erhard-Gipfel hat sich in den vergangenen Jahren als überparteiliches, international ausgerichtetes Forum etabliert. Zu den Gästen zählen führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Auch in diesem Jahr freuen wir uns über zahlreiche Zusagen hochrangiger Speaker sowie renommierter Partner und Gäste – und es kommen fortlaufend weitere Zusagen hinzu. Und ein wichtiger Bestandteil des Gipfels ist die Verleihung des Freiheitspreises der Medien an international bedeutende Persönlichkeiten, die sich für Freiheit, Demokratie und Meinungsfreiheit eingesetzt haben – unter anderem konnten wir hier Michail Gorbatschow, Jean-Claude Juncker, Wolodymyr Selenskyj, Garri Kasparow, Julija Nawalnaja und Alexei Nawalny und Joachim Gauck auszeichnen. 

 

Es gab in den vergangenen Wochen viele Diskussionen um den Ludwig-Erhard-Gipfel. Wie reagieren Sie auf die Kritik?

Seitdem mein Mann in das Bundeskabinett berufen wurde, sind die Blicke auf das Gipfeltreffen politisch massiv aufgeladen. Unternehmer, die in die Politik wechseln, werden als Quereinsteiger immer besonders kritisch beobachtet. Dass dann Fragen gestellt werden, empfinde ich als normal. Gezielte Diffamierungen, wie es sie besonders von Seiten der AfD gab, sind aber inakzeptabel. Politischer Wettbewerb ist okay, aber hier ließ man es schlicht an jedem Anstand mangeln. Ich habe mit meinem Mann diesen Gipfel gegründet und über Jahre mit Herzblut als ein offenes Meinungsforum für den dringend nötigen Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien entwickelt. Er ist ein großer Erfolg einer Dialogkultur, gerade weil er über viele Jahre integer gewachsen ist und eine Lücke der Begegnung geschlossen hat. Ich empfinde es daher als grob unfair, dass ich als Gründerin nun mit einem erfolgreichen Dialogformat angegriffen werde, seit mein Mann Staatsminister ist. 

 

Wie gehen Sie mit diesen besonderen politischen Umständen nun um?

Von Beginn an ist der Gipfel überparteilich, ihn charakterisiert eine liberale, weltoffene Grundhaltung. Spitzenvertreter sämtlicher Parteien der politischen Mitte zählen wir seit dem ersten Ludwig-Erhard-Gipfel zu unseren Gästen. Hingegen erhalten Politiker von Links- wie Rechtsaußen bei uns keine Bühne, die Linke und die AfD werden nicht eingeladen. Auch 2026 nicht. Obwohl die AfD seit Jahren bekundet, sie wolle endlich am Gipfel teilnehmen dürfen. Auch vor diesem Hintergrund empfinde ich die Attacken aus dem Umfeld dieser Partei als durchschaubare politische Kampagne, die sich vor allem gegen meinen Mann in seiner Eigenschaft als Staatsminister richtet. Von solchen Kampagnen sollte sich die breite politische Mitte grundsätzlich nicht anstecken lassen.

Es gab aus dem Umfeld der AfD auch den Vorwurf, der Gipfel verkaufe politische Kontakte und Einflussnahme in die hohe Politik. Dieser Vorwurf hat Wellen geschlagen und sich beinahe verselbständigt. Was sagen Sie dazu?

Ich weise diese Unterstellung entschieden zurück. Beim Gipfel kann sich niemand Kontakte, Einfluss oder gar Politiker kaufen. Das war nie unser Geschäftsmodell. Unsere Leistungspakete und Einladungen ermöglichen die Teilnahme auf einer sehr offenen Bühne, von der auch noch gestreamt und zum Teil live im Fernsehen übertragen wird. Wer sich dann mit wem wie vernetzt, ist jedem selbst überlassen – auch den zuletzt anwesenden 80 Journalisten. Wir verfahren da genauso wie alle anderen großen Netzwerk-Konferenzen, wie sie Medienhäuser, Verlage, Stiftungen oder andere Institutionen auch veranstalten. Journalistinnen und Journalisten sind seit dem ersten Ludwig-Erhard-Gipfel Teil der Konferenzgeschehens, sie berichten über die Reden, Treffen und Diskussionsrunden – auch damit ist große Transparenz gewährleistet.

 

Es ist aber der Eindruck entstanden, als könne man sich bei Ihnen für 80.000 Euro ein Abendessen mit einem Politiker kaufen?

Das ist kompletter Unsinn – schlichtweg eine Falschbehauptung. Die Politiker bekommen bei uns selbstverständlich kein Geld – glaubt wirklich irgendjemand, dass ein Politiker dadurch käuflich sei, dass er auf einer großen Konferenz von einem oder wahrscheinlich eher Dutzenden Wirtschaftsvertretern angesprochen wird? Aber zur Zahl: Besondere Marketing-Pakete in dieser Größenordnung basieren im Wesentlichen auf Media-Elementen, also Anzeigen (bedenken Sie: eine einzelne Seite in unserem Mittelstandsmagazin „Markt und Mittelstand“ kostet 21.400 Euro) oder digitalen Werbeplätzen, Newslettern und Podcasts unserer Medien, die dann um Tickets und Präsentationsflächen auf dem Gipfel ergänzt werden. Wir sind ein Verlag, und eine Konferenz ist für uns vor allem ein live-journalistisches Format.

 

Haben Sie nach der Kritik Ihre eigenen Compliance geändert oder angepasst?

Wegen der neuen politischen Umstände haben wir, um ganz sicher zu gehen, auch intern nochmal die Einhaltung aller gängigen Regularien überprüft – und es ist ethisch und rechtlich alles in Ordnung.  Bei der Weimer Media Group gilt ein klarer Code of Conduct. Der Gipfel folgt seit jeher großer Transparenz und ethischen Prinzipien.


Die bayerische Landesregierung hatte auch geprüft?

Der Ministerpräsident hatte im Herbst angekündigt, er werde seitens der Staatsregierung eine interne Compliance-Prüfung zum Umgang mit dem Ludwig-Erhard-Gipfel bei sich und uns vornehmen lassen. Weder die aufwendige Prüfung der bayerischen Staatskanzlei, der wir alle an uns gestellten Fragen beantwortet haben, noch die des Verlages hat Anlass für Beanstandungen gegeben. Der Staatskanzlei sind wir keine Antwort schuldig geblieben. Rechtlich und ethisch ist schlichtweg alles in Ordnung.

 

Wenn alles sauber ist, warum wird dann öffentlich so laut Kritik geübt?

Das eigentliche Problem und Auslöser der öffentlichen Debatte ist rein politischer Natur und zielt auf meinen Mann als politische Figur. Wir haben die Interessensphären daher von Anfang an strikt getrennt. Mein Mann hat die Co-Geschäftsführung niedergelegt, ist aus allen Funktionen im Verlag entlassen und hat sogar seine Anteile, obwohl das nicht vorgeschrieben ist, einem Treuhänder übergeben. Er war beim letztjährigen Gipfel nicht einmal anwesend und wird es auch in diesem Jahr nicht sein. Im Übrigen war der Gipfel schon vorher meine Verantwortung im Verlag. Ich empfinde es daher als reichlich chauvinistisch, wenn behauptet wird, es sei der Gipfel des Mannes, der dann seiner Frau irgendetwas abgibt. Ich bin mit meinem Team wirklich stolz auf diesen Gipfel, den wir von kleinsten Anfängen groß gemacht und politisch immer neutral gehalten haben. Deshalb waren die Politiker von CDU, CSU, SPD, Grünen und FDP sowie auch der Freien Wähler in Bayern bei uns stets gleichermaßen willkommen.

 

Wenn Sie so peinlich auf politische Neutralität achten, hat Söder dann nicht Recht, wenn er mit Blick auf Ihren Mann die politische Schirmherrschaft ablegt? 

Ja, hat er. Ebenso wie der Ministerpräsident wollten auch wir, dass die Schirmherrschaft ausgesetzt wird. Darum ist die Entscheidung völlig in Ordnung – insbesondere mit Blick auf ein Wahljahr in Bayern sollte man auf Neutralität achten. Der Gipfel wird 2026 ohnedies weniger politisch, weil wir uns auf die großen und drängenden Wirtschaftsthemen konzentrieren wollen. Aber dass Söders Kommunikation zum Gipfel von einigen dann so wahrgenommen wurde, dass er meinem Mann und der Bundesregierung etwas auswischen wollte, wollte man bestimmt missverstehen. In der Tradition von Ludwig Erhard liegen unsere Wurzeln tief im bayerischen Boden, doch unser Wirkungskreis ist die Welt. Wir danken dem Freistaat für das Fundament, auf dem unsere Redner und unsere Debatten heute Wirkung entfalten weit über die Grenzen des Freistaats und Deutschlands hinaus.

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