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Investitionen in Deutschland: Martin Blessing soll als Beauftragter internationales Kapital anziehen

| Markt und Mittelstand Redaktion

Martin Blessing wird neuer Investitionsbeauftragter der Bundesregierung. Er soll internationale Investoren für den Standort Deutschland gewinnen und Investitionen in Milliardenhöhe anstoßen.

Friedrich Merz und Martin Blessing bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Investitionsbeauftragten der Bundesregierung.
Friedrich Merz stellt Martin Blessing als neuen Investitionsbeauftragten vor – er soll internationale Investoren für den Standort Deutschland gewinnen. (Foto: shutterstock)

23.09.2025 von Markt und Mittelstand

„Ich werde dafür sorgen, dass mehr Investitionen nach Deutschland kommen", versprach Martin Blessing bei seiner Vorstellung im Kanzleramt. Der frühere Commerzbank-Chef wird künftig als „persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland" internationale Geldgeber vom Standort Deutschland überzeugen. Friedrich Merz (CDU) stellte den 62-jährigen Banker am Montag in Berlin vor und lobte dessen „ausgezeichnete Kontakte in die internationale Wirtschafts- und Finanzwelt".

Die Personalie kommt nicht von ungefähr. Deutschland kämpft im globalen Standortwettbewerb mit Bürokratie und komplexen Zuständigkeiten. Internationale Investoren werden hierzulande zunächst mit einem Zuständigkeits-Wirrwarr konfrontiert: Die staatliche Wirtschaftsförderungsgesellschaft GTAI, mehr als 90 Außenhandelskammern weltweit, dazu die Standortwerber der Bundesländer. „Jeder will helfen, niemand trägt Verantwortung", beschreibt es ein Kommentar treffend.

Zentraler Ansprechpartner statt Zuständigkeits-Karussell

Blessing soll nun als Chief Investment Officer fungieren – eine zentrale Telefonnummer, ein Ansprechpartner für Investoren in Deutschland. Der gebürtige Bremer bringt internationale Bankerfahrung mit, war nach seiner Zeit bei der Commerzbank (2008-2016) für die Schweizer Großbank UBS tätig und ist derzeit Verwaltungsratsvorsitzender der dänischen Danske Bank.

Seine Aufgabe ist zweigeteilt: Nach außen soll er internationale Investoren für Deutschland gewinnen und nach innen für eine „Investitionspolitik aus einem Guss" sorgen, wie Merz betonte. Blessing wird mit dem Abteilungsleiter für Wirtschaftspolitik im Kanzleramt, Levin Holle, sowie mit dem Finanz- und dem Wirtschaftsministerium zusammenarbeiten.

Zudem wird er Aufsichtsratsvorsitzender der German Trade and Invest (GTAI). Die GTAI ist eine zentrale Organisation des Bundes, angedockt beim Wirtschaftsministerium, die als Anlaufstelle für Investoren dient. Der Kanzler scheint mit deren bisheriger Außenwirkung nicht zufrieden. Die GTAI führe ein „Schattendasein", sagte er bei der Vorstellung Blessings.

Symbolisches Gehalt für den "Ein-Dollar-Mann"

Für seinen Job beim Kanzler wird Blessing nur eine symbolische Bezahlung erhalten. Er sei der „Ein-Dollar-Mann", wie Merz bei der Vorstellung sagte. Der Ex-Commerzbank-Chef merkte humorvoll an, dass man über einen Euro gesprochen habe, was beim derzeitigen Wechselkurs zehn Prozent mehr sei.

Diese Symbolik ist nicht unwichtig, denn die schwarz-rote Koalition war mit dem Versprechen angetreten, die Zahl der Bundesbeauftragten zu reduzieren. Blessing wird seine Aufgabe mit den bestehenden Ressourcen wie der GTAI erledigen. Ein neuer personeller Apparat wird nicht geschaffen.

Seine Berufung soll mit einer Neuordnung des Standortmarketings einhergehen. Die gesamte deutsche Investitionsförderung werde „restrukturiert", kündigte Merz an. Mit dem für die GTAI zuständigen Wirtschaftsministerium sei dies ebenso abgestimmt wie mit dem Finanzministerium.

Investitionsoffensive für den Standort Deutschland

Merz spricht seit Jahren davon, dass Deutschland dringend attraktiver für Investitionen werden müsse. Zwar hat er gleich zum Start der schwarz-roten Koalition das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen aufgelegt, um die öffentlichen Investitionen zu steigern. Der Standort werde aber nur vorankommen, wenn auch der Privatsektor die Investitionen hochfahre, davon ist der CDU-Chef überzeugt.

Im Sommer begrüßte er eine Initiative von 61 inländischen Unternehmen im Kanzleramt, die ankündigten, mehr als 600 Milliarden Euro am Standort zu investieren. Nun will er mit seinem „persönlichen Beauftragen" auch gezielt um internationale Investoren buhlen.

Blessing zählte bei seiner Vorstellung bereits einige Standortvorteile auf, die man im Ausland mitunter klar wahrnehme: Deutschland sei „sehr stabil", habe „gut ausgebildete Arbeitskräfte" und dank des neuen Sondervermögens für Investitionen nun auch „eine Menge staatliches Kapital". Geplant ist unter anderem eine internationale Investorenkonferenz, an deren Konzept Blessing mitarbeiten wird.

Fakten kompakt: Deutschlands neuer Investitionsbeauftragter

Martin Blessing soll als zentraler Ansprechpartner internationale Investoren nach Deutschland holen.

  • Der 62-jährige frühere Commerzbank-Chef (2008-2016) wird „persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland".
  • Blessing erhält für seine Tätigkeit lediglich ein symbolisches Gehalt von einem Euro.
  • Er wird Aufsichtsratsvorsitzender der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft GTAI, die umstrukturiert werden soll.
  • Geplant ist unter anderem eine internationale Investorenkonferenz unter seiner Mitwirkung.

Markt und Mittelstand Praxischeck

Die Berufung Blessings signalisiert eine Zentralisierung der Investitionsförderung, die auch dem Mittelstand zugutekommen. Für Unternehmer bedeutet dies konkret: Die Anwerbung internationaler Investoren wird professionalisiert, was neue Finanzierungsquellen erschließen kann. Gleichzeitig entsteht ein zentraler Ansprechpartner für Investitionsfragen.

Handlungsempfehlungen für Geschäftsführer:

  • Nutzen Sie die GTAI-Strukturen für Ihre internationalen Expansionspläne – die Umstrukturierung dürfte zu effizienteren Prozessen führen.
  • Bereiten Sie bis Q2/2026 konkrete Investitionsprojekte vor, die von der neuen Struktur profitieren können.
  • Prüfen Sie Kooperationsmöglichkeiten mit internationalen Investoren, die durch Blessings Netzwerk nach Deutschland kommen.
  • Kalkulieren Sie mit verbesserten Standortbedingungen für kapitalintensive Projekte ab 2026.

Häufig gestellte Fragen

Frage 1: Wie kann mein mittelständisches Unternehmen von der neuen Investitionsstruktur profitieren?

Nutzen Sie die GTAI als Anlaufstelle für internationale Kontakte. Unter Blessings Führung dürfte die Organisation schlagkräftiger werden und gezielter internationale Investoren vermitteln. Bereiten Sie konkrete Investitionsprojekte vor, die für internationale Kapitalgeber interessant sein könnten.

Frage 2: Welche Investitionsvolumina werden durch die neue Struktur realistisch?

Für den Mittelstand halten wir Investitionen im Bereich von 10-50 Millionen Euro pro Projekt für realistisch. Blessing wird vorrangig größere Investoren ansprechen, deren Kapital aber auch in Fonds oder Konsortien fließen kann, die mittelständische Projekte finanzieren.

Frage 3: Wann ist mit ersten Ergebnissen der neuen Investitionsoffensive zu rechnen?

Rechnen Sie mit einer Vorlaufzeit von 12-18 Monaten. Die Umstrukturierung der GTAI und der Aufbau internationaler Investorenkontakte benötigen Zeit. Erste konkrete Investitionsprojekte dürften ab Ende 2026 realisiert werden.

Frage 4: Welche Branchen werden besonders von Blessings Arbeit profitieren?

Technologieunternehmen, insbesondere in den Bereichen KI, Halbleiter und Energietechnik, stehen im Fokus internationaler Investoren. Aber auch produzierende Unternehmen mit Innovationspotenzial und exportorientierte Dienstleister können profitieren.

Frage 5: Wie bereite ich mein Unternehmen optimal auf internationale Investoren vor?

Erstellen Sie ein zweisprachiges Investitionsmemorandum mit klaren Wachstumszielen und Kapitalverwendung. Bereiten Sie eine Due-Diligence-Dokumentation vor und definieren Sie konkrete Meilensteine für die nächsten 36 Monate. Investoren erwarten transparente Governance-Strukturen und klare Exit-Optionen.

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