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Politik > Kommentar

Trump eskaliert: Was bedeutet der Fall Venezuela für Export-Unternehmen?

| Thorsten Giersch

Trump eskaliert in Venezuela – es geht um Öl, Macht und geopolitische Risiken. Was die Zuspitzung für Export-Unternehmen, Lieferketten und den globalen Wettbewerb um Rohstoffe bedeutet.

Öltanker auf dem Maracaibo-See vor der Raffinerie Bajo Grande in Venezuela
Öltanker an der Raffinerie Bajo Grande auf dem Maracaibo-See in Venezuela. Die USA haben das Land zuletzt militärisch angegriffen. (Foto: Jose Bula Urrutia / Shutterstock)

Trump entführt Venezuelas Präsident Maduro. Das mag damit zu tun haben, dass dort mehr Öl schlummert als in jedem anderen Land der Welt. Für international tätige Unternehmen muss diese Harakiri-Aktion jedoch kein Nachteil sein.

Von Thorsten Giersch für Markt und Mittelstand

Na dann mal frohes neues Jahr: Noch bevor die Heiligen Drei Könige um die Häuser ziehen, hat Donald Trump amerikanisches Recht und das Völkerrecht gebrochen. Wobei es für den US-Präsidenten ohnehin nur einen König gibt. Die Verhaftung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sowie die Bombardierung der Hauptstadt Caracas sind selbst für Trump extrem. Dass er die Aktion am US-Kongress vorbei unternahm, passt ins Bild, macht ihn aber auch in seiner eigenen Partei angreifbar. Viel schlimmer: Wer Putin vorwirft, die territoriale Integrität und staatliche Souveränität der Ukraine zu missachten, hat weiterhin recht. Nur muss er oder sie diesen Vorwurf nun auch dem NATO-Mitglied USA machen.

Moral, Macht und das Recht des Stärkeren

Der Punkt, dass es mit Maduro keinen Engel trifft, sondern einen Despoten, der sein Volk in die Armut geführt hat, mag den Skandal gefühlt abmildern. Doch dieses Gut-Böse-Spiel steht nicht über dem Recht, und ohnehin ist es nicht an Trump oder sonst einem Einzelnen, darüber zu urteilen. Trumps Aktion ist ein weiterer Schritt in der Eskalation, in der Umwertung aller Werte. Das Jahr ist kaum ein paar Tage alt, und schon ist klar, dass die Reise noch stärker in dieselbe Richtung geht wie 2025: Es gilt das Recht des Stärkeren. Werte und rechtliche Rahmenbedingungen scheinen nur noch etwas für Sonntagsreden zu sein.

Europas Antwort: Stärke durch Einheit und Aufrüstung

Wenn Stärke statt Kompromiss gilt, hilft in erster Linie, selbst stärker zu werden. Das gilt für die EU ebenso wie für Deutschland und ist vornehmlich durch Einigkeit zu erreichen: Wer intern streitet, ist nach außen schwach. Das kennen wir aus jeder Art von Gruppierung – Mannschaften im Sport, Unternehmen oder Vereine. Je stärker der Druck von außen und je lohnenswerter die gemeinsamen Ziele sind, desto eher ist man bereit, internen Streit hintenanzustellen, inklusive persönlicher Vorteilsnahmen und Befindlichkeiten.

Auch die EU und die Bundesregierung sind Gruppen, für die dieser Grundsatz gilt. Wie groß die Notwendigkeit ist, Stärke durch Einheit zu zeigen, dürfte spätestens jetzt klar sein. Das gilt zum Beispiel auch dafür, europäisch aufzurüsten statt national. Wenn jahrelang darüber gestritten wird, aus welchem Land wie viele Teilprodukte stammen, hilft das am Ende nur Putin.

Globale Folgen: China, Russland und der Verlust westlicher Legitimität

Dieser Trend hin zur Macht des Stärkeren und weg von der Macht des wertebasierten Rechts, ausgeübt von internationalen Institutionen, hält hoffentlich nicht allzu lange an. Denn die Demokratien werden sich wehrhafter zeigen, als viele es ihnen heute zutrauen. Allzu offensichtlich ist, dass die Eskalationen zu nichts Gutem führen und allen Seiten mittelfristig mehr schaden als nutzen. Was wird die Folge von Trumps Angriff auf Venezuela sein? Dass sich China und Russland ermutigt fühlen, in ihren Einflusssphären ohne Rücksicht auf Gesichtsverlust ihre Macht durchzusetzen. Ein Stichwort ist Taiwan. Der Westen hat bei der Deutung von Moral an Legitimität verloren. Vielleicht kann Europa mit neuer militärischer Stärke hier wieder eine bessere Rolle spielen.

Konsequenzen für Unternehmen: Geopolitik, Rohstoffe und Resilienz

Wie sollen international tätige Unternehmen nun darauf reagieren? Mit kühlem Kopf und der Erkenntnis, möglichst viel über Geopolitik wissen zu müssen. Plan A, Plan B, Plan C. Offenkundig wird 2026 der Wettbewerb um Ressourcen, vor allem um Rohstoffe, noch härter. In Venezuela geht es um Öl – und um nichts anderes. Deutschland hat hier Nachholbedarf, und auch viele Unternehmen sehen aus verständlichen Gründen zunächst den kürzesten Weg mit den besten Preisen, statt resiliente Lieferketten aufzubauen.

Diversifikation als Schlüssel für Export-Unternehmen

Das mag anstrengend sein und zur Unzeit kommen, doch Diversifikation ist das Gebot der Stunde. Neue Märkte – ironischerweise auch in Südamerika – warten darauf, im positiven Fall erschlossen zu werden. Wenn Amerika für Kidnapping steht und China sich darauf vorbereitet, Taiwan anzugreifen, bleibt im Idealfall mehr Raum für Deutsche, die faire Win-Win-Situationen herstellen wollen.

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