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Politik > Kommentar

Das Quantum Wahnsinn zu viel: Trump hat es mit den Zöllen zu weit getrieben

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 2 Min.

So manches Mal haben wir Europäer gedacht und gehofft, dass Donald Trump zu weit gegangen ist. Doch dem US-Präsidenten fiel selbst der größte Irrsinn nie auf die Füße. Warum es bei Grönland anders sein könnte.

Donald Trump will GRönland Foto: Shutterstock
Der Streit um Grönland und Strafzölle wird zum Symbol für die Frage, wie weit Europa bereit ist, den Druck von US-Präsident Trump politisch und wirtschaftlich zu kontern. Foto: Shutterstock

19.01.2026 von Thorsten Giersch für Markt und Mittelstand

Das Muster gibt es überall da, wo es Gruppendynamik gibt, allen voran im Sport: Eben noch zerstrittene Truppe, doch dann gibt es entweder ein großes Ziel oder schlichtweg blanke Notwendigkeit – und schon ziehen alle an einem Strang. Unterschiedliche Meinungen werden für sich behalten und Entschlossenheit demonstriert. Nie war nötiger als jetzt, dass Deutschland und die EU dieses Merkmal zeigen!

Der Nato-Partner USA bedroht europäische Länder mit Strafzöllen, weil diese die territoriale Unverletzlichkeit ihrer Regionen betonen. Was US-Präsident Donald Trump treibt, kann man wahlweise als Wahnsinn oder Erpressung wie bei einem Mafia-Clan bezeichnen. Ob es zur transatlantischen Scheidung führen wird, werden die kommenden Tage zeigen. Es muss nicht so kommen.

Hat Trump sich verrannt?

Auf der einen Seite gerät Trump selbst innerhalb seiner Partei immer stärker unter Druck. Er muss sich fragen, ob ein „Deal“ für ihn und seine Machtposition nicht effektiver ist als ein paar US-Flaggen im grönländischen Schnee. Alles, was er wirklich braucht, kann er auf der größten Insel der Welt auch mit wenig Schaum vor dem Mund bekommen. Warum das Völkerrecht brechen? Warum weite Teile der US-Bevölkerung und der eigenen Partei gegen sich aufbringen? Warum einen Handelskrieg mit Europa riskieren, der sich sehr nachteilig für die eigene Wirtschaft auswirken dürfte?

Trump wird diese Fragen nochmal anders bewerten, wenn Europa aufhört mit Unterwerfung und Beschwichtigung, sondern entschlossen handelt. Zugegeben wird das nicht einfach: Trumps cleverer Schachzug war, nicht allen europäischen Ländern mit Strafzöllen zu drohen, sondern „nur“ acht von ihnen. Aber es muss gelingen.

Allem Anschein nach ziehen vor allem Deutschland und Frankreich seit dem Wochenende durch: Strafzölle und andere Sanktionen gegen die USA nahen. Die für diese Woche geplante Verabschiedung des Zollabkommens zwischen den USA und der EU im EU-Parlament steht kurz vor dem Stopp.

Was US-Präsident Donald Trump treibt, kann man wahlweise als Wahnsinn oder Erpressung wie bei einem Mafia-Clan bezeichnen.

Thorsten Giersch, Chefredakteur

Feiern ohne Freunde?

Das ist gut so. Die Solidarität mit Dänemark ist sakrosankt, auch wenn das Dilemma Europas kaum größer sein könnte angesichts der militärischen Abhängigkeit von den USA. Aber eine durch Zölle erodierende Wirtschaft kann auch nicht helfen, hinreichend in Verteidigung zu investieren. Trump muss klar gemacht werden, wie hart die US-Wirtschaft ein Handelskrieg mit Europa treffen würde: Inklusive Großbritannien sind es über 500 Millionen Verbraucher – wo in der Welt konsumieren mehr Menschen Dienstleistungen und Produkte Made in USA? Und will Trump gegen China inklusive aller Verbündeten wirklich allein antreten?

Noch fliegt die US-Wirtschaft gemessen an den wesentlichen Kennzahlen, aber viel vielen Amerikanern kommt das nicht an. Die steigenden Preise aufgrund von Zöllen aber durchaus. Am 4. Juli feiert die älteste Demokratie der Welt ihren 250. Geburtstag. Es liegt an Trump, ob man ihn weitgehend allein begeht – oder gemeinsam mit Europa.

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