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Union vs. AfD: Umfragen eng – Koalition gefordert - was das für die Wirtschaft bedeutet

| Markt und Mittelstand Redaktion

INSA, Forsa oder Allensbach melden: Union und AfD Kopf an Kopf - was das für Schwarz-Rot, Märkte und Unternehmen bedeutet.

Plenum im Bundestag 2025
(Foto: Thomas Imo / photothek)

17.8.2025 - Markt und Mittelstand

Schwarz-Rot steht – aber es wackelt. Nach der neuesten INSA-Sonntagsfrage liegt die Union bei 26 Prozent, die AfD bei 25, SPD 15, Grüne 11, Linke 9, BSW 4, FDP 4. Erhoben wurde vom 11.–15. August (n=1.206, Telefon & Online), veröffentlicht am 16. August. Damit schrumpft der Vorsprung der Union auf nur einen Punkt; BSW und FDP blieben unter fünf Prozent.

Fast jeder Zweite (49 %) rechnet laut INSA damit, dass die Bundesregierung nicht bis 2029 durchhält; ein Drittel (33 %) glaubt an das reguläre Ende der Legislatur. Die Spannweite der Institute ist groß: Während einige Erhebungen die Union klar vorn sehen, führen andere die AfD knapp vor der Union. 

Im Forsa/RTL-ntv-Trendbarometer liegt die AfD bei 26 % und zwei Punkte vor der Union (24 %) – ein anderes Bild als bei INSA. Allensbach misst wiederum die Union deutlich vor der AfD (Juli-Mitte: 29 % zu 23 %). Die Spannweite reicht aktuell also von AfD + 2 bis Union + 6 – ein Signal, wie stark Methode, Gewichtung und Zeitpunkt die Messung beeinflussen. Die Kernaussage bleibt: Stabilität ist derzeit kein Mehrheitsgefühl.

Beim heiklen Punkt Waffenlieferungen an Israel teilt zwar eine Mehrheit (62 %) die Position des Kanzlers, auch 65 % der Unionswählerschaft. Doch 22 % lehnen einen Lieferstopp klar ab – auch in der eigenen Anhängerschaft. Minderheiten können Themen treiben, wenn ihre Präferenzstärke hoch ist. Politische Mehrheiten sind nicht gleich Energien im Meinungskampf.

30 Prozent der Befragten erwarten innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre einen Dritten Weltkrieg; bei Unter-30-Jährigen ist es eine relative Mehrheit (43 %). Angst wirkt politisch stärker als ihre Abwesenheit – und sie kann Koalitionsvertrauen erodieren.

Was bedeutet das für Wirtschaft und Märkte?

Für Unternehmen zählt Planungssicherheit. Sechs Punkte stechen heraus – sie bergen Risiken, eröffnen aber auch Chancen:

  • Neuwahlrisiko: Die steigende Wahrscheinlichkeit vorgezogener Szenarien macht es sinnvoll, frühzeitig politische Szenarien zu durchdenken und Strategien flexibel anzupassen. Wer in Energie, Steuern oder Arbeitsrecht verschiedene Optionen einkalkuliert, bleibt handlungsfähig.

  • Volatilität: Unterschiedliche Umfragebilder können zu kurzfristigen Marktbewegungen führen – gerade in Rüstungs-, Energie- oder Bautiteln. Für Unternehmen bedeutet das: Wer agile Finanz- und Beschaffungsstrukturen hat, kann auf Schwankungen schneller reagieren und sogar profitieren.

  • Agenda-Verschiebung: Außen- und Sicherheitsfragen gewinnen an Bedeutung. Das kann klassische Standortthemen zeitweise in den Hintergrund rücken, eröffnet aber Chancen für Branchen wie Energieversorgung, Rüstung, Cybersecurity oder Infrastruktur.

  • Investitionsstrategien: Auch wenn manche Projekte verschoben werden, gewinnen Investitionen mit hohem Flexibilitätsgrad an Wert. Wer in Digitalisierung, Effizienz oder modulare Produktion investiert, schafft sich ein Polster gegen politische Unsicherheiten.

  • Finanzierungsbedingungen: Politische Risiken können zu höheren Finanzierungskosten führen. Mittelständler, die transparente Governance-Strukturen und nachhaltige Geschäftsmodelle vorweisen, verschaffen sich Vorteile im Gespräch mit Banken und Investoren.

  • Standortwettbewerb: Politische Unsicherheit erhöht den Anreiz zur Diversifizierung. Wer Exportmärkte entwickelt oder Teile seiner Lieferkette international absichert, baut Resilienz auf und stärkt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit.

 

Zwischen Unsicherheit im Inland und Profilgewinn im Ausland

Die Umfragen ergeben ein uneinheitliches Bild, doch in einem Punkt sind sie klar: Stabilität ist kein Mehrheitsgefühl. Ob INSA, Forsa oder Allensbach – die Projektionen schwanken zwischen Union knapp vor der AfD und AfD knapp vor der Union. Damit bleibt die Koalition in Berlin zwar rechnerisch funktionsfähig, aber politisch unter Dauerbeobachtung.

Gerade deshalb fällt auf, dass Friedrich Merz einen anderen Kurs wählt als sein Vorgänger Scholz. Er sucht nicht die Verwaltung des Status quo, sondern die aktive Rolle in der Weltpolitik. Ob beim Trump-Putin-Gipfel in Alaska oder – bisherigen Berichten nach – an der Seite des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Emmanuel Macron, Keir Starmer, Giorgia Meloni und Alexander Stubb am morgigen Montag beim Ukraine-Treffen im Weißen Haus: Merz positioniert sich als europäischer Akteur, der in Sicherheitsfragen Gewicht hat und den Schulterschluss mit den Verbündeten sucht. Damit verschafft er der Kanzlerschaft ein internationales Profil, das der deutschen Politik zuletzt gefehlt hat. 

Für die Wirtschaft bedeutet dies zweierlei: Einerseits bleibt das Risiko vorgezogener Neuwahlen bestehen, andererseits eröffnet ein Kanzler, der Außen- und Sicherheitspolitik in den Mittelpunkt rückt, auch Chancen – etwa für eine klarere Strategie in Energie-, Rüstungs- und Industriepolitik. Die eigentliche Währung bis 2029 jedoch bleibt Vertrauen – und das ist in allen Umfragen derzeit knapp.

Quellen

Umfragen sind Stimmungsbilder, keine Prognosen; sie spiegeln das Jetzt, nicht den Wahltag.

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre (alle Umfragen im Überblick)

ARD Deutschland-Trend

ZDF Politbarometer

 

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