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Politik > Kommentar

Digitales: Wildberger setzt auf Tempo und Start-up-Mentalität

| Björn Hartmann

Mit dem neuen Digitalministerium scheint sich endlich etwas zu bewegen.

Wildberger schlägt sich gut, obwohl oder gerade, weil er Quereinsteiger ist, meint Björn Hartmann (Foto: picture alliance)

08.09.2025 Markt und Mittelstand  - von Björn Hartmann

Karsten Wildberger beweist sich als Top-Manager und macht Tempo in der schwarz-roten Bundesregierung. Sein Ministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung steht als jüngstes Ressort besonders unter Beobachtung.

Kritiker halten es für unnötig, weil Digitalisierung ohnehin alles durchdringe und es viel zu lange dauere, bis das Ministerium arbeitsfähig sei. Und da sind jene, die seit Jahren eines fordern, damit endlich einmal etwas vorangeht bei der Digitalisierung der Behörden. Der Minister schlägt sich bisher recht gut, obwohl oder gerade, weil er ein Quereinsteiger aus der Wirtschaft ist und den Politikbetrieb nur am Rand verfolgt hat. Und möglicherweise, weil er anders als viele, die nur von Digitalisierung reden, Ahnung davon hat. 

Bisher gab es keine nennenswerten Pannen. Der Minister trifft den richtigen Ton bei Unternehmen und Politik. Richtig arbeitsfähig ist sein Haus, das aus mehreren Abteilungen anderer Ministerien zusammengebaut wird, noch nicht.

Wildberger nennt es „Ministerium mit Start-up-Mentalität“. Gut so, dynamische Ideengeber sind gefragt. Das erste Gesetz war rasch verabschiedet und kam in Kommentaren gut an: Der Bundestag hat den Glasfaserausbau zum überragenden öffentlichen Interesse erklärt, was Verfahren abkürzen und entsprechend beschleunigen soll. Schnelles Internet und Mobilfunk für alle in Deutschland ist das Ziel. Es scheint, dass es diesmal funktioniert. 

Zugegeben: Wildberger profitiert hier von Vorhandenem, denn das Gesetz fußt auf einem der Ampel, die es wegen der Neuwahlen nicht mehr durch den Bundestag bekam. Auch die digitale Brieftasche (Eudi-Wallet), die spätestens Anfang 2027 kommen soll, wird bereits seit 2024 entwickelt. Und das erfolgreich, weil sich die Ampel traute, über die Bundesagentur für Sprunginnovation einen Wettbewerb zu starten, statt das Projekt auszuschreiben.

Beim Bürokratieabbau müssen den Worten noch mehr Taten folgen. Aber Wildbergers Haus braucht den Vergleich mit einem anderen, recht neuen Ministerium nicht scheuen. Das Bundesbauministerium startete 2021, weil es als wichtig erachtet wurde. Der große Schub ist dort bisher ausgeblieben.

 

Der Artikel erschien in der Print-Ausgabe Nr. 7 (September 2025) von Markt und Mittelstand.

Faktenbox: Karsten Wildberger

  • Geburtsjahr: 1969, Bensberg (NRW)

  • Ausbildung: Physikstudium in Aachen und St. Petersburg, MBA an der INSEAD Business School (Frankreich)

  • Karriere:

    • McKinsey-Berater, später Führungsposten bei Deutsche Telekom, Vodafone und E.ON

    • 2021–2025: Vorstandsvorsitzender von Ceconomy/MediaMarktSaturn

    • Seit 2025: Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (Schwarz-Rote Bundesregierung)

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