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Geld & Vorsorge > Betriebliche Altersvorsorge

Betriebsrente im Mittelstand: Was die pauschaldotierte Unterstützungskasse leistet

| Thorsten Giersch

Die Betriebsrente stärkt Mittelständler im Kampf um Talente. Die pauschaldotierte Unterstützungskasse bietet Chancen – birgt aber auch Risiken.

Zwei ausgelassene Rentner am Stand
Gute gelaunt: Mit einer betrieblichen Altersvorsorge lässt sich die Rente noch entspannter genießen. (Foto: shutterstock)

Eine betriebliche Rente bringt Firmen Vorteile bei der Mitarbeitersuche. Für risiko­affine Arbeitgeber kann die pauschaldotierte Unterstützungskasse interessant sein. 

01.10.2025 von Thorsten Giersch für Markt und Mittelstand

Mehr als 21 Millionen Deutsche sorgen über ihr Unternehmen fürs Alter vor. Dabei wird ein Teil des Bruttoentgelts in die betriebliche Altersvorsorge gesteckt. Seit 2002 sind Unternehmen verpflichtet, auf Nachfrage eine entsprechende Altersvorsorge zu ermöglichen. Seit 2019 müssen sie auch 15 Prozent Zuschuss zahlen, für ältere Verträge seit 2022. Es gibt Vorteile bei Steuern und Abgaben. Im Todesfall können Kinder in Ausbildung oder Partner die Betriebsrente bekommen. Und mit Rentenbeginn ausgezahlte Einmalbeträge können regulär vererbt oder verschenkt werden. Zusätzlich gibt es für einige Altersvorsorgemodelle staatliche Riester-Förderung. Und auch die Unternehmen können finanziell profitieren.  

Es gibt verschiedene Formen. Unternehmen, die sich nicht um die Betriebsrente kümmern wollen, finden zahlreiche Dienstleister, die sie ihnen abnehmen. Es gibt aber auch einen Weg, der ohne Versicherung auskommt. Die sogenannte pauschaldotierte Unterstützungskasse (pdUK) ist die älteste Form der betrieblichen Altersvorsorge. Ursprünglich kommt die pdUK aus der Großindustrie. 

Der Arbeitgeber bekommt vom Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttogehaltes, leitet ihn aber nicht an eine Versicherung weiter, sondern das Geld bleibt im Unternehmen. Wofür der Arbeitgeber das Geld verwendet, sei sehr unterschiedlich, sagt Manfred Baier, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes pauschaldotierte Unterstützungskassen. Einige zahlen einen Kredit frühzeitig ab, andere erweitern den Fuhrpark oder legen es am Kapitalmarkt an. „Es gibt zwei Typen von Unternehmen: Die einen brauchen das Geld und arbeiten damit. Und die anderen sparen oder verwenden es als Liquiditätsreserve“, erklärt Baier. Aus Sicht des Arbeitgebers steigt also die Krisenfestigkeit. Zudem ist die pdUK als soziale Einrichtung steuerfrei. 

Ein großer Vorteil für die Arbeitnehmer ist aus Baiers Sicht, dass vom Investment keine Gebühren für eine Versicherung abgehen. Wie viel der Arbeitgeber dazugibt, hat der Gesetzgeber nicht vorgegeben. Zu den Nachteilen der pauschaldotierten Unterstützungskasse gehört, dass ihre Verwaltung einen höheren Aufwand mit sich bringt, als wenn man das Thema bAV an eine Versicherung auslagert. Deswegen war die pdUK auch so lange vor allem ein Thema für Konzerne, die ohnehin Strukturen hatten. „Das kann ein Unternehmen mit 50 oder 200 Mitarbeitern ganz schwierig leisten“, gibt Baier zu. Jahresabschlüsse, Steuererklärung, satzungsmäßige Auflagen und die allgemeine Verwaltung nebst Mitgliederversammlung kosten viel Zeit. Deswegen ist man auch immer mehr dazu übergegangen, Gruppenunterstützungskassen zu gründen. „Diese Zusammenschlüsse machen die pdUK für die kleineren und mittleren Unternehmen oft erst möglich“, erklärt Baier. 

Ein zweiter Knackpunkt ist, dass Unternehmen 1,5 Prozent Rendite mit dem Geld ihrer Beschäftigten erst einmal erwirtschaften müssen. Betriebe sollten das Finanzierungsrisiko auch deshalb gut kennen, weil die Rentenzusagen der Unterstützungskasse in der Praxis oft nur die Rente für die ersten rund zehn Jahre ab Rentenbeginn abbilden. Lebt der Arbeitnehmer länger, muss der Arbeitgeber für sämtliche darüberhinausgehenden Verpflichtungen selbst aufkommen. Ohne Risiken und Nebenwirkungen ist keine bAV zu haben. Dennoch tun Firmen gut daran, eine Betriebsrente offen anzusprechen. Denn sie ist ein wichtiges Argument im Werben um Fachkräfte – gerade für Mittelständler. In Umfragen sagen vier von fünf Beschäftigten, dass solche Benefits für sie dazugehören oder immer wichtiger werden.

 

Zusammenschlüsse machen die pdUK für die kleineren und mittleren Unternehmen oft erst möglich

Manfred Baier, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes pauschaldotierte Unterstützungskassen

Faktenbox: Betriebsrente im Mittelstand – pauschaldotierte Unterstützungskasse (pdUK)

Grundidee

  • Älteste Form der betrieblichen Altersvorsorge (bAV), ursprünglich aus der Großindustrie.

  • Arbeitgeber behält die umgewandelten Gehaltsanteile im Unternehmen, statt sie an eine Versicherung weiterzuleiten.

  • Nutzung des Kapitals flexibel: Tilgung von Krediten, Investitionen (z. B. Fuhrpark), Kapitalmarktanlagen oder Liquiditätsreserve.

Vorteile für Arbeitgeber

  • Liquidität bleibt im Unternehmen → stärkt Krisenfestigkeit.

  • Steuerlich als soziale Einrichtung privilegiert.

  • Kein Abfluss von Kapital an Versicherungen.

  • Finanzielle Flexibilität durch Gruppenunterstützungskassen (geringerer Verwaltungsaufwand).

Vorteile für Arbeitnehmer

  • Keine Versicherungsgebühren → höhere Renditechance.

  • Arbeitgeberzuschüsse sind möglich, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.

  • Rentenleistungen können im Todesfall an Partner oder Kinder in Ausbildung übergehen.

  • Kapitalauszahlungen können vererbt oder verschenkt werden.

  • In bestimmten Fällen zusätzlich Riester-Förderung.

Nachteile & Risiken

  • Hoher Verwaltungsaufwand (Abschlüsse, Steuern, Satzung, Verwaltung, Mitgliederversammlung).

  • Für kleine Unternehmen allein oft kaum stemmbar → Zusammenschlüsse notwendig.

  • Arbeitgeber trägt Finanzierungsrisiko: Mindestrendite von ca. 1,5 % erforderlich.

  • Rentenzusagen decken oft nur die ersten 10 Jahre der Rente ab; danach haftet der Arbeitgeber.

Gesetzlicher Rahmen

  • Seit 2002 Pflicht zur bAV, wenn Beschäftigte sie verlangen.

  • Seit 2019 Zuschusspflicht von 15 % (für Altverträge seit 2022).

  • Mehr als 21 Millionen Deutsche nutzen betriebliche Altersvorsorge.

Relevanz im Fachkräftemangel

  • Vier von fünf Beschäftigten erwarten bAV-Angebote.

  • Betriebsrente steigert Attraktivität im Recruiting – besonders wichtig für Mittelständler.

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