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Führung & HR > Arbeitsmarkt Umfrage

Bewerbermangel lässt nach – aber Fachkräftelücke bleibt bestehen

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 4 Min.

Die teils dramatische Lage in den Unternehmen bei der Besetzung von Stellen hat sich laut einer Umfrage von Randstad und dem Ifo-Institut gebessert. Entwarnung beim Fachkräftemangel bedeutet das aber noch lange nicht.

Deutscher Arbeitsmarkt Fachkräftemangel Foto: Shutterstock
Eine Umfrage von Randstad und ifo-Institut zeigt: Trotz leicht gestiegener Bewerberzahlen bleibt es insbesondere für Unternehmen einiger Branchen beim Fachkräftemangel. Foto: Shutterstock

08.01.2026  Von Thorsten Giersch 

Vor zwei Jahren klagte noch mehr als jedes zweite Unternehmen über zu wenige Bewerberinnen und Bewerber. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt, wie eine Befragung von Randstad und dem Ifo-Institut zeigt. 28 Prozent der Personal suchenden Betriebe berichtet von einem Mangel an Bewerbungen. 2024 waren es noch 37 Prozent, 2023 sogar 54 Prozent.

Dabei gibt es große Unterschiede im Hinblick auf die Größe der Unternehmen: Die Entspannung ist bei Kleinbetrieben deutlich weniger ausgeprägt als bei großen und mittelgroßen – hier berichten vergleichsweise wenige Unternehmen Engpässen im Recruiting

Gleichzeitig bleiben HR-Pläne für 2026 zurückhaltend, und Neueinstellungen werden für viele Unternehmen teurer: Vor allem mittelgroße Betriebe zahlen neuen Mitarbeitenden spürbar mehr Gehalt. Ein Viertel der Unternehmen rechnet 2026 mit einem steigenden Personalbestand, ebenso viele mit Rückgängen. Besonders in der Industrie ist Zurückhaltung zu erkennen: 36 Prozent der Betriebe planen dort mit weniger Beschäftigten.

 

 

Höhere Gehälter bei Neueinstellungen

Vor allem in den Bereichen Technologie sowie Handwerk, Logistik und Vertrieb fehlen Bewerber. Damit liegen sie deutlich vor anderen Branchen wie Gastronomie oder Architektur/Bau. In technischen Berufen hat der Engpass im Vergleich zum Vorjahr sogar zugenommen.

Das bedeutet: Trotz abnehmendem Bewerbermangel bleibt die Personallücke in einigen spezialisierten Berufsgruppen erhalten. Unternehmen müssen also selbst bei insgesamt zurückhaltender Personalplanung in bestimmten Bereichen weiter aktiv um Talente konkurrieren – oftmals mit höheren Gehaltsangeboten.

Rund ein Viertel der Unternehmen verfügt 2026 bei Neueinstellungen über einen zusätzlichen finanziellen Spielraum – ähnlich viele wie im Vorjahr. Im Durchschnitt liegen die Gehälter für neue Mitarbeitende aber um 7,6 Prozent höher als die der Bestandsbelegschaft (Vorjahr: 7,1 Prozent). Besonders auffällig ist die Lage bei mittelgroßen Firmen: Unternehmen mit 250 bis 499 Mitarbeitenden kalkulieren inzwischen für Neueinstellungen mit einem Gehaltsaufschlag  von 10,2 Prozent – fast doppelt so viel wie noch im Jahr zuvor.

Versuch der Balance

„Die Entspannung beim Bewerbermangel täuscht leicht darüber hinweg, dass es in vielen Bereichen nach wie vor eng bleibt“, sagt Susanne Wißfeld, Geschäftsführerin bei Randstad Deutschland. „Unternehmen stellen selektiver ein – und greifen dort, wo es nötig ist, tiefer in die Tasche. Gleichzeitig bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angespannt, was sich in der moderaten Lohnentwicklung insgesamt widerspiegelt.“

Unabhängig von den Aufschlägen bei Neueinstellungen planen 77 Prozent der Unternehmen für 2026 mit steigenden Löhnen. Die erwartete durchschnittliche Erhöhung liegt allerdings mit 3,8 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert (4,2 Prozent).

„Angesichts einer erwarteten Inflation von rund zwei Prozent bedeutet das einen moderaten realen Zuwachs – aber keine kräftige Lohnbewegung“, sagt Susanne Wißfeld. „In vielen Unternehmen zeigt sich damit eine Balance zwischen wirtschaftlicher Vorsicht und der Notwendigkeit, attraktiv zu bleiben.“

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