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Geld & Vorsorge > Modebranche / Unternehmenskrise

Hamburg: Premium-Mode-Label Closed insolvent – Investorensuche gestartet

| Markt und Mittelstand Redaktion

Das Hamburger Modelabel Closed meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an. Geschäftsbetrieb läuft weiter. Investorensuche hat begonnen.

Illustration: Schaufenster, Dollarzeichen und "Closed" als Schriftzug
Insolvenz in Hamburg: Die Modemarke Closed sucht Investoren für einen Neuanfang – Filialnetz und Marke sollen erhalten bleiben. (Foto: ki-generiert, MuM)

7.8.2025 - Markt und Mittelstand:  Die Hamburger Modemarke Closed hat beim Amtsgericht Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Als Gründe nennt das Unternehmen die stark gestiegenen Finanzierungskosten und das herausfordernde wirtschaftliche Umfeld im Modehandel. Trotz des Antrags läuft der Geschäftsbetrieb an den rund 40 Standorten im In- und Ausland weiter – zumindest vorerst.

Geschäftsführer Gordon Giers betont, man wolle Closed „zukunftsfähig aufstellen und erhalten“. Die Gehälter der knapp 400 Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit zunächst gesichert. Ein erfahrener Sanierungsexperte soll das Unternehmen nun bei der Restrukturierung begleiten.

Parallel zur Fortführung des Betriebs sucht Closed aktiv nach Investoren, um das Label dauerhaft zu stabilisieren. Ob es gelingt, das bekannte Label für Premium-Jeans und urbane Casualwear zu retten, ist derzeit offen – doch die Management-Entscheidung zur Eigenverwaltung lässt zumindest eine kontrollierte Sanierung zu.

Umsatz und Vertriebsstruktur

Im letzten veröffentlichten Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2022/23 wies Closed einen Umsatz von mehr als 120 Millionen Euro aus. Damals erwirtschaftete das Unternehmen noch einen knappen Jahresüberschuss von über einer halben Million Euro, wie der Spiegel meldet. Das Geschäftsmodell basiert auf drei Säulen: 40 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Wholesale, 25 Prozent aus dem Onlinehandel und 35 Prozent aus dem stationären Einzelhandel. Das Filialnetz erstreckt sich auf Deutschland, Österreich, die Niederlande, Belgien, Spanien und die Schweiz.

Restrukturierung und Investorensuche

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Stefan Denkhaus von der Hamburger Kanzlei BRL bestellt. Denkhaus war zuvor unter anderem für das Insolvenzverfahren der Warenhauskette Galeria verantwortlich. Eine Insolvenzgeldvorfinanzierung wurde initiiert, um die Gehälter der Belegschaft zu sichern.

Die Suche nach einem Investor läuft bereits. „Erste vielversprechende Gespräche mit potenziellen Investoren haben begonnen", teilte das Unternehmen mit. Insolvenzverwalter Denkhaus zeigt sich zuversichtlich: „Closed ist eine tolle Marke – ich bin sehr zuversichtlich, dass wir einen Investor finden und wir Closed als Hamburger Unternehmen erhalten."

Fakten kompakt: Closed Insolvenz

  • Closed GmbH mit Sitz in Hamburg beschäftigt rund 450 Mitarbeiter
  • Umsatz im Geschäftsjahr 2022/23: über 120 Millionen Euro
  • Vertriebsstruktur: 40% Wholesale, 25% Online, 35% stationärer Einzelhandel
  • Filialnetz umfasst 40 Standort in Deutschland, Österreich, die Niederlande, Belgien, Spanien und die Schweiz.

 

Investorenanalyse: Wer könnte für Closed infrage kommen?

Closed hat – anders als viele Fast Fashion-Modelle – einen Markenwert, auf dem sich aufbauen ließe. Ob das reicht, hängt vom richtigen Investor und einem schlüssigen Sanierungskonzept ab. In Frage kämen:

1. Strategische Käufer aus der Modebranche:

Premium- oder Luxusmarken mit komplementärem Portfolio könnten Closed als Markenbaustein nutzen – etwa Markenhäuser wie Marc O’Polo, Hugo Boss, Arket (H&M Group) oder ausländische Player wie Diesel oder Replay.

2. Beteiligungsgesellschaften:
Private-Equity-Firmen mit Retail-Erfahrung könnten Closed restrukturieren und mittelfristig weiterverkaufen – denkbar wären z. B. Equistone, Capiton, Aurelius oder Nexicap.

3. Family Offices / Impact-Investoren:
Geschäftsmodelle mit starker Identität und Nachhaltigkeit könnten Family Offices ansprechen, insbesondere wenn der Markenwert erhalten bleibt und ESG-Ziele bedient werden.

4. Branchenfremde Investoren:
Finanzstarke Investoren mit Interesse an Lifestyle-Marken könnten Closed als Plattform zur Expansion nutzen – z. B. ähnlich wie LVMH kleinere Marken integriert.

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