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Studien & Forschung > Fragile Lage

DATEV Mittelstandsindex September 2025: Keine Erholung für KMU

| Markt und Mittelstand Redaktion

Der DATEV Mittelstandsindex September 2025 zeigt: Umsätze sinken, Löhne steigen, Beschäftigung stagniert. Eine toxische Mischung, die deutlich macht, das kleine und mittlere Unternehmen weiter unter Druck stehen.

Wackeliger Turm
Ein wackeliger Jenga-Turm symbolisiert die fragile wirtschaftliche Lage im deutschen Mittelstand – der DATEV Mittelstandsindex zeigt im September 2025 keine Erholung für KMU. (Foto: shutterstock)

23.09.2025 von Markt und Mittelstand

Kennzahlen zur wirtschaftlichen Lage haben oft das Problem, dass sie erst mit großer Verspätung die aktuelle Lage anzeigen oder auf Umfragen basieren. Beim Mittelstandsindex der Datev ist das anders: Er wird seit einem Jahr Monat für Monat errechnet.

Umsätze im Mittelstand sinken – besonders Handel, Bau und Gastgewerbe betroffen

Die aktuellen Umsatzwerte des DATEV Mittelstandsindex, die auf den Daten vom August basieren, zeigen, dass die wirtschaftliche Lage im deutschen Mittelstand weiterhin angespannt ist. Der Umsatz sank saison- und kalenderbereinigt im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent auf 91,6 Punkte (2022 = 100). Besonders deutlich fiel der Umsatzrückgang in den Branchen Gastgewerbe (minus 5,8 Prozent), Handel (minus 1,3 Prozent) und Bauhauptgewerbe (minus 1,4 Prozent) aus. Positiv ist, dass der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe um 1,4 Prozent wuchs.

Löhne steigen weiter: Belastung für kleine und mittlere Unternehmen

Auch im August stiegen die Löhne und Gehälter weiter an, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie in den Vormonaten. Der Lohnindex kletterte auf 114,9 Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 3,7 Prozent – sowohl nominal als auch saison- und kalenderbereinigt. Diese Entwicklung zeigt sich über alle Branchen, Bundesländer und Unternehmensgrößen hinweg.

Beschäftigungsindex stagniert: kleine Betriebe weiterhin im Abbau

Der Beschäftigungsindex stagniert saison- und kalenderbereinigt bei 101,8 Punkten, was einem Plus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Seit April 2025 bewegt er sich auf diesem Niveau. Dabei zeigen sich insbesondere bei den Branchen und Unternehmensgrößen sehr unterschiedliche Entwicklungen. „Wir sehen, dass die Talsohle bei der Beschäftigungsentwicklung durchschritten scheint. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Kleinst- und kleine Unternehmen weiterhin im Beschäftigungsabbau befinden“, betont Robert Mayr, CEO der Datev.

DATEV Mittelstandsindex liefert Echtzeit-Einblicke in die Wirtschaftslage

Der Index gibt seit einem Jahr jeden Monat nahezu in Echtzeit präzise Einblicke in die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung von mittelständischen Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitenden. Er ist mehr als eine Zahl, denn er zeigt auch, mit welchen wirtschaftlichen Herausforderungen der deutsche Mittelstand konfrontiert ist: Umsatzdruck, steigende Löhne und teilweise rückläufige Beschäftigung.

Kleine Unternehmen verlieren gegenüber Großkonzernen an Boden

Seit September 2024 gingen die Umsätze im Vorjahresvergleich fast durchgehend zurück, während gleichzeitig die Löhne deutlich stiegen. Insbesondere in den kleinsten und kleinen Unternehmen sank angesichts dieser Herausforderungen die Zahl der Beschäftigten. „Der Mittelstandsindex zeigt, dass die mittelständische Wirtschaft auf externe Einflüsse empfindlicher reagiert als die Gesamtwirtschaft“, so Mayr. „Seit 2022 entwickeln sich die Gesamtwirtschaft und die KMU bei der Umsatzentwicklung auseinander. KMU verlieren gegenüber Großunternehmen an Boden.“ Die Politik müsse deshalb endlich ihre Hausaufgaben machen und unter anderem mutig die Bürokratie abbauen sowie dringend notwendige Investitionen in die Infrastruktur tätigen.

Rückblick: Pandemie, Energiekrise und Inflation prägen den Mittelstand

Die bis 2018 zurückreichenden Datenreihen des DATEV Mittelstandsindex machen deutlich, wie der deutsche Mittelstand in den vergangenen Jahren regelrecht durchgeschüttelt wurde: Vor der Pandemie dominierten moderate Umsatz- und Beschäftigungszuwächse, die vor allem vom Dienstleistungssektor und Binnenhandel getragen wurden. 2020 folgte der deutliche Einbruch durch die Corona-Pandemie mit Umsatzrückgängen und temporärem Personalabbau in besonders betroffenen Branchen wie der Gastronomie, der Beherbergung und Teilen des Verarbeitenden Gewerbes. Im Jahr 2021 und zu Beginn des Jahres 2022 setzte eine teils volatile Erholung ein. Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine führten jedoch hohe Energiepreise und Inflationsraten zu einem neuen Belastungszyklus, der die Erträge und die Planungssicherheit der Unternehmen massiv beeinträchtigte und viele Betriebe an ihre Belastungsgrenzen brachte. Aus den Datenreihen geht hervor, dass Kleinstunternehmen besonders stark betroffen waren und sich bis heute nicht erholt haben.

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Quellen: DATEV (Mittelstandsindex)

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