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Der Steiff-Bär: Wie ein Plüschtier zur globalen Kultmarke wurde

| Midia Nuri

Vom Filzelefanten zum Kult-Teddy: Wie Margarete Steiff mit Mut, Design und „Knopf im Ohr“ Weltgeschichte schrieb.

3 x 6 Steiff-Teddys
Ein Jahrhundert im Plüsch: Der legendäre Steiff-Teddy mit Knopf im Ohr bleibt das Symbol deutscher Handwerkskunst. (Foto: Steiff)

von Midia Nuri für Markt und Mittelstand

Eine fünfstellige Summe für einen Teddybären – das will schon etwas heißen. Gut, er hat es auch in sich, gehört zur Gattung der Wärmflaschen-Tiere. Mit 117 hat das Tier, das da im November 2024 im Ladenburger Auktionshaus versteigert wird, auch ein sehr hohes Alter erreicht. Ganz wichtig für die Bieter aus Großbritannien, den USA und Japan: Der Bär ist von Steiff. Er wechselt dann für 36.000 Euro den Besitzer. Das Unternehmen versteigert an jenem Tag Tiere aus dem Archiv, die doppelt sind. „Es ist etwas ganz Besonderes, über 140 Jahre Firmengeschichte so aufgebaut vor sich zu sehen“, sagt Margarethe-Steiff-Chef Frank Rheinboldt, „und dann in einer so dynamischen Auktion auch zu spüren, was für eine Anziehungskraft die Tiere von Steiff weltweit schon immer hatten und heute noch haben.“ Im bunten Zoo der Firmengeschichte spielt der Teddybär noch heute die bedeutendste Rolle. Aber er war nicht der Erste. 

Margarethe Steiff, Jahrgang 1847 und seit einer Erkrankung in der frühen Kindheit gelähmt, gründet 1877 im baden-württembergischen Giengen an der Brenz ein Filzkonfektionsgeschäft und verkauft mit mehreren Näherinnen erfolgreich selbst angefertigte Kleidungsstücke und Haushaltsartikel. Harte Arbeit gegen einige Widerstände, wie der nach ihr benannte Kinofilm von 2005 zeigt. „Wer an sich selbst glaubt, ist frei“, ist Steiffs Credo. 

In einer Modezeitschrift sieht sie das Schnittmuster für einen als Nadelkissen gedachten Filz­elefanten und näht das Tier. Das Elefäntle kommt vor allem bei Kindern an – als Spielzeug. Es ist 1880, das offizielle Gründungsdatum der Margarete Steiff Filzwarenfabrik, die am 3. März 1893 ins Handelsregister eingetragen wird. Damals präsentiert das junge Unternehmen mit seinen vier Näherinnen und zehn Heimarbeiterinnen erstmals Spielwaren auf der Leipziger Spielwarenmesse. Der erste Steiff-Katalog zeigt neben Elefanten auch Affen, Esel, Pferde, Kamele, Schweine, Mäuse, Hunde, Katzen, Hasen und Giraffen. „Für Kinder ist nur das Beste gut genug“, sagt Steiff. 

Der Bär taucht kurz nach der Jahrtausendwende auf. Erfunden hat ihn Richard Steiff, der als „Fräulein Gretles“ kreativer Lieblingsneffe gilt und 1895 im Unternehmen anheuert. 1902 entwirft er den Bär 55 PB – ein 55 Zentimeter großer Plüschbär (P) mit beweglichen Gliedern (B) aus Mohairfell. 

Zu Ruhm und Namen bringt den Kuschelbär der damalige US-Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt. Er soll sich bei einem Jagdausflug geweigert haben, einen angebundenen Bären zu erschießen. Der Karikaturist Clifford K. Berryman stellt ihn daraufhin in der Washington Post immer mit einem Bären dar. „Dies war für unseren Teddybären die beste Werbung“, freut sich Hersteller Steiff. Ein amerikanischer Händler, der auf der Messe 3000 Stück bestellt, startet den Teddy-Boom in den USA. 1906 stellt Steiff mit damals 400 Mitarbeitern und 1800 Heimarbeitern 973.999 Teddybären her – mehr als die Hälfte aller Artikel. 

Um die Produkte vor Nachahmung zu schützen, entwickelt 1903 Franz Steiff, ein weiterer Neffe im Unternehmen, das Markenzeichen, den Knopf im Ohr. Der ist zunächst mit Elefant verziert, später mit dem Schriftzug „Steiff“. Franz und Richard Steiff führen das Unternehmen auch weiter, als Margarete Steiff 1907 stirbt. 

Nach dem Ersten Weltkrieg baut Steiff die Fließbandfertigung aus und nimmt neben Plüsch- auch Spielwaren aus heimischen Hölzern ins Sortiment. Seit 1926 arbeitet Steiff mit Disney zusammen. Das bringt Donald, Micky und Winnie Puuh ins Sortiment. Heute tragen Bat- und Superman sowie Harry Potter oder das Maskottchen des 1. FC Köln, Geißbock Hennes, ebenso Knopf im Ohr wie die Bestseller Snoopy oder Baby-Kuscheltier Hoppi Hase. Meistverkauftes Tier ist aber bis heute der Teddy.

 

Der Beitrag erschien in der November-Ausgabe von Markt und Mittelstand 2025

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