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Studien & Forschung > IW-Studie

Deutschlands Industrie: Hochproduktiv, aber viel zu teure Arbeitskosten?

| Markt und Mittelstand Redaktion

Die deutsche Industrie produziert so teuer wie kaum ein anderes Land. Teurer ist es nur noch in Lettland, Estland u. Kroatien. Laut IW-Studie sind die Lohnstückkosten hierzulande um 22 Prozent höher als im internationalen Schnitt.

Feinmechaniker unter einem Auto
Deutschlands Industrie steht zwischen hoher Produktivität und steigenden Arbeitskosten – die Wettbewerbsfähigkeit gerät ins Wanken.(Foto: shutterstock)

27.8.2025 - Markt und Mittelstand :  Arbeitskosten, Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit – drei Begriffe, die über die Zukunft des Industriestandorts Deutschland entscheiden. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Trotz beachtlicher Leistungsfähigkeit droht die deutsche Industrie ins Hintertreffen zu geraten.

Teure Produktion trotz hoher Effizienz

Die IW-Studie macht die Lohnstückkosten zum zentralen Maßstab. 2024 lagen sie in der deutschen Industrie um 22 Prozent über dem Durchschnitt von 27 Industriestaaten. Das heißt: Für jede produzierte Einheit zahlen deutsche Unternehmen im Schnitt ein Fünftel mehr an Löhnen und Gehältern. Teurer ist es nur noch in Lettland, Estland und Kroatien.

Zwar zählt Deutschland weiterhin zu den produktivsten Standorten weltweit und erreicht Platz sieben im internationalen Vergleich. Unter den großen Industrienationen liegt nur die USA höher – dort sind die Arbeitskosten jedoch zwei Prozent niedriger, während die Produktivität 44 Prozent über dem deutschen Wert liegt.

Wachstumsdynamik bricht ein

Ein Blick auf die Entwicklung seit 2018 zeigt, wie der Abstand zur Konkurrenz wächst. Zwar stiegen die Lohnstückkosten hierzulande mit 18 Prozent etwas langsamer als im Ausland (20 Prozent). Doch während die Bruttowertschöpfung in anderen Ländern im Schnitt um sechs Prozent zulegte, schrumpfte sie in Deutschland um drei Prozent. Die Industrie konnte weniger Produkte absetzen – ein Hinweis darauf, dass die frühere Fähigkeit, Preise über Technologievorsprung durchzusetzen, schwindet. Besonders die Konkurrenz aus China verschärft den Druck.

Strukturelle Risiken für den Standort

Die Diagnose ist klar: Hohe Arbeitskosten treffen auf eine nachlassende Innovationsführerschaft. Damit wächst die Gefahr, dass deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb nicht mehr allein über Qualität und Effizienz bestehen können. Der Strukturwandel in Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Chemie und Automobil verstärkt die Sorge vor einer Deindustrialisierung.

Ausblick: Kosten steigen weiter

IW-Ökonom Christoph Schröder warnt, dass die Belastung nicht nachlassen wird: „Der Fachkräftemangel treibt die Löhne weiter nach oben, die Kosten am Standort Deutschland dürften in den kommenden Jahren weiter steigen.“ Politik könne gegensteuern, indem sie das Wachstum der Lohnnebenkosten bremst und die demografischen Risiken im Sozialsystem adressiert.

Ohne Reformen, so Schröder, droht der Standort Schritt für Schritt seine industrielle Basis zu verlieren – mit Folgen, die weit über die Industrie hinausreichen.

Strukturelle Risiken für den Standort

Die Diagnose ist klar: Hohe Arbeitskosten treffen auf eine nachlassende Innovationsführerschaft. Damit wächst die Gefahr, dass deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb nicht mehr allein über Qualität und Effizienz bestehen können. Der Strukturwandel in Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Chemie und Automobil verstärkt die Sorge vor einer Deindustrialisierung.

Ausblick: Kosten steigen weiter

IW-Ökonom Christoph Schröder warnt, dass die Belastung nicht nachlassen wird: „Der Fachkräftemangel treibt die Löhne weiter nach oben, die Kosten am Standort Deutschland dürften in den kommenden Jahren weiter steigen.“ Politik könne gegensteuern, indem sie das Wachstum der Lohnnebenkosten bremst und die demografischen Risiken im Sozialsystem adressiert.

Ohne Reformen, so Schröder, droht der Standort Schritt für Schritt seine industrielle Basis zu verlieren – mit Folgen, die weit über die Industrie hinausreichen.

Fakten kompakt: Lohnstückkosten im internationalen Vergleich

  • +22 %: Deutsche Lohnstückkosten 2024 über dem Schnitt von 27 Industriestaaten
  • +15 %: über dem Niveau des Euro-Auslands

  • Rang 4: Deutschland liegt beim Lohnstückkostenniveau international weit oben – nur Lettland, Estland und Kroatien sind teurer

  • 3. Platz bei Arbeitskosten: Nur in Dänemark und Belgien zahlen Unternehmen noch höhere Löhne

  • Produktivität: Deutschland bleibt hochproduktiv, aber nicht hoch genug, um die Arbeitskosten zu kompensieren

  • USA & Japan: produzieren mit bis zu 32 % niedrigeren Lohnstückkosten

  • 2018–2024: deutsche Lohnstückkosten +18 %, gleichzeitig Rückgang der realen Wertschöpfung

Quelle: IW-Trends - Lohnstückkosten im internationalen Vergleich

Praxis-Check: Was Mittelständler daraus lernen können

  • Arbeitskosten managen: Die Studie zeigt, dass deutsche Firmen im internationalen Vergleich teurer produzieren. Unternehmen sollten deshalb Löhne, Sozialbeiträge und Zusatzkosten langfristig in ihre Standortentscheidungen einpreisen.
  • Innovationskraft stärken: Weil Produktivität allein die hohen Kosten nicht mehr ausgleicht, wird Investition in Forschung, Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

  • China im Blick behalten: Die IW-Analyse betont den wachsenden technologischen Druck durch chinesische Wettbewerber. Firmen brauchen kürzere Innovationszyklen, um ihre Marktanteile zu halten.

  • Standortentscheidungen prüfen: Energiepreise, Infrastruktur und Bürokratie beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit stärker denn je – eine differenzierte Standortstrategie kann Kostenrisiken abfedern.

  • Demografischer Wandel: Fachkräftemangel und steigende Sozialbeiträge verschärfen den Druck. Unternehmen sollten proaktiv auf Automatisierung, Weiterbildung und internationale Rekrutierung setzen.

  • Resilienz durch Diversifizierung: Wer Absatzmärkte, Zulieferer und Energieträger breiter aufstellt, ist weniger krisenanfällig und kann Kostensteigerungen besser kompensieren.

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