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Geld & Vorsorge > Gastbeitrag

Einfacher Start mit ETFs für die Altersvorsorge

| Michael Mundenbruch | Lesezeit: 3 Min.

Statt komplizierter Rentenmodelle setzen immer mehr Menschen auf ETFs. Warum das simpel, flexibel und renditestark ist.

(Foto: shutterstock)

von Michael Mundenbruch

Die staatliche Rente ist derzeit wieder verstärkt in der öffentlichen Diskussion. Ob Frühstartrente, Aktivrente oder ein neues Modell des sogenannten „Lindner“- oder Vorsorge Depots. Fest steht: die gesetzliche Rente allein wird im Alter nicht reichen. Die Anfang der 2000er Jahre eingeführten Modelle der privaten geförderten Vorsorge Riester und Rürup haben das Problem auch nicht lösen können.  

Ein grundsätzliches Problem der meisten Ansätze ist die Komplexität. Staatliche Förderungen und Garantien sorgen dafür, dass die Rendite der geförderten Produkte unter der Inflationsrate zurückbleibt. Unter dem Strich baut man so keine Altersvorsorge auf, sondern verliert sogar noch Kaufkraft gegenüber den Einzahlungen. Ein langfristiges Verlustgeschäft ist die Folge. 

Gerade Unternehmer und Selbständige sind oft nicht vom gesetzlichen Rentensystem erfasst und müssen bzw. dürfen sich um ihre eigene Versorgung selbst kümmern. Sie können selbst entscheiden, wie das Geld am besten angelegt ist und wann sie es wieder entnehmen wollen. Die Corona Zeit hat gezeigt, dass diese Flexibilität bei Krisen ein Vorteil ist. Ohne staatliche Regulierung kann ein Engpass auch mal mit einem Griff in die Altersvorsoge überbrückt werden. In besseren Zeiten, mit mehr Geld werden die Rücklagen wieder aufgefüllt. 

 

Wie kann man seine eigene Vorsorge aufbauen?

Ein sehr einfaches und transparentes Instrument für die Umsetzung sind ETFs. ETFs sind börsengehandelte Fonds, die einen Index abbilden. Durch die einfache Struktur fallen bei großen Indizes nur geringe Gebühren an (ca. 0,1% bis 0,3% pro Jahr). Gerade die Gebühren sind der Grund für das schlechte Abschneiden von Riester, Rürup, Lebensversicherungen und anderen komplexen Produkten. 

ETFs gibt es auf Aktien, Anleihen, Geldmarkt und Rohstoffe. Die Frage ist nun in welche Anlageklasse investiert werde soll

Der Deutschen liebstes Kind sind Zinsanlagen wie Bankprodukte oder Anleihen. In den vergangenen Jahrzehnten und auch aktuell liegt der Zinssatz unter der Inflationsrate. Nach Steuern erreicht man mit Zinsanlagen noch nicht einmal einen Kaufkrafterhalt, geschweige denn einen Vermögenszuwachs.  

Eine Investition in ETFs auf Anleihen ist daher nur in der Entnahmephase ab Renteneintritt sinnvoll, um Schwankung zu reduzieren und zu verhindern, dass man bei einer schlechten Börsenphase Geld entnehmen muss. 

Der große Teil der Rücklagen sollte in Aktien ETFs investiert werden. Die wenigsten Menschen haben Zeit und Lust sich laufend mit ihrer Geldanlage zu beschäftigen. Das muss auch gar nicht sein. Sinnvoller ist es sein Geld in die großen und breiten Indizes zu Investieren. Am bekanntesten dürfte der MSCI World sind. Dieser Index enthält ca. 1500 Unternehmen aus 23 Industriestaaten. Wer wirklich in die ganze Welt investieren will, sollte auch die Schwellenländer mitberücksichtigen. Das kann z.B. durch eine Mischung von ETFs auf MSCI World und MSCI Emerging Markets erreicht werden oder durch Indizes, die beide Bereiche enthalten. Der Index FTSE all world enthält beispielsweise über 4000 Unternehmen aus 49 Ländern. Der Anteil der Schwellenländer liegt hier allerdings nur bei gut 10%. 

Wer noch breiter investieren möchte, kann auf den MSCI ACWI IMI setzen. Dieser Index enthält über 9000 Unternehmen und deckt den größten Teil des investierbaren globalen Aktienmarkts ab. 

Es kann also ganz einfach sein. Einmal einen ETF auswählen und darauf einen Sparplan einrichten. Die Zeit ist der entscheidende Faktor. Je länger man den Zinseszins Effekt arbeiten lässt, desto besser ist das Ergebnis und desto geringer der monatliche Aufwand, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Stiftung Warentest hat beispielhaft ausgerechnet: wer 77 Euro im Monat in Aktien spart, hat nach 30 Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit durchschnittlich über 100.000 Euro zur Verfügung. 

Wer kein regelmäßiges Einkommen hat (z.B. Selbständige) kann alternativ auch in guten Jahren zusätzliche Gelder oder nach erfolgreichen Aufträgen über Einmalzahlungen Geld zurücklegen. Dies kann ebenfalls in einen bestimmten ETF erfolgen, was einfach und flexibel ist.  

Wichtiger als die Auswahl des „perfekten“ ETFs ist es früh anzufangen und möglichst schnell ein Polster aufzubauen. Verkaufen und auf einen anderen ETF setzen ist ja auch jederzeit möglich, genauso wie ein Umschichten in ein steuerlich gefördertes Depot, wenn es irgendwann kommt.  

 

Der Autor

Michael Mundenbruch hatte von 2003 bis 2022 sein eigenes Ingenieurbüro. 2022 gründete er seine eigene Stiftung Mundenbruch Stiftung für Umwelt, Bildung, Forschung und Technik. 

Ehrenamtlich ist er seit 2017 Vorstand des Aktienclubs München e.V., wo er sich für eine bessere finanzielle Bildung in der Gesellschaft einsetzt. Seit 2019 ist er zudem Trainer der Verbraucherbildung Bayern (eine Iniative des bayerischen Verbraucherschutzministeriums) und vermittelt sein fundiertes Finanzwissen, insbesondere zu ETFs.  

 

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