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Führung & HR > Leadership & Empathie

Kann Menschlichkeit Unternehmen erfolgreicher machen? Lunia Hara über empathische Führung

| Thorsten Giersch

Empathische Führung stärkt Vertrauen und Effizienz. Buchautorin Lunia Hara zeigt, warum Menschlichkeit und Offenheit entscheidend für den Erfolg von Unternehmen sind.

Portrait Lunia Hara
Lunia Hara berät Führungskräfte: Empathische Führung basiert auf Menschlichkeit, Selbstreflexion, Offenheit und Feedback.

Lunia Hara berät Manager in empathischer Führung. Sie erklärt, warum mangelnde Sensibilität uneffektiv macht und was große Offenheit im Team bewirkt. 

 

09.09.2025 Markt und Mittelstand  - das Interview führte von Thorsten Giersch

Was ist empathische Führung? 

  • Lunia Hara: Ein holistischer Führungsstil, der Menschen im Unternehmen erfolgreich macht, damit das Unternehmen erfolgreich ist. Die Idee dahinter lautet: Wenn wir Beschäftigte ernst nehmen und begleiten, sind sie zufriedener und loyaler. 

Was ist der Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl? 

  • Lunia Hara: Das wird im Umgangssprachlichen oft verwechselt. Empathie ist die Fähigkeit, sich in die andere Person zu versetzen, zu erkennen, wie es dieser Person geht. Das ist passiv, aber die wichtige Brücke zum Mitgefühl. 

Inwiefern geht das darüber hinaus? 

  • Lunia Hara:  Mitgefühl ist, wenn man erkennt, dass eine andere Person leidet. Und in einem der Wunsch entsteht, dieses Leid zu verhindern oder zumindest zu lindern. Wer Mitgefühl zeigt, wird aktiv. Wenn ich über empathische Führung spreche, möchte ich Menschen zum Mitgefühl führen. Jeder Vorgesetzte sollte sich fragen: Was habe ich aktiv dafür getan, etwa meine Mitarbeitenden bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen? 

Das tun offenbar nicht viele. Einer Gallup-Umfrage zufolge sind nur rund zehn Prozent der arbeitenden Menschen als Führungskraft geeignet. 

  • Lunia Hara:  Ich war schockiert, als ich das gelesen habe. Es zeigt, wie leichtfertig oder unüberlegt wir Menschen in diese wichtige Position bringen und dann allein lassen. In sozialen Netzwerken ist sehr viel vom Frust der Beschäftigten und Sandwich-Führungskräfte zu lesen. 

Ist empathische Führung zeitaufwendiger als Drill and Order? 

  • Lunia Hara:  Das ist ein Vorurteil von denen, die sich nicht genug Zeit für ihre Führungsaufgaben nehmen oder ihren Leuten dafür nicht genug Zeit geben. Wer nebenbei führen soll, empfindet jedes Gespräch als zusätzlich belastend. Empathisch zu führen ist in der Anfangsphase etwas zeitintensiver, weil Vertrauen aufgebaut werden muss. Wenn das da ist, braucht man viel weniger Zeit, weil die Führungskraft nicht mehr so viel erklären und kontrollieren muss. Die Leute wissen: Wenn er oder sie das so sagt, vertraue ich darauf, dass es einen guten Grund hat und dass sie nicht übervorteilt werden. 

Sie haben vier Säulen der empathischen Führung definiert. Welche sind das? 

  • Lunia Hara:  Menschlichkeit, Selbstreflexion, Offenheit und Feedback als Ausdruck von Fürsorge. 

Fangen wir mit der Menschlichkeit an. 

  • Lunia Hara:  Der Mensch steht im Zentrum des unternehmerischen Erfolgs, weil Menschen jegliche Leistung oder Produkte des Unternehmens erzeugen. Mitarbeitende kommen noch vor Kunden. Denn sie sind es, die für die Kunden arbeiten und dafür sorgen, dass diese zufrieden sind. 

So weit, so einfach. 

  • Lunia Hara:  Menschlichkeit als Führungsfundament geht für mich noch einen Schritt weiter. Sie gilt nicht nur für die Mitarbeitenden im Unternehmen, sondern alle anderen, die entlang der Wertschöpfungskette mit dem Unternehmen in Berührung kommen. Führungskräfte tragen viel mehr Verantwortung, als sie gemeinhin annehmen, in einer globalisierten Welt, wo es viele geben kann, die von Verhalten als Einkäufer oder von den Produkten negativ betroffen sein können. 

Deshalb die Selbstreflexion? 

  • Lunia Hara:  Es ist leicht zu sagen: Mensch, das Team liefert nicht. Das Problem wird dann beim Mitarbeitenden gesucht oder beim Team oder beim Kunden. Aber man könnte auch innehalten und sich fragen: Wo habe ich meine Erwartungen nicht klar formuliert? 

Inwiefern? 

  • Lunia Hara:  Zum Beispiel, wenn jemand Feedback gibt, aber nicht vollständig. Die für die Person verantwortliche Führungskraft sollte sich fragen, warum die unbequeme Wahrheit ungesagt blieb. Und ob die Schuld daran allein der oder die Mitarbeitende trug. Was macht der Person Angst? Oft liegt das Problem nicht nur im Fachlichen, sondern im Persönlichen. 

Wie ist das mit Lob und Wertschätzung? 

  • Lunia Hara:  Wir sollten mit Lob und Wertschätzung viel großzügiger sein, als wir es bisher sind. Viele Menschen sind verunsichert oder haben kein starkes Selbstbewusstsein. Die halten eine Präsentation und denken, das habe ich komplett versemmelt. Und dann kommt eine andere Person und sagt: Was du gesagt hast, als der Kunde das fragte, war eine gute Antwort und sehr souverän. 

Was darf eine Führungskraft auch mal selbst von sich preisgeben? 

  • Lunia Hara:  Ich empfehle große Offenheit. So kann man schnell Vertrauen aufbauen. Das kennen wir auch aus dem Privatleben. Wenn das Gleichgewicht fehlt und nichts zurückkommt, erzählt man selbst auch weniger. Umgekehrt entsteht eine richtig gute Verbindung. Man muss nicht immer über Probleme reden, es können auch andere Sachen sein. Hauptsache, die Mitarbeitenden merken, dass sich die Führungskraft mit ihnen beschäftigt und ähnliche Sorgen hat. Viel geschieht auch über das Nonverbale. 

Inwiefern? 

  • Lunia Hara:  Wir können nicht nicht kommunizieren. Und wir erkennen auch diese Sprache, selbst wenn wir die Interpretation dessen inzwischen ein wenig verlernen. Wenn das, was ich erzähle, nicht zu meiner Körpersprache und Mimik passt, stört das die Kommunikation, was wir unbewusst wahrnehmen. Oft hat die negative Mimik mit dem Gesprächspartner nichts zu tun, aber unsichere Mitarbeiter beziehen das auf sich und denken: Was habe ich jetzt wieder getan, dass meine Führungskraft jetzt so schlecht gelaunt oder fahrig war? 

Das Interview erschien in der Print-Ausgabe Nr. 7 (September 2025) von Markt und Mittelstand.

Die Autorin

In Sambia geboren, zog Lunia Hara im Alter von zehn Jahren ohne Eltern nach Deutschland – ohne die Sprache zu können. Sie machte eine akademische Karriere, arbeitete selbstständig und als Managerin in Konzernen wie VW. Inzwischen hilft sie Führungskräften auch als Beraterin. 

 

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