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Geld & Vorsorge > Risiko & Prävention

Hochwasser-Gefahr für Firmen: Prävention, Risikoanalyse, Versicherung

| Midia Nuri | Lesezeit: 3 Min.

Hochwasser ist das teuerste Unternehmensrisiko. Wer Standorte prüft und vorbeugt, schützt Betrieb und Bilanz.

Luftaufnahme Hochwasser
Land unter: Bei diesem Bürogebäude erwischte das Hochwasser schon den Rohbau. (Foto: picture alliance)

 

Hochwasser ist inzwischen das größte und teuerste Risiko für Firmengebäude. Unternehmer sollten die Lage klären und der Gefahr vorbeugen. 

Von Midia Nuri 

Nah am Wasser gebaut zu haben, ist riskant. Seit Jahren treten immer wieder Flüsse über die Ufer und überschwemmen Felder, Häuser und Fabriken. Jahrhunderthochwasser heißt es. „Der Begriff führt in die Irre. Solche Hochwasser gibt es inzwischen öfter als alle 100 Jahre“, sagt Geowissenschaftlerin Svenja Marschler, die bei der R+V Versicherung im Risk Engineering auf Elementargefahren spezialisiert ist. Man kann sich schützen. Wenn schon nicht vor Katastrophen wie der zerstörerischen Flutwelle im Ahrtal, so doch mindestens vor den finanziellen Folgen. 

Wasser löste fast 37 Prozent aller Katastrophen seit 2000 aus. Nicht nur die Nähe zu Flüssen birgt Gefahren. Auch Rückstau, etwa wegen überlasteter Kanalisation nach Starkregen, kann Firmengebäude überfluten. „Bei Hochwasser gibt es oft Vorwarnungen, es kommt nicht ganz so schnell“, sagt Marschler, „Starkregen dagegen sehr plötzlich.“ Ist das Wasser erst einmal da, sind die Schäden unter Umständen groß, schon bei einem Zentimeter Wasser im Gebäude. Es drohen bauliche Schäden, das Inventar wird durch Dreck und Schlamm beschädigt“, sagt sie. Und oft müsse der Betrieb unterbrochen werden. 

Die Schäden sind gewaltig. Das Jahr mit den teuersten Naturgefahren war für die hiesigen Versicherer 2021. 15,9 Milliarden Euro Schadensumme wegen Sturm, Hagel, Überschwemmungen sowie Überschwemmungen in Folge von Stark­regen berechnete der Gesamtverband der Versicherer (GdV). Allein für die Flut im Ahrtal zahlten Gebäudeversicherer 2,257 Milliarden Euro. Insgesamt schlug diese bisher folgenschwerste Naturkatastrophe mit 8,75 Milliarden Euro zu Buche. 

Wie bei praktisch allen Risiken gilt: Am besten schützen sich Unternehmer beizeiten selbst davor – gegen Hochwasser mit technischen und baulichen Maßnahmen und für den Schadensfall mit einer passenden Versicherung. Sich auf öffentliche Maßnahmen und Hilfen zu verlassen, ist riskant. „Sicherer ist es, wenn man selbst präventiv tätig wird“, beobachtet Marschler. Denn Beschluss, Planung und Umsetzung von Maßnahmen dauern. Und meist läuft das erst nach dem Unwetter an. 

Der Begriff Jahrhunderthochwasser führt in die Irre – solche Fluten gibt es inzwischen deutlich öfter als alle 100 Jahre.

Um sich sinnvoll zu schützen, müssen Unternehmer zunächst das Risiko für das eigene Gebäude klären. Hierbei gilt es zu schauen, in welchem Abstand das nächste Gewässer fließt, ob das Gebäude am Hang oder in einer Mulde steht und welche Baustoffe im Keller und Erdgeschoss verbaut sind. Knapp zwölf Prozent aller Gebäude liegen hierzulande in einem Tal oder der Nähe eines Bachs und gelten dem GdV zufolge als stark gefährdet. Etwa 66 Prozent liegen im unteren oder mittleren Bereich eines Hangs, aber nicht unmittelbar an einem Wasserlauf, was als mittelgefährdet gilt. Nur etwas mehr als 22 Prozent der Gebäude sind gering gefährdet. „Unternehmer können dazu die Gefährdungskarten der Kommunen und Städte heranziehen oder den Hochwasser-Check des GDV auf der Basis von Zürs nutzen“, sagt Risikoexpertin Marschler.  

Dann gilt es, die richtigen Maßnahmen zu treffen. „Wir sagen immer Ausweichen vor Widerstehen vor Anpassen“, sagt sie. „Der beste Schutz ist Ausweichen.“ Geht es also um Bau, Kauf oder Neuanmietung, sollten Unternehmer Gefährdungsgebiete am besten meiden und den Firmensitz nicht in eine Mulde oder unten am Hang errichten. Auch bei Widerstehen und Anpassen geht allerhand. Immer gut sind Versickerungsflächen um das Gebäude herum. Sie können auch Kosten sparen – überall da, wo Abwassergebühren nach Schmutz- und Niederschlagswasser berechnet werden. 

Leider ist Hochwasser auch in Gebieten mit geringer Gefährdung nicht auszuschließen. Deshalb raten die Risikospezialisten, Gelände und Gebäude gleich so zu gestalten, dass geringfügige Überflutungen dem Gebäude nichts anhaben können. Es kann zum Beispiel ein wenig höher gebaut werden. „Der Regen muss an den Wassersperren noch versickern oder geordnet abfließen können.“ Wo das Wasser im Boden schlecht abfließt, helfen auch die ganz klassischen Sammelbehälter wie etwa die Regentonne im Garten oder unterirdische Zisternen. Und warum nicht auch auf dem Firmengebäude ein Gründach? Das „kann eine gewisse Menge Niederschlag aufnehmen und drosselt bei Starkregen – zumindest zeitweise – den Wasserablauf“, schreiben die Versicherer.  

Wichtig zu wissen ist auch, wie das Wasser im Ernstfall fließen würde. Dabei helfen die Experten von Dienstleistern und Versicherern. „Wir beraten Kunden zu sinnvoller Prävention, die dann auch die Versicherung günstiger macht“, sagt R+V-Spezialistin Marschler. „Aber man muss sagen: Es gibt Gebäude, bei denen sich die nötigen Schutzmaßnahmen nicht rechnen.“ Da bleibe nur ein Umzug in ein Gebäude fern vom Wasser.

Schon ein Zentimeter Wasser im Gebäude kann immense Schäden verursachen und ganze Betriebe lahmlegen.“

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