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Risikostrategien für Mittelständler: Auf den richtigen Mix aus Prävention und Versicherung kommt es an

| Lukas Nazaruk und Safak Okur

Von Insolvenzen bis Cyber-Bedrohungen: Wer die vielfältigen Risiken für sein Geschäft systematisch bewertet, kann Versicherern auf Augenhöhe begegnen und sich finanzielle Handlungsspielräume sichern.

Laptop-Nutzer mit virtuellen Symbolen zu Risk Management, Versicherung und Strategie.
Risk Management als strategischer Erfolgsfaktor: Mittelständische Unternehmen sichern sich mit Prävention, Versicherung und Datenanalyse gegen Risiken ab. (Foto: shutterstock)

10.09.2025: von den Gastautoren Lukas Nazaruk und Safak Okur

Die Zahl der Krisen, die Unternehmen aktuell im Blick behalten müssen, ist hoch: Kriege, Zoll- und Handelskonflikte verändern Märkte und Lieferketten, die Folgen des Klimawandels werden immer greifbarer. Hinzu kommen steigende Insolvenzen und Cyber-Angriffe – ein Risikococktail, der insbesondere mittelständische Unternehmen herausfordert. Denn diese stoßen im Handling aufgrund begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen oft an ihre Grenzen.

Um sich dagegen abzusichern, ist die Industrieversicherung ein wichtiges Werkzeug. Nach Jahren der angespannten Marktlage zeigen die Versicherer wieder mehr Bereitschaft, bestehende und neue Kunden zu attraktiven Prämien zu versichern. Für Unternehmen ergeben sich daraus Chancen, ihre Absicherungsstrategie zu überprüfen und bessere Konditionen auszuhandeln. Gleichzeitig gilt aber: Ein vorausschauendes und datenbasiertes Risikomanagement ist entscheidend, um eine Verbesserung zu erreichen.

Wenn Geschäftspartner zahlungsunfähig werden

Die weltweite politische Lage ist instabil. Handelskonflikte und militärische Auseinandersetzungen beeinflussen die Märkte. Für international aktive Mittelständler heißt das: Exporte und Lieferketten sind mit höheren Unsicherheiten behaftet. Die Konsequenzen zeigen sich bereits in den zunehmenden Unternehmensinsolvenzen. Laut Statistischem Bundesamt meldeten über 21.800 Unternehmen in Deutschland im letzten Jahr Insolvenz an – ein Plus von 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Firmen sind dabei nicht nur dem Risiko der eigenen Insolvenz, sondern auch der Zahlungsunfähigkeit ihrer Geschäftspartner ausgesetzt.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, gilt es daher, Partner – sowohl Abnehmer als auch Lieferanten – auf ihre Bonität zu prüfen, beispielsweise über Wirtschaftsauskunfteien. Essenziell ist zudem die Risikostreuung: Unternehmen sollten sich nicht von einzelnen Zulieferern oder Abnehmern abhängig machen, sondern ein breites Partnernetzwerk spannen. Dabei spielt auch das Herkunftsland eine Rolle: Welche politische Stimmung herrscht dort? Gibt es bestehende Konflikte oder drohende Spannungen? Diese schlagen sich oft in einer unvorhersehbaren Wirtschaftspolitik oder Regulatorik nieder.

Trotz aller Vorsorge bleibt ein Restrisiko bestehen. Hier kommt die Kreditversicherung ins Spiel: Sie schützt vor Forderungsausfällen, ermöglicht eine fundierte Bonitätsprüfung von Geschäftspartnern und stärkt die eigene Liquidität. Allerdings belasten die Schäden durch zunehmende Firmenpleiten auch die Versicherer. In den anstehenden Vertragserneuerungen ist daher mit höheren Preisen zu rechnen – insbesondere in den Branchen Industrie, Bau, Immobilien und Einzelhandel. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Risikoanalyse zusätzlich an Bedeutung: Legen Unternehmen ihre Risikostruktur transparent dar, haben sie bessere Chancen auf günstige Konditionen.

Klimarisiken analysieren, Prävention stärken

Zu den globalen Unsicherheiten kommt der Klimawandel mit all seinen Folgen: Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen, Sturm und Hagel werden intensiver und führen zu immer höheren Schadensummen. 2024 beliefen sich die versicherten Schäden allein in Deutschland auf 5,7 Milliarden Euro. Die Sachversicherer reagieren entsprechend und bepreisen Naturkatastrophenrisiken höher.

Unternehmen sollten daher das Klimarisiko für jeden ihrer Standorte und Handelsregionen datenbasiert erheben. Nur so lassen sich fundierte Aussagen über Gefährdungspotenzial treffen und entsprechende Präventionsmaßnahmen entwickeln. Dazu gehört unter anderem, Bauvorhaben neu zu bewerten, gegebenenfalls auf Standorte mit geringerem Gefahrenpotenzial auszuweichen oder auch Systeme für den Hochwasserschutz einzurichten. Derlei Maßnahmen verringern das Restrisiko, das ein Versicherer zu tragen hat – und schaffen damit einen größeren Spielraum in Vertragsverhandlungen.

Für erfolgreiche Gespräche spielt ebenso der Zugriff auf internationale Versicherungskapazitäten eine Rolle: Über gut aufgestellte Makler hat auch der Mittelstand die Möglichkeit, sein Versicherungsportfolio breiter zu streuen und Deckung womöglich über internationale Anbieter zu erhalten.

Digitalisierung und KI: Cyber-Risiken nehmen zu

Auch die Gefahren im digitalen Raum erreichen neue Dimensionen. Durch die fortschreitende Digitalisierung und zunehmende Komplexität der IT-Infrastrukturen vergrößert sich die Angriffsfläche der Unternehmen. Hinzu kommt eine Verschärfung durch KI-Technologie, die Attacken immer professioneller und schneller werden lässt. Laut einer Studie des Softwareunternehmens Check Point waren Cyber-Angriffe 2024 insbesondere von generativer Künstlicher Intelligenz geprägt.

Damit steigt zudem auch das persönliche Haftungsrisiko für Führungskräfte. Denn sie stehen in der Pflicht, die strategischen Leitplanken für eine sichere IT-Infrastruktur zu setzen. Cyber- und Datenverlustrisiken gelten daher nicht nur als größte Bedrohung für Unternehmen, sondern auch als zentrales Haftungsrisiko für das Management.

Die gute Nachricht: Der Markt für Cyber-Versicherungen hält der hohen Bedrohungslage stand. Es herrscht ein hoher Wettbewerb zwischen den Anbietern, wodurch ausreichend Versicherungskapazitäten zu attraktiven Prämien vorhanden sind. Zwar knüpfen Versicherer den Abschluss einer Police nach wie vor an Sicherheitsauflagen, doch diese sind inzwischen weniger pauschal. Versicherer bewerten Cyber-Risiken heute individueller und definieren passgenaue IT-Security-Maßnahmen, die umzusetzen sind. Unternehmen, die noch nicht über eine Cyber-Versicherung verfügen, sollten diese günstigen Bedingungen jetzt nutzen.  
Einen Überblick über diese und weitere Sparten der Industrieversicherung liefert der aktuelle Willis MarktSpot Report 2025.

Risikomanagement ist Dreh- und Angelpunkt

Klar ist: Die Risikolandschaft für Unternehmen ist komplex und unberechenbar. Industrieversicherungen spielen eine zentrale Rolle, um die Gefahren zu reduzieren, bieten aber nur in Kombination mit vorausschauendem Risikomanagement den gewünschten Schutz. Wer Risiken datenbasiert analysiert und Präventionsmaßnahmen ergreift, sichert nicht nur das eigene Unternehmen ab, sondern verschafft sich auch Vorteile bei den Verhandlungen mit Versicherern.

Die Autoren

Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich, Willis (links) und Safak Okur, Head of Broking Deutschland und Österreich, Willis

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