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Geld & Vorsorge > Insolvenzentwicklung 2025

2025: Unternehmensinsolvenzen steigen: Verkehr, Bau und Gastro besonders betroffen.

| Markt und Mittelstand Redaktion

Insolvenztrend in Deutschland: Mehr Fälle, geringere Schadenssummen - Warum jetzt vor allem kleine Firmen wanken.

2025 rutschen besonders kleine Unternehmen in die Insolvenz. Besonders betroffen: Verkehr, Bau und Gastronomie.(Foto: shutterstock)

Markt und Mittelstand - 14.Juli 2025: Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen ist im Juni 2025 um 2,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das geht aus den vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Auch wenn die Zahlen lediglich die Verfahren abbilden, die nach der ersten gerichtlichen Entscheidung erfasst wurden, deuten sie auf eine anhaltende konjunkturelle Belastung im Unternehmenssektor hin.

Parallel dazu meldeten die Amtsgerichte für April 2025 2.125 Unternehmensinsolvenzen – ein Anstieg um 11,5 % im Vergleich zum April 2024. Bemerkenswert dabei: Die Forderungssumme der Gläubiger sank drastisch – von 11,4 Milliarden Euro im April 2024 auf lediglich 2,5 Milliarden Euro im April 2025. Offenbar betrifft die aktuelle Insolvenzwelle vermehrt kleinere Betriebe, während größere Marktteilnehmer im vergangenen Jahr den Ton angaben.

Verkehr und Lagerei am stärksten betroffen

Die höchste Insolvenzhäufigkeit verzeichnete im April 2025 der Bereich Verkehr und Lagerei mit 11,3 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Baugewerbe und Gastgewerbe, beide mit einem Wert von 9,8. Der Branchenschwerpunkt zeigt, wo strukturelle Schwächen mit der wirtschaftlichen Gesamtlage kollidieren.

Die Ursache liegt häufig nicht nur in schlechter Geschäftslage, sondern auch in den Nachwirkungen politischer Entscheidungen, hohen Energiepreisen, Fachkräftemangel oder pandemiebedingten Nachwehen – allesamt Themen, die diese Branchen besonders treffen.

Kleine und mittelständische Unternehmen verfügen oft über geringere finanzielle Rücklagen und sind anfälliger für plötzliche Kostensteigerungen oder Nachfrageeinbrüche. Gleichzeitig fehlt ihnen häufig der Zugang zu strategischer Finanzierung oder politischen Schutzmechanismen, wie sie größeren Konzernen zur Verfügung stehen.

Verbraucherinsolvenzen: Stagnation auf hohem Niveau

Auch auf privater Ebene bleibt die Lage angespannt. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg im April 2025 leicht um 0,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat – auf 6.328 Fälle. Damit bleibt die Überschuldung privater Haushalte ein strukturelles Risiko im System, ohne derzeit jedoch dynamisch zu eskalieren.

Was die Zahlen (noch) nicht sagen

Destatis weist darauf hin, dass die Monatswerte für Juni noch nicht endgültig sind. Sie basieren auf den Veröffentlichungen der Insolvenzgerichte, die teils bis zu drei Monate nach Antragstellung erfolgen. Hinzu kommt: Die Statistik erfasst nur Fälle, bei denen tatsächlich ein Insolvenzverfahren beantragt wurde – nicht jedoch Geschäftsaufgaben ohne förmliches Verfahren.

Zudem gelten rund 30 % aller Insolvenzverfahren als Regelinsolvenzen. Sie betreffen vor allem Unternehmen, aber auch wirtschaftlich tätige Einzelpersonen, darunter ehemals Selbstständige, Komplementäre von oHGs oder Mehrheitsgesellschafter.

Fazit

Die Insolvenzdaten liefern ein klares Signal: Die Zahl der betroffenen Unternehmen steigt – besonders bei kleinen und mittleren Betrieben. Die gesunkenen Gläubigerforderungen deuten jedoch darauf hin, dass das Schwergewicht der Insolvenzfälle aktuell nicht in der Industrie oder im Konzernumfeld liegt, sondern im Mittelstand. Damit wird die Statistik zum Frühindikator für verdeckte wirtschaftliche Spannungen, die politisch wie unternehmerisch genau beobachtet werden sollten.

 

Quelle: Statistisches Bundesamt

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