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Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex: Selbstständige fassen wieder Mut

| Markt und Mittelstand Redaktion

Das Geschäftsklima für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen verbessert sich erneut. Besonders Dienstleister blicken wieder positiver in die Zukunft.

Stimmung im Aufschwung: Das Geschäftsklima bei Solo-Selbstständigen verbessert sich zum zweiten Mal in Folge. (Foto: ki-generiert/chtgpt)

Ein leichtes Aufatmen im Mikrokosmos der Selbstständigen: Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex stieg im Juni von minus 19,0 auf minus 15,7 Punkte. Zwar liegt der Wert damit weiterhin im negativen Bereich, doch signalisiert die Entwicklung eine spürbare Stimmungsaufhellung – insbesondere, weil die geschäftlichen Erwartungen weniger pessimistisch ausfielen.

Mehr Planungssicherheit – weniger Unsicherheit

Ein weiterer Indikator zeigt eine positive Entwicklung: Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen fällt es wieder etwas leichter, ihre künftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen. Laut Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex gaben im Juni noch 30,5 Prozent der Befragten an, dass ihnen Prognosen schwer fallen – nach 32,7 Prozent im Mai und 36,5 Prozent im April. Der Anteil derer, die ihre Geschäftsentwicklung schwer einschätzen können, gilt als Indikator für die wirtschaftliche Unsicherheit: Sinkt dieser Wert, deutet das auf wachsende Planungssicherheit hin.

Selbstständige tragen ihre Risiken unmittelbarer und persönlicher“, sagt Matthias Henze, CEO von Jimdo. „Dass sie jetzt wieder etwas mehr Orientierung verspüren, ist ein gutes Zeichen – aber eben nur ein kleiner Schritt.“

Strukturelle Hürden bleiben ungelöst

Trotz der positiven Tendenz bleibt der Abstand zur Gesamtwirtschaft deutlich. Dort liegt der ifo-Geschäftsklimaindex bei -6,7 Punkten – dem besten Wert seit über einem Jahr. Im Vergleich dazu erscheint das Klima unter Selbstständigen weiterhin frostig. Henze warnt: „Die strukturellen Probleme wurden nicht behoben.“

Dazu zählt etwa das ungelöste Statusfeststellungsverfahren, das weiterhin Unsicherheit bei Aufträgen und Scheinselbstständigkeitsrisiken erzeugt. Der VGSD (Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland) fordert, dieses Verfahren bis spätestens Anfang 2027 zu reformieren. Der Gesetzgeber hinke hinterher, kritisiert Andreas Lutz, Vorsitzender des VGSD: „Das Sofortprogramm der Regierung blendet Solo- und Kleinstunternehmen nahezu aus – obwohl sie 90 Prozent aller Betriebe stellen.“

Dienstleister mit positiver Geschäftslage

Erstmals seit Jahresbeginn meldeten selbstständige Dienstleister wieder eine überwiegend positive Geschäftslage. Der Wert stieg auf +5,3 Punkte, nachdem er im Mai noch knapp negativ war. Das Geschäftsklima in diesem Segment liegt nun bei -3,6 Punkten – deutlich besser als im Gesamtschnitt der Selbstständigen.

Dennoch bleiben Auftragslage und Umsatzentwicklung in vielen Bereichen unter Druck. Die Erholung ist fragil und teils von der allgemeinen Konjunkturstimmung abhängig, die sich in der Gesamtwirtschaft nun im sechsten Monat in Folge verbessert.

Infobox: Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex – Juni 2025

  • Gesamtindex (Selbstständige & Kleinstunternehmen): –15,7 (Vormonat: –19,0)

  • Geschäftserwartungen: –19,3 (Vormonat: –23,3)

  • Geschäftslage: –12,1 (Vormonat: –14,5)

  • Unklare Prognosen: 30,5 % (Vormonat: 32,7 %)

  • Dienstleistungsbranche Geschäftslage: +5,3

  • Basis: ca. 1.660 Befragte monatlich

 

Fazit: Zwischen Erleichterung und Ernüchterung

Der Juni bringt einen vorsichtigen Hoffnungsschimmer für Deutschlands Selbstständige – vor allem im Dienstleistungsbereich. Doch von echter Entlastung oder nachhaltiger Verbesserung kann keine Rede sein. Ohne gezielte politische Reformen, etwa beim Sozialversicherungsrecht und dem Statusfeststellungsverfahren, droht die positive Entwicklung zu verpuffen, bevor sie sich überhaupt entfalten kann.

Mutige Selbstständige

Dieser Artikel stammt aus unser Juli-Ausgabe 2025, in den denen wir mutigen Selbstständigen ein Spezial gewidmet haben, den: 3,6 Millionen Kleinstunternehmerinnen und Unternehmern.  Es gibt – leider keine guten – Gründe, warum diese Gruppe in der breiten Medienlandschaft kaum besprochen wird. Und warum sie kaum Lobby in der großen Politik hat. 

Hier finden Sie die weiteren Artikel dazu: 

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