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Studien & Forschung > Kommentar

Kernfusion in Deutschland: Warum Milliarden für Grundlagenforschung gut investiert sind

| Björn Hartmann | Lesezeit: 3 Min.

2,7 Milliarden für Kernfusion? Warum nicht der Reaktor, sondern der Innovationsschub dahinter über Deutschlands Zukunft entscheidet.

Menschen vor dem Brandenburgr Tor - Schriftzug: Kommentar
Kernfusion im Labor: Forschung an Fusionsreaktoren treibt Hightech-Innovationen voran – weit über die Energiefrage hinaus. (Foto: shutterstock)

von Björn Hartmann für Markt und Mittelstand

Die Diskussion über Kernfusion verkennt, welchen Fortschritt Grundlagenforschung und ihre Vermarktung bringen können. Das Geld dafür ist gut angelegt.  

Gerade läuft wieder eine typisch deutsche Diskussion. Und erneut droht die Republik, den Anschluss zu verlieren. Diesmal geht es um die Kernfusion. Die Technologie verspricht sauberen Strom im Übermaß. Stark vereinfacht macht sie dasselbe wie die Sonne, aber kontrollierbar auf der Erde. Technologisch ist das sehr anspruchsvoll, Deutschland ist hier tatsächlich vorn. Rund 2,7 Milliarden Euro möchte die Bundesregierung in den nächsten drei Jahren in die weitere Erforschung der Kernfusion stecken. Kritiker halten das für zu teuer, das Geld könne besser angelegt werden. Schließlich hat es in den vergangenen 70 Jahren niemand geschafft, einen Reaktor zu bauen. All denen sei gesagt: Einfach mal weiter denken! 

Tatsächlich ist der Reaktor an sich gar nicht so wichtig: Viele Jahre entwickelten die Forscher vor sich hin, inzwischen fließt jede Menge privates Geld in den Bereich. Rund 80 Unternehmen weltweit arbeiten an Fusionsreaktoren. Alle sind – typisch für solche Start-ups – höchst optimistisch, schon bald ans Netz gehen zu können. Die Nachfrage ist da: Vor allem KI-Rechenzentren brauchen enorme Strommengen. Die Firmen bauen alle auf der staatlichen Grundlagenforschung auf. Schon weil sie künftige Unternehmen hervorbringt, sollte sie deshalb weiter gefördert werden. Ein Land, das sich leisten kann, Gastronomen mehr als drei Milliarden Euro Mehrwertsteuer jährlich zu erlassen, die dennoch ihre Preise erhöhen, sollte auch Geld für eine Zukunftstechnologie haben. 

Dabei geht es nicht so sehr um die Kernfusion an sich als vielmehr um die Art des Umgangs mit einer neuen Technologie. Allein durch den Versuch, einen Reaktor zu bauen, entstehen neue Verfahren und Produkte, die sich auch anderweitig nutzen lassen. Die Raumfahrt ist ein gutes Beispiel. Vieles, was dort entwickelt wurde, kommt heute allen zugute. Superkleber zum Beispiel, Antihaftbeschichtungen oder Antriebstechnologien. So wird es auch bei der Kernfusion laufen. Viele Start-ups in der Branche arbeiten gezielt daran, Zwischenschritte zum Reaktor auch anderweitig vermarkten zu können. Schließlich müssen sie Geld verdienen. Und wenn dann auch der Durchbruch gelingt, ist das doppelt erfreulich. << 

Der Reaktor an sich ist nicht so wichtig wie der Weg dorthin,  findet Björn Hartmann. 

 

Faktenbox: Kernfusion und Innovationsökosystem

2,7 Milliarden Euro
So viel will die Bundesregierung in den kommenden drei Jahren in die Fusionsforschung investieren.

70 Jahre Forschung
Seit Jahrzehnten wird weltweit an einem funktionierenden Fusionsreaktor gearbeitet – bislang ohne kommerziellen Durchbruch.

Rund 80 Unternehmen
So viele Firmen arbeiten global an Fusionsreaktoren – zunehmend finanziert durch privates Kapital.

Treiber KI & Rechenzentren
Der wachsende Strombedarf von KI-Anwendungen erhöht den Druck, neue Energiequellen zu erschließen.

Spin-offs als Nebeneffekt
Wie in der Raumfahrt entstehen durch Fusionsforschung neue Materialien, Verfahren und Technologien mit eigenem Marktpotenzial.

Kernargument
Nicht nur der Reaktor zählt – sondern die Innovationsdynamik, die aus der Grundlagenforschung entsteht.

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