Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Studien & Forschung > Datev-Mittelstandsindex

Ohne Schwung ins Jahr 2026 - wann kommt eine Erholung für den Mittelstand?

| Anja Georgia Graw-Bärwalde | Lesezeit: 3 Min.

Umsätze im Mittelstand liegen unter dem Vorjahr, die Beschäftigung sinkt leicht, Löhne steigen weiter.

Leere Fabrik mit verzweifeltem Manager Foto: Shutterstock
Zum Jahresauftakt 2026 vermeldet der DATEV-Mittelstandsindex einen schwachen Auftakt für den Mittelstand. Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe kämpft mit sinkenden Umsätzen und steigenden Löhnen bei rückläufiger Beschäftigung. Viele mittelständische Betriebe ächzen unter Kostendruck und einem verschärften Wettbewerbsumfeld. Foto: Shutterstock

 20.02.2026 Anja Georgia Graw-Bärwalde

Der deutsche Mittelstand ist verhalten ins neue Jahr gestartet. Nach den aktuellen Daten des DATEV Mittelstandsindex lag der Umsatz im Januar saison- und kalenderbereinigt zwar 1,5 Prozent über dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt jedoch ein Minus von 0,7 Prozent. Eine nachhaltige Erholung ist damit nicht erkennbar.

„Die Umsätze sind weiterhin rückläufig und auch die Beschäftigung geht weiter zurück“, erklärte DATEV-CEO Robert Mayr. Trotz vereinzelter optimistischer Signale in der öffentlichen Debatte gebe es derzeit keine belastbaren Hinweise auf eine konjunkturelle Trendwende.

 

Industrie bleibt Schwachpunkt

Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im Verarbeitenden Gewerbe. Hier brachen die Umsätze im Jahresvergleich um 4,8 Prozent ein. Damit bleibt die Industrie der zentrale Belastungsfaktor für die mittelständische Wirtschaft.

Das Muster passt in die strukturelle Lage vieler Unternehmen: schwache Inlandsnachfrage, gedämpfte Exportdynamik, hohe Kostenbelastungen und anhaltende Investitionszurückhaltung. Gerade für mittelständische Industrieunternehmen, die stark in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden sind, bleibt das Umfeld anspruchsvoll.

Das Gastgewerbe verharrt unterdessen auf dem niedrigen Niveau der Vormonate. Von einer spürbaren Belebung kann auch hier keine Rede sein.

Steigende Löhne bei rückläufiger Beschäftigung

Während die Umsätze stagnieren, steigen die Löhne weiter. Im Januar lagen sie 3,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Haupttreiber ist die Erhöhung des Mindestlohns zum Jahreswechsel. Besonders kräftige Zuwächse verzeichneten das Gastgewerbe (plus 6,1 Prozent) sowie die sonstigen Dienstleistungen (plus 5,8 Prozent).

Für viele Betriebe verschärft sich damit der Margendruck: steigende Personalkosten treffen auf eine schwache Umsatzentwicklung. Die Beschäftigung zeigt sich zwar vergleichsweise stabil, liegt jedoch 0,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Am stärksten fällt der Rückgang im Gastgewerbe aus (minus 3,2 Prozent).

Differenziert nach Unternehmensgröße ergibt sich ein gemischtes Bild. Während Kleinst- und kleine Unternehmen Stellen abbauen, erweisen sich mittlere Unternehmen weiterhin als Beschäftigungsmotor. Sie verzeichnen als einzige ein Plus von 2,4 Prozent.

Strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen

Die aktuellen Zahlen unterstreichen, dass der Mittelstand weiterhin in einer Phase gedämpfter Dynamik verharrt. Als Rückgrat der deutschen Wirtschaft steht er vor mehreren gleichzeitigen Herausforderungen: hohe Kosten, zunehmende Regulierung, Fachkräftemangel und die tiefgreifende Transformation zentraler Branchen – von Industrie und Energie bis hin zur Digitalisierung.

Die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen bleibt zurückhaltend. Unsicherheiten über energie- und steuerpolitische Rahmenbedingungen sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wirken bremsend. Gerade für mittelständische Betriebe, die häufig über begrenztere Finanzierungsspielräume verfügen als Großkonzerne, sind stabile und planbare Rahmenbedingungen entscheidend.

Der leichte saisonale Umsatzanstieg im Januar ändert an diesem Befund wenig. Entscheidend bleibt die Entwicklung im Vorjahresvergleich – und hier zeigt der Index weiterhin nach unten.

Der Jahresbeginn 2026 liefert damit kein Signal für eine schnelle konjunkturelle Belebung im Mittelstand. Umsätze bleiben unter Vorjahr, die Beschäftigung geht leicht zurück, die Kosten steigen weiter. Für die Wirtschaftspolitik bedeutet das zusätzlichen Handlungsdruck – insbesondere mit Blick auf Wettbewerbsfähigkeit, Investitionsanreize und strukturelle Entlastungen.

Der Mittelstand startet in ein weiteres Jahr unter schwierigen Vorzeichen.

Bleiben Sie auf dem Laufenden, abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie immer die neuesten Nachrichten und Analysen direkt in Ihren Posteingang.

Ähnliche Artikel