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Ratgeber für den Alltag > Serie: Arbeitsmythen in Deutschland

Mythen über Arbeit: Fachkräftemangel, Bürgergeld, Flexibilität

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 4 Min.

Hände halten Buchstaben hoch: FAKTEN

Wer ein guter Arbeitgeber sein will, sollte wissen, wie Beschäftigte und Markt ticken. Das Problem: Es gibt zahlreiche Mythen, die auch politisch ausgeschlachtet werden. 

Von Thorsten Giersch für Markt und Mittelstand

 

Die Deutschen sind überdurchschnittlich faul, oft krank und wollen die Vier-Tage-Woche. Die Beschäftigten fühlen sich zu schlecht bezahlt und vom Arbeitgeber ausgenutzt.

Jeweils Mythos oder Realität?

Die Diskussionen kreisen um Halbwahrheiten, was Arbeitgebern die ohnehin schon schwierige Aufgabe, genug gute Beschäftigte zu binden und zu halten, erschwert. Deshalb haben wir gängige Mythen, Sprüche und Vorurteile über das Arbeitsleben gesammelt – und stellen sie in einer Mini-Serie auf den Prüfstand. Mit Zahlen, Studien und Fakten.

 

Die Unternehmen finden keine guten Leute

Tatsächlich nimmt die Arbeitslosigkeit zu, gleichzeitig sind sehr viele Stellen offen. 1,4 Millionen Arbeitsplätze waren im vierten Quartal 2024 unbesetzt. Nach dem Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt und Betriebsforschung (IAB) lag der Anteil der unbesetzten Stellen für qualifizierte Tätigkeiten 2024 bei 41 Prozent und damit praktisch gleichauf mit dem Wert von 2023. Ein Drittel der Betriebe klagt über Stellen, die sie nicht besetzt bekommen. Nicht zu vergessen: Bis 2040 wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um fünf Prozent schrumpfen. 

Die Zahlen zeigen den technischen Wandel in der Wirtschaft. Es gibt hierzulande 2,9 Millionen Menschen zwischen 20 und 35 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, und auch viele, die arbeiten, können derzeit noch nicht das, was die Firmen tatsächlich brauchen. Aber es lassen sich auch nicht alle mal eben hinreichend weiterbilden. Laut Umfragen nehmen Betriebe zwar vermehrt Abstriche bei den Anforderungen hin, wenn sie die eierlegende Wollmilchsau auf dem Markt nicht bekommen. Und dank Homeoffice müssen Experten nicht mehr am Ort des Unternehmens sitzen. Leider fehlt Weiterbildung. Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil der Betriebe, die die Beschäftigten schulten, bei gut 50 Prozent, 2024 waren es nur noch 44 Prozent. Dabei hat unter anderem generative KI die Arbeit inzwischen teilweise revolutioniert. 

Wir Deutschen sind nicht flexibel genug

Tatsächlich gibt es hierzulande die Tendenz, am Bewährten festzuhalten. Der rigide Kündigungsschutz mag auch eine Rolle spielen. In Deutschland nimmt die Zahl der Personalwechsel sogar ab, obwohl es in Phasen, in denen sich die Wirtschaft wandelt, andersherum sein müsste. Seit 2022 sinkt zudem die Zahl der Betriebe, die Stellen aufbauen oder streichen. Apropos Stellenabbau: Bei den aktuellen Wellen, die manche Unternehmen angekündigt haben, wird Mitarbeitern selten gekündigt, gerade auch nicht bei den Unternehmen, von denen in den Nachrichten die Rede ist. Der Stellenabbau wird über Jahre gestreckt. Die Stellen derer, die in Rente gehen, werden nicht nachbesetzt. 

Für Bürgergeldempfänger lohnt sich Arbeit nicht

Auch wenn die Gehaltssprünge im Pflegebereich besonders stark ausfielen: Branchenübergreifend profitierten in den vergangenen zehn Jahren Beschäftigte in den Tätigkeiten, für die keine Ausbildung benötigt wird, besonders. Hilfskräfte im Sicherheitsgewerbe, in Hotels, der Landwirtschaft oder der Pflege können sich heute nennenswert mehr leisten als 2014. Grund ist der 2015 eingeführte Mindestlohn, der seitdem von 8,50 Euro auf 13,90 Euro stieg. Bei einer 40-Stunden-Woche stieg das Einkommen von 1360 Euro um 63,5 Prozent auf 2224 Euro. Davon muss alles bezahlt werden – auch Miete und Heizung. Das Bürgergeld, damals noch Hartz-IV-Satz, legte zeitgleich von 399 Euro um 41,1 Prozent auf 563 Euro zu. Für Miete und Heizung gibt es weitere Zuschüsse. Viele Arbeitgeber glauben, dass die Höhe des Regelsatzes die Motivation bremst, doch eine Arbeit aufzunehmen. 

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