Mythen über Arbeit: Sinkende Leistungsbereitschaft?
| Thorsten Giersch | Lesezeit: 2 Min.
Wer ein guter Arbeitgeber sein will, sollte wissen, wie Beschäftigte und Markt ticken. Das Problem: Es gibt zahlreiche Mythen, die auch politisch ausgeschlachtet werden.
Von Thorsten Giersch für Markt und Mittelstand
Die Deutschen sind überdurchschnittlich faul, oft krank und wollen die Vier-Tage-Woche. Die Beschäftigten fühlen sich zu schlecht bezahlt und vom Arbeitgeber ausgenutzt.
Jeweils Mythos oder Realität?
Die Diskussionen kreisen um Halbwahrheiten, was Arbeitgebern die ohnehin schon schwierige Aufgabe, genug gute Beschäftigte zu binden und zu halten, erschwert. Deshalb haben wir gängige Mythen, Sprüche und Vorurteile über das Arbeitsleben gesammelt – und stellen sie in einer Mini-Serie auf den Prüfstand. Mit Zahlen, Studien und Fakten.
- Noch nie haben so viele Menschen gearbeitet
- Die Deutschen arbeiten weniger als früher
- Die Lust auf besondere Leistungen sinkt
- Die Deutschen sind immer häufiger krank
- Die Rechtsprechung ist aus der Zeit gefallen
- Wir Deutschen sind besonders produktiv
- Die Unternehmen finden keine guten Leute
- Wir Deutschen sind nicht flexibel genug
- Die Preise steigen schneller als die Gehälter
- Für Bürgergeldempfänger lohnt sich Arbeit nicht
- Die Griechen sind fleißiger als wir
Die Lust auf besondere Leistungen sinkt
Das stimmt allem Anschein nach. Jährliche Befragungen zeigen glaubwürdig, dass zuletzt immer mehr Deutsche innerlich gekündigt haben.
Das Verhältnis zum direkten Vorgesetzten wird schwieriger. Auch sinkt die Lust auf Führungspositionen. Die Arbeitgeber sehen das Problem woanders: Die Mitarbeiter müssten zu hohe Steuern zahlen, was die Motivation bremst.
Im Jahresmonitor der Stiftung Familienunternehmen, einer jährlichen Ifo-Umfrage bei 1700 Betrieben, gaben mehr als vier von fünf befragten Unternehmen an, ihre Beschäftigten seien durch Steuern und Abgaben stark oder sehr stark belastet. Die Logik: Es lohnt sich nicht, sich anzustrengen, wenn fast 50 Prozent des Gehalts nicht auf dem Konto ankommen. Der Anreiz, mehr Stunden zu arbeiten oder durch Beförderung mehr zu verdienen, sinkt. Dabei ist die Steuerbelastung in den vergangenen Jahren in etwa konstant geblieben. Aber die Sozialbeiträge stiegen, nicht zuletzt durch die demografische Entwicklung, und hier ist ein Ende nicht abzusehen.
Die Industrieländerorganisation OECD und der Internationale Währungsfonds ermuntern Deutschland seit langem, vor allem die Abgabenlast für mittlere Einkommen zu senken.
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