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Geld & Vorsorge > Ölmarktanalyse

Ölpreise steigen: Hoffnung auf Handelsabkommen und US-Daten treiben Markt

| Markt und Mittelstand Redaktion

Brent und WTI legen erneut zu. Hoffnungen auf Handelsabkommen zwischen USA und EU sowie sinkende US-Rohöllagerbestände beflügeln den Ölmarkt.

Ölförderanlage bei Sonnenaufgang
Ölförderanlage bei Sonnenaufgang: Die Märkte reagieren sensibel auf geopolitische Signale und Lagerbestände. (Foto: shutterstock)

Am Freitag setzte sich der jüngste Aufwärtstrend am Ölmarkt fort. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 69,77 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ebenfalls um 0,6 Prozent auf 66,60 US-Dollar. Bereits am Vortag hatten beide Referenzsorten rund ein Prozent zugelegt.

Zentraler Preistreiber sind derzeit die anhaltenden Handelsgespräche zwischen den USA und der Europäischen Union. Brüssel will mit Nachdruck verhindern, dass Washington ab dem 1. August Strafzölle von 30 Prozent auf europäische Importe erhebt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von „intensiven technischen und politischen Gesprächen“ – vor allem mit Blick auf Maschinen, Fahrzeuge und Chemieprodukte.

Auch mit Indien laufen Verhandlungen. Der dortige Handelsminister sieht ein mögliches Abkommen vor Monatsende in Reichweite. Noch offen sind jedoch US-Drohungen, Strafzölle von bis zu 100 Prozent auf Importe aus Ländern mit russischem Ölbezug zu erheben – was Indien direkt betreffen könnte.

US-Ölproduktion sinkt – Lager schrumpfen weiter

Rückenwind erhält der Ölpreis zudem von den erneut gesunkenen Lagerbeständen in den USA. Laut Daten der Energy Information Administration (EIA) fielen die kommerziellen Rohölreserven in der Woche zum 18. Juli um 3,2 Millionen Barrel auf 419 Millionen Barrel. Der Abbau setzt sich damit bereits die dritte Woche in Folge fort.

Parallel dazu verlangsamt sich die US-Ölförderung. Mit 13,273 Millionen Barrel pro Tag wurde weniger produziert als in der Vorwoche (13,375 Mio. bpd) – und deutlich unter dem bisherigen Allzeithoch von 13,631 Mio. bpd vom Dezember 2024.

Folgen für Heizölkunden im DACH-Raum

Die Entwicklungen am Rohölmarkt zeigen erste Effekte im Heizölhandel. In Deutschland fiel der Preis am Freitagvormittag um 0,5 Cent pro Liter, in Österreich um 0,1 Cent. In der Schweiz blieben die Preise auf dem Niveau des Vortags.

Trotz leichter Preisrückgänge verzeichnet der Markt ein deutlich erhöhtes Bestellvolumen – etwa 20 Prozent über dem saisonalen Durchschnitt. Gleichzeitig ist das Online-Preisinteresse leicht rückläufig: Zwar bleibt die Zahl der Preisvergleiche auf hohem Niveau, sie liegt jedoch unter dem Peak der Vorwochen.

 

 

 

Industriemetalle und Edelmetalle: Kupfer im Fokus

Auch andere Rohstoffe entwickeln sich dynamisch. Besonders Kupfer zeigt eine starke Performance: An der COMEX nähert sich der Preis der Marke von 6 US-Dollar pro Pfund – ein Zeichen für steigende Konjunkturerwartungen im Industriebereich.

Silber bewegt sich ebenfalls nach oben und notiert aktuell bei knapp 40 US-Dollar je Unze. Der Trend wird gestützt durch robuste Nachfrage aus der Industrie, insbesondere aus der Photovoltaik- und Elektronikbranche.

Dagegen gerät Gold unter Druck. Nachdem der Preis Anfang Juli ein Hoch von über 2.450 US-Dollar je Unze erreicht hatte, notiert er nun wieder darunter. Analysten sehen dennoch weiterhin Potenzial, das bullische Langzeitszenario mit einem Ziel von 4.000 US-Dollar bleibe intakt – getragen von geopolitischen Spannungen und anhaltender Inflation in mehreren Industrieländern.

Ausblick: Politik bleibt Preismotor

Die nächsten Handelstage stehen im Zeichen politischer Entscheidungen. Sollte es bis Monatsende zu handfesten Vereinbarungen zwischen den USA und ihren Partnern kommen, dürften die Märkte mit weiteren Preisaufschlägen reagieren. Ohne Einigung – insbesondere bei Strafzollfragen – droht hingegen ein kurzfristiger Rückschlag. Entscheidend bleibt damit: die Geopolitik als Hauptmotor der Preisentwicklung.

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