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Führung & HR > Führungskultur

Phubbing: Warum Führungskräfte das Smartphone öfter weglegen sollten

| Britta Kuschnigg | Lesezeit: 3 Min.

Ein kurzer Blick aufs Smartphone – und das Vertrauen im Gespräch bröckelt. Warum Phubbing für Führungskräfte zum echten Produktivitätsproblem wird.

Phubbing
Phubbing im Meeting: Wenn Führungskräfte aufs Smartphone schauen, fühlen sich Mitarbeiter übergangen – mit Folgen für Vertrauen und Teamkultur. (Foto: ki/Chatgpt)

Kaum vibriert das Smartphone, wandert der Blick zum Display. Für viele Führungskräfte ist das reflexhaft geworden. Doch dieses Verhalten – Phubbing genannt – sendet eine klare Botschaft: Das Gegenüber ist gerade zweitrangig. Und genau das untergräbt Vertrauen, Motivation und - Achtung! - auch die Produktivität.

Markt und Mittelstand

Nur ein ganz kurzer Blick auf die Smartwatch – und die Diskussion ist im Grunde schon verloren. Was wie eine harmlose Gewohnheit wirkt, kann für Führungskräfte zum ernsthaften Produktivitätsproblem werden.

Der Moment ist alltäglich: Ein Mitarbeiter erklärt ein Problem, schildert eine Idee oder bittet um Rat. Der Chef nickt – und wirft nebenbei einen Blick aufs Smartphone oder auf die Smartwatch. Eine neue Nachricht, eine E-Mail, vielleicht nur ein kurzer Kontrollblick.

Für viele Führungskräfte ist das inzwischen Routine. Doch genau dieses Verhalten hat längst einen eigenen Namen: Phubbing – eine Wortschöpfung aus phone und snubbing. Gemeint ist das demonstrative Ignorieren von Menschen zugunsten des Smartphones.

Was zunächst nach einer kleinen Unhöflichkeit klingt, ist in Wirklichkeit ein unterschätztes Führungsproblem. Denn wer während eines Gesprächs aufs Display schaut, sendet eine klare Botschaft: Das hier ist gerade nicht das Wichtigste.

Eine Meta-Analyse, die 83 Studien mit mehr als 53.000 Teilnehmern auswertete, zeigt deutliche Zusammenhänge zwischen Phubbing und negativen emotionalen sowie sozialen Effekten. Menschen, die regelmäßig „gephubbt“ werden, berichten häufiger von Unzufriedenheit in Beziehungen, Einsamkeit oder sogar depressiven Symptomen.

Überträgt man diese Erkenntnisse auf den Arbeitsplatz, ergibt sich eine nüchterne betriebswirtschaftliche Einsicht:
Aufmerksamkeit ist eine Ressource – und ihr Verlust kostet.

Phubbing signalisiert Desinteresse, Ungeduld oder fehlende Wertschätzung.

Besonders problematisch wird Phubbing, wenn es von Führungskräften ausgeht. Führung basiert nicht nur auf Strategien, Zahlen oder Entscheidungen – sondern auf Aufmerksamkeit.

Ein Smartphone-Blick im Gespräch kann genau das Gegenteil signalisieren: Desinteresse, Ungeduld oder fehlende Wertschätzung. Selbst wenn die Ablenkung nur wenige Sekunden dauert, verändert sie die Atmosphäre.

In vielen Unternehmen werden Meetings von eingehenden Nachrichten begleitet, Gespräche von vibrierenden Smartphones unterbrochen, und selbst strategische Diskussionen finden parallel zu E-Mail-Verkehr statt. Das Problem ist nicht nur die Ablenkung selbst, sondern die Normalisierung dieser Ablenkung. Wenn alle ständig aufs Display schauen, sinkt die Erwartung gegenseitiger Aufmerksamkeit – und damit die Qualität des Austauschs.

Für Unternehmer und Führungskräfte liegt darin eine strategische Herausforderung. Die digitale Infrastruktur steigert zwar Effizienz und Erreichbarkeit, doch sie fragmentiert zugleich die Aufmerksamkeit.

Die 2 Schritte-Lösung

  • Der erste Schritt besteht aus klaren Kommunikationsregeln. Meetings ohne Smartphones, bewusste Offline-Phasen oder störungsfreie Gesprächszeiten erhöhen nachweislich die Qualität von Diskussionen. Einige Unternehmen experimentieren bereits mit solchen Ritualen – nicht aus Technikfeindlichkeit, sondern aus purer Effizienz.
  • Der zweite Schritt ist noch wichtiger: Vorbildverhalten der Führung. Unternehmenskultur entsteht nicht durch Leitbilder oder Präsentationen. Sie entsteht durch Verhalten. Wenn Geschäftsführer oder Teamleiter während Gesprächen ständig aufs Handy schauen, wird dieses Verhalten im gesamten Unternehmen kopiert.

Umgekehrt kann schon eine kleine Geste viel verändern: das Smartphone demonstrativ weglegen, bevor ein Gespräch beginnt. Es ist ein simples Signal – aber ein starkes.

Wenn ein Mitarbeiter spricht, sollte das Smartphone schweigen

Auch aus gesundheitlicher Perspektive rückt das Thema stärker in den Fokus. Forschende betrachten Phubbing zunehmend als eine Form subtiler sozialer Ausgrenzung. Menschen reagieren äußerst sensibel darauf, ignoriert zu werden – selbst wenn dies nur für wenige Sekunden geschieht.

Interessanterweise reagieren laut Studien gerade jüngere Mitarbeiter besonders empfindlich auf solche Signale. Die Generation der Dauervernetzten erwartet im direkten Gespräch paradoxerweise oft mehr Aufmerksamkeit – nicht weniger.

Fazit:

Die digitale Arbeitswelt produziert eine merkwürdige Ironie: Wir sind ständig verbunden – und hören einander immer weniger zu. Gerade deshalb wird Aufmerksamkeit zur entscheidenden Führungsressource. Der praktische Rat ist dabei einfacher als viele Managementtheorien: Wenn ein Mitarbeiter spricht, sollte das Smartphone schweigen. Denn in einer Wirtschaft, die von Ideen, Vertrauen und Zusammenarbeit lebt, ist echte Aufmerksamkeit möglicherweise der knappste Rohstoff im Unternehmen.

 

Quellen: 

Begriffe, die das Personalwesen kennen sollte

  • Phubbing: Kunstwort aus „phone“ und „snubbing“. Bezeichnet das Ignorieren von Gesprächspartnern zugunsten des Smartphones – etwa wenn während eines Meetings oder Gesprächs aufs Handy geschaut wird.
  • Fear of Missing Out (FoMO): Die Angst, wichtige Informationen, Ereignisse oder soziale Aktivitäten zu verpassen. Sie führt häufig dazu, dass Menschen ständig Nachrichten, Social Media oder E-Mails überprüfen.
  • Nomophobie: Kurz für „no mobile phone phobia“. Beschreibt die Angst oder starke Unruhe, ohne Smartphone erreichbar zu sein – etwa bei leerem Akku, fehlendem Empfang oder wenn das Gerät nicht greifbar ist.

 

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