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Private Equity: Wachstumstreiber für den deutschen Mittelstand?

| Markt und Mittelstand / red. | Lesezeit: 3 Min.

Kapital, Know-how, Wachstum: Warum Private Equity für Mittelständler bei Transformation, Digitalisierung und Expansion wichtiger wird.

Schriftzug Private Equity
Private Equity entwickelt sich im deutschen Mittelstand zunehmend zur strategischen Option für Wachstum, Transformation und Nachfolge. (Foto: shutterstock)

Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. Gleichzeitig steigt der Transformationsdruck. Immer mehr mittelständische Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen, in Digitalisierung, KI und neue Märkte investieren. Und sie stoßen dabei oftmals an Grenzen bei Kapital und Wissen. Wo die Hausbank zögert, kann ein Finanzinvestor helfen, Innovationen, Professionalisierung der Strukturen und internationale Expansion zu stemmen. 

In unserer Beratung erleben wir, dass Private Equity im Mittelstand heute stärker als strategische Option für Wachstum, Transformation und Nachfolge gesehen wird als noch vor ein paar Jahren.

Chloé Lignier, Partnerin der Kanzlei Morgan Lewis in München

Unternehmen mit Umsätzen von bis zu 250 Millionen Euro sind für Private Equity attraktiv, trotz geopolitischer Unwägbarkeiten. Gerade deutsche Firmen gelten als robust, weil sie sich häufig durch eine solide Eigenkapitalbasis und hohe Loyalität der Belegschaft auszeichnen. „Was ihnen oft fehlt, sind die zusätzlichen Mittel und der nüchterne Blick von außen sowie ergänzende strategische Ressourcen, um notwendige Transformations- oder Akquisitionsvorhaben systematisch zu planen, effizient umzusetzen und erfolgreich zu skalieren“, beschreibt Lignier das Problem. 

„Ein guter Investor verändert das Geschäftsmodell nicht fundamental, sondern macht sich als Partner des Unternehmens bestehende Stärken zunutze und steuert gezielt bei Prozessen und Kennzahlen nach, um nachhaltiges Wachstum und Wertsteigerung zu realisieren“, sagt Lignier. In der Praxis bedeutet dies, dass in den meisten Fällen Gründer oder Geschäftsführung dabei bleiben, aber die operative Verantwortung mit einem erweiterten Managementteam teilen. Gleichzeitig werden moderne ERP-Lösungen und einheitliche KPIs eingeführt, um Margen, Auftrags- und Lagerbestände oder Rentabilität zu überwachen. Es werden neue Governance-Strukturen aufgebaut, Beiräte mit Branchenexperten besetzt, regelmäßige Board-Meetings abgehalten und die Entscheidungswege neu definiert. Der stärkste Transformationshebel durch Private Equity sind oft Zukäufe. Durch gezielte Investitionen in Mitbewerber oder das Erschließen neuer Märkte durch die Übernahme von Auslandsstandorten lässt sich das eigene Geschäftsmodell zukunftsorientiert erweitern. 

Für den Mittelständler bedeutet dies einen Kulturwechsel. Entscheidungen, die jahrzehntelang mit Erfahrung aus dem Bauch getroffen wurden, werden nun in Daten gespiegelt. „Die Transparenz ersetzt nicht die Erfahrung, aber sie macht Wachstum und Transformation gezielter planbar“, sagt Lignier. 

Private Equity wird nicht mehr nur daran gemessen, wie hoch der Effekt des eingesetzten Geldes ist, sondern auch daran, ob es einem Finanzinvestor gelingt, eine signifikante Zahl von Firmen nachhaltig zu wandeln. Das hängt allerdings auch am steuerlichen und regulatorischen Umfeld. Im Vergleich zu anderen Ländern wie den Niederlanden oder Skandinavien sind Rahmenbedingungen für Beteiligungskapital in Deutschland weniger attraktiv. Das Standortfördergesetz soll dies ändern: weniger Bürokratie, niedrigere Steuern, mehr Freiheit für institutionelle Anleger. Das bietet Chancen auch für den Mittelstand.

Chloé Lignier

„Dass der Investor den Finger in die Wunde legt, wenn es um althergebrachte Prozesse im Unternehmen geht, kann sich gerade in einem schnell wandelnden Marktumfeld als heilsam erweisen," erklärt Chloé Lignier, Partnerin für Private Equity bei der Kanzlei Morgan Lewis in München. 

Was ist Private Equity – einfach erklärt

  • Private Equity bezeichnet eine Form von Beteiligungskapital, bei der spezialisierte Investoren nicht börsennotierte Unternehmen mit Eigenkapital ausstatten, um deren Wachstum, Transformation, Professionalisierung oder Nachfolge aktiv zu unterstützen. Neben Kapital bringen Private-Equity-Investoren strategisches Know-how, Managementunterstützung und Governance-Strukturen ein, mit dem Ziel einer nachhaltigen Wertsteigerung und eines späteren Exits.
  • Die Höhle der Löwen ist die bekannteste Form von Private-Equity-ähnlichen Investments in Deutschland, aber nicht repräsentativ für klassisches Private Equity. 
  • Klassisches Private Equity investiert in der Regel in etablierte Unternehmen und begleitet diese über mehrere Jahre aktiv bei Wachstum, Professionalisierung und strategischer Weiterentwicklung. Im Unterschied zu TV-Formaten stehen dabei langfristige Wertsteigerung, operative Verbesserungen und strukturelle Transformation im Vordergrund, nicht öffentliche Inszenierung oder kurzfristige Produktideen.

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