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Studien & Forschung > Altersvorsorge

ifo/Jimdo-Studie: Selbstständige sorgen überraschend solide fürs Alter vor

| Markt und Mittelstand Redaktion

Brauchen Selbstständige wirklich eine Pflichtversicherung – oder ist Eigenvorsorge längst Standard?

Stelständige am Schreibtisch - großes Sparschwein
Studie zeigt: Nur drei Prozent der Solo-Selbstständigen haben keine Altersvorsorge. (Foto: ki-generiert/MuM)

20.8.2025 - Markt und Mittelstand

Nur drei Prozent der Solo-Selbstständigen ohne Altersvorsorge – das zeigt eine neue Umfrage des ifo Instituts und Jimdo unter knapp 900 Befragten. Damit entkräften die Daten ein verbreitetes Klischee: Die Mehrheit der Selbstständigen sorgt sehr wohl für den Ruhestand vor – und zwar auf vielfältige Weise.

Kapitalbasierte Vorsorge im Vordergrund

Besonders stark verbreitet sind fonds- und wertpapierbasierte Anlagen sowie Immobilien. Rund zwei Drittel setzen auf diese Form der Vorsorge. Knapp die Hälfte verfügt zudem über Ansprüche aus früheren Pflichtversicherungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung, während 16 Prozent freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Versicherungsbasierte Modelle – etwa private Renten- oder Rürup-Verträge – nutzen mehr als die Hälfte der Befragten.

Sicherheit bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Trotz dieser hohen Quote an Vorsorge empfindet nur knapp die Hälfte der Selbstständigen ihre Absicherung als ausreichend. 22 Prozent sind unentschlossen, 32 Prozent erwarten, den Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Damit unterscheiden sich die Einschätzungen kaum von der Gesamtbevölkerung: Laut ARD-DeutschlandTREND sehen sich bundesweit 45 Prozent ausreichend abgesichert, 51 Prozent nicht.

Politische Brisanz durch geplante Pflichtversicherung

Die Ergebnisse sind besonders relevant vor dem Hintergrund der diskutierten Rentenversicherungspflicht für neue Selbstständige, die die Bundesregierung noch 2025 einführen will. Ziel ist es, Altersarmut vorzubeugen. Doch die Zahlen legen nahe: Eigeninitiative ist längst Standard.

Jimdo-Mitgründer Matthias Henze warnt daher vor falschen Prioritäten: „Altersvorsorge ist fraglos wichtig, aber eine staatliche Rentenversicherungspflicht ist nicht die dringendste Baustelle. Selbstständige brauchen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und ein modernes Statusfeststellungsverfahren.“

Fakten kompakt: Altersvorsorge von Selbstständigen (Jimdo-ifo-Studie, August 2025)

  • Nur 3 % der Solo-Selbstständigen ohne Altersvorsorge
  • Rund 66 % setzen auf kapitalbasierte Vorsorge (Investmentfonds, Wertpapiere, Immobilien)

  • Über 50 % nutzen versicherungsbasierte Modelle (private Renten- oder Rürup-Verträge)

  • 47 % verfügen über Ansprüche aus früheren Pflichtversicherungszeiten

  • 16 % zahlen freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein

  • 32 % erwarten, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können

  • Einschätzungen ähneln der Gesamtbevölkerung (45 % fühlen sich ausreichend abgesichert, 51 % nicht)

  • Politische Relevanz: Bundesregierung plant 2025 eine Rentenversicherungspflicht für neue Selbstständige

 

Fazit: Eigenverantwortung ja – aber mit Planungssicherheit

Die Umfrage macht deutlich: Selbstständige nehmen ihre Altersvorsorge ernst, auch ohne Pflichtsystem. Problematisch bleibt jedoch das Vertrauen in die eigene Vorsorgefähigkeit. Hier setzt die Politik an – mit dem Risiko, dass neue Vorschriften Eigenverantwortung eher behindern als stärken.

Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen

Der „Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex" wird seit Dezember 2021 monatlich veröffentlicht. Das Ziel: Solo-Selbststä ndigen und Kleinstunternehmen mit einem eigenen Index mehr Sichtbarkeit in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion zu verschaffen. Das ifo Institut berechnet die Konjunkturindikatoren für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen (weniger als neun Mitarbeiter/-innen) auf Basis seiner Unternehmensbefragungen. Die teilnehmenden Betriebe decken alle Sektoren wie im Gesamtindex ab: Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Dienstleistungssektor.

Die Gewinnung der neuen Teilnehmer erfolgt in Kooperation mit Jimdo sowie dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD e.V.). Jimdo ruft weiterhin Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer dazu auf, sich unter wir-im-ifo.de zu registrieren und Gehör zu verschaffen.

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