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Ratgeber für den Alltag > Analyse: Supermarkt-Apps

Studie zu Supermarkt-Apps: Minimale Ersparnisse, maximale Datensammlung

| Markt und Mittelstand Redaktion

Discounter-Apps versprechen Rabatte, sammeln aber umfangreiche Kundendaten. Eine Studie zeigt: Die tatsächlichen Einsparungen fallen gering aus.

Supermarkt Apps auf Handy
(Foto: Ki-generiert/chatgpt)

23.7.2025 - Markt und Mittelstand

Über 100 Millionen Kunden weltweit nutzen allein die Lidl-Plus-App auf ihren Smartphones. Die Rabatt-Apps der großen Supermarktketten und Discounter erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch eine aktuelle Studie wirft die Frage auf, ob sich die Preisgabe persönlicher Daten für Verbraucher tatsächlich lohnt.

Geringe Einsparungen trotz Rabattversprechen

Das Preisvergleichsportal Smhaggle wertete zwischen Januar und März 2025 rund 1,26 Millionen Kassenbons aus. Das Ergebnis ist ernüchternd: Selbst bei der Kaufland Card, die das größte Sparpotenzial aufweist, konnten Verbraucher im Quartal durchschnittlich nur 2,29 Prozent ihrer Gesamtausgaben einsparen. Bei anderen Anbietern fielen die Ersparnisse noch geringer aus - Rewe Bonus ermöglichte lediglich 0,82 Prozent, die Penny-App sogar nur 0,75 Prozent.

Smhaggle-Geschäftsführer Sven Reuter empfiehlt stattdessen: "Durch den gezielten Einkauf von Aktionsangeboten und den regelmäßigen Wechsel des Händlers sind Ersparnisse von bis zu 30 Prozent möglich." Diese Strategie erfordert zwar mehr Aufwand, verspricht aber deutlich höhere Einsparungen als die Nutzung einer einzelnen App.

Datensammlung als eigentliches Geschäftsmodell

Für die Händler rechnen sich die Apps dennoch. Eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH aus dem Jahr 2024 ergab, dass 56 Prozent der App-Nutzer häufiger bei einem Händler einkaufen und ein Drittel mehr Geld ausgibt. Die wahre Motivation hinter den Apps liegt jedoch in der umfangreichen Datensammlung.

 

Am Beispiel der Lidl-Plus-App wird deutlich, welche Daten erfasst werden:

  • Bei der Anmeldung: Vorname, Alter, Geschlecht, bevorzugte Filiale
  • Optional: Adresse, Nachname (verpflichtend bei Onlinebestellungen)
  • Bei jedem Einkauf: gekaufte und zurückgegebene Waren, Zeitpunkt, Filiale, Zahlungsart

Diese Daten nutzt Lidl nach eigenen Angaben für die Planung des Filialnetzes, die Verteilung von Prospekten sowie für personalisierte Werbung und Angebote in der App.

Rechtliche Auseinandersetzung um Transparenz

Die Praxis der Datensammlung ist nicht unumstritten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat eine Unterlassungsklage gegen Lidl eingereicht. Hauptkritikpunkt: Lidl informiere die App-Nutzer nicht ausreichend darüber, dass sie für die Rabatte mit ihren persönlichen Daten "bezahlen".

Das Oberlandesgericht Stuttgart beschäftigt sich seit Juli 2025 mit dem Fall. Die zentrale Frage lautet: Müssen Nutzer explizit darauf hingewiesen werden, dass sie für rabattierte Preise ihre Daten zur Nutzung freigeben? Ein Urteil wird für den 23. September 2025 erwartet, doch beide Parteien rechnen damit, dass der Fall bis vor den Bundesgerichtshof und möglicherweise sogar den Europäischen Gerichtshof gehen könnte.

Kundenwahrnehmung: Zwischen Sparsamkeit und Datenschutzbedenken

Die Einstellung der Kunden zu den Apps ist gespalten. Viele, insbesondere jüngere Nutzer und Menschen mit begrenztem Budget, sehen die Rabatte als willkommene Möglichkeit zum Sparen. Datenschutzbedenken spielen für viele eine untergeordnete Rolle, häufig hißt es: "Ich nutze auch viele soziale Medien, Instagram und Facebook, und die sammeln ja auch meine Daten und verwerten sie. Da macht das dann keinen großen Unterschied." Andere Kunden sind kritischer, sehen eine Art "Kontrolle und Überwachung" und verzichten bewusst auf deren Nutzung. Doch solche kritischen Stimmen scheinen in der Minderheit zu sein, wie die stetig wachsenden Nutzerzahlen der Apps belegen.

Von Rabattmarken zu Big Data: Die Evolution der Kundenbindung

Kundenbindungsprogramme sind kein Kind der Digitalisierung – ihre Wurzeln reichen bis in die 1890er Jahre zurück. Damals sammelten US-Kund/-innen Rabattmarken. In Deutschland etablierten sich in den 1960er Jahren Treueaktionen wie das "Schöner Wohnen"-Programm von Edeka.

Der Paradigmenwechsel kam mit der Payback-Karte (ab 2000) – und setzt sich heute mit App-basierten Programmen fort, die Kaufverhalten in Echtzeit analysieren.

Doch: Schon in den 1970ern gab es Bedenken gegenüber der Erfassung von Kundendaten. Die aktuelle Datenschutzdebatte ist also keine neue – nur digital transformiert.

Die Lehre aus über 100 Jahren Kundenbindung:

  • Erfolgreich sind Programme, die
  • echten Mehrwert bieten
  • Vertrauen schaffen
  • Datenschutz nicht als Pflicht, sondern als Versprechen verstehen.

Nur wer transparent bleibt und Kunden Kontrolle über ihre Daten gibt, kann in Zukunft echte Loyalität gewinnen.

Quelle: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat.

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