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Studien & Forschung > Finanzen & Banken

Abschied vom Bargeld und der Kampf um Europas Zahlungsverkehr - zwei Studien

| Markt und Mittelstand Redaktion

Digitale Zahlungen boomen, Bargeld verliert. Banken kämpfen mit Milliardenkosten, Fintechs wittern Chancen.

Die Art, wie wir in Europa bezahlen, verändert sich rasanter als je zuvor. Bargeld verliert an Bedeutung, digitale Zahlungen nehmen zu. 

Besonders junge Europäer zahlen fast ausschließlich digital: Mehr als 60 Prozent der 18- bis 35-Jährigen nutzen sogenannte Mobile Wallets – digitale Geldbörsen auf dem Smartphone, die Kreditkarten, Girokarten und Tickets bündeln.

Während Länder wie Schweden oder Finnland schon fast bargeldlos funktionieren, hinken andere Staaten noch hinterher. Doch die Richtung ist klar: Bargeld wird zur Ausnahme, digitale Zahlungen zur Norm.

Bis 2027 wird der sogenannte Gebührenpool für Retail-Zahlungen – also alle Zahlungen von Privatkunden an Händler oder Dienstleister, egal ob digital oder am Kassenterminal – in der EU ein Volumen von rund 105 Milliarden Euro erreichen. Zwei Drittel dieser Gebühren fallen auf der Seite der Zahlungsempfänger an, also bei Händlern, die für jede Kartenzahlung oder digitale Transaktion eine Gebühr abführen müssen.

Doch trotz der steigenden Gesamtsumme sinkt der Ertrag pro Transaktion: Heute liegt er im Schnitt bereits bei unter einem Euro – ein Negativtrend, der Banken unter Druck setzt.

Eine stille Revolution findet derzeit zudem bei Account-to-Account-Zahlungen (A2A) statt: Geld fließt direkt vom Konto des Zahlenden auf das des Empfängers – ohne Umweg über Kreditkartenfirmen.

Für Verbraucher ist das praktisch, für Banken riskant: Denn wer diese Schnittstelle kontrolliert, bestimmt über Daten, Kundenzugang und Gebühren.

Zwei neue Studien zeigen, wie gewaltig die Umstellung ist: Milliardenkosten für Banken, sinkende Margen bei Zahlungen und ein Wettlauf um die Kundenschnittstelle. Doch wer profitiert am Ende – Banken, Fintechs oder Verbraucher?

Studie 1: Der digitale Euro wird teuer

Eine aktuelle Studie von PwC im Auftrag der europäischen Bankenverbände zeigt: Die Einführung des digitalen Euro könnte Banken im Euroraum bis zu 18 Milliarden Euro kosten.

  • Ø 110 Millionen Euro pro Bank

  • 75 Prozent davon für technische Anpassungen (Apps, Karten, IT-Systeme)

  • 46 Prozent der Fachkräfte müssten zeitweise allein an der Einführung arbeiten

Maximilian Harmsen, Partner Embedded Finance bei PwC Deutschland, warnt: „Die Einführung des digitalen Euro bindet enorme Ressourcen. Sie könnte die Innovationsfähigkeit der Banken erheblich einschränken.“

zur Studie

Studie 2: Markttrends und Innovationen

Die European Payments Study 2025 der zeb beleuchtet die großen Trends:

  • Kartenzahlungen dominieren noch, doch die European Payments Initiative (EPI) will Alternativen schaffen.

  • Sofortzahlungen im SEPA-Raum bleiben regulatorisch Pflicht, sind aber noch nicht flächendeckend Realität.

  • Cybersicherheit ist ein Dauerbrenner – künstliche Intelligenz wird zunehmend zur Betrugserkennung eingesetzt.

  • Embedded Finance und Omnichannel-Lösungen sollen Bezahlen in Apps, Webseiten und Geschäften vereinheitlichen.

zur Studie

Fazit

Für Verbraucher wird Bezahlen bequemer, schneller und vielfältiger. Für Banken dagegen beginnt ein Wettlauf gegen Tech-Konzerne, Fintechs und neue Regulierungen.

Der digitale Euro könnte zum Symbol europäischer Souveränität werden – oder zum milliardenschweren Risiko. Sicher ist nur: Der Wandel hat längst begonnen.

Begriffe erklärt

📌 Retail-Zahlung
Darunter versteht man alltägliche Zahlungen von Endkunden – etwa beim Einkauf im Supermarkt oder beim Online-Shopping.

📌 Mobile Wallet
Eine digitale Geldbörse auf dem Smartphone, in der Karten, Tickets oder Gutscheine gespeichert sind. Damit lassen sich Zahlungen per App oder kontaktlos erledigen.

📌 A2A-Zahlung
Direkte Konto-zu-Konto-Überweisung – schnell, günstig, ohne zwischengeschalteten Zahlungsdienstleister.

📌 Der digitale Euro ist ein von der Europäischen Zentralbank geplantes offizielles Zahlungsmittel in digitaler Form, das Bargeld ergänzt und direkt von der EZB garantiert wird. Er soll Zahlungen in Europa schneller, sicherer und unabhängiger von US-Kreditkartenfirmen und Tech-Konzernen machen.

 

Quellen:

zeb: European Payments Study 2025

pwc: Der digitale Euro: Kosten und Herausforderungen für europäische Banken

 

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