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Studie: Vom Scheitern zum Vorstand. Was frühes Versagen über erfolgreiche Karrieren verrät

| Andreas Engelen

Wer früh scheitert, kann später erfolgreicher sein – das zeigt eine Studie über Gründer und Karrieren in Konzernen.

Mann hat vor sich einen Stain "Scheitern", ehe er die Karriereliter aufsteigen kann
Karriereleiter mit Stolperstein: Wer das Scheitern überwindet, schafft die Basis für nachhaltigen beruflichen Erfolg. (Foto: MuM, ki-generiert by chatgpt)

von Andreas Engelen für Markt und Mittelstand

Vor vielen Jahren begegnete ich auf dem Weg zu einem Hörsaal, in dem ich frühmorgens eine Vorlesung halten sollte, mehreren Medienvertretern – darunter Reporter mit Mikrofonen und Kamerateams. Vor dem Hörsaal fiel mir auf, dass sie Studenten aus dem benachbarten Hörsaal interviewten. Im Laufe des Tages wurde mir dann klar, worum es ging: Am Vortag hatte eine Studentin aus einem benachbarten Studiengang bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ teilgenommen – und war bereits bei einer vermeintlich einfachen Frage ausgeschieden. Eine große Tageszeitung titelte daraufhin: „Deutschland, wie dumm sind deine Studenten?“ 

Diese Anekdote zeigt auf bedrückende Weise, wie in Deutschland mit Menschen umgegangen wird, die etwas wagen – etwa den Auftritt in einer TV-Show – und dabei scheitern. Schnell zeigen wir mit dem Finger auf sie. Dabei könnte man auch sagen: Diese Person hatte den Mut, sich einer ungewohnten Situation zu stellen. Und wer kann von sich behaupten, in solch einem Moment keine Fehler zu machen? 

Geschockt von der öffentlichen Reaktion haben wir uns in der Forschung in den Folgejahren intensiv mit der Frage beschäftigt, wie sich Scheitern auf die weitere Karriere auswirkt. Besonders haben wir in Studien untersucht, welchen Einfluss unternehmerisches Scheitern nach dem Studium auf spätere Karrierewege hat. 

Karriere erfolgreicher nach vorherigem Scheitern

Dazu haben wir einen umfangreichen Datensatz auf Basis von Profilen in sozialen Netzwerken erstellt und zwei Gruppen systematisch verglichen: Auf der einen Seite Absolventen, die nach dem Studium direkt in ein Unternehmen eingestiegen sind. Auf der anderen Seite Absolventen, die zunächst ein eigenes Unternehmen gegründet haben und nach dessen Scheitern in die Unternehmenswelt gewechselt sind. Die Vergleichsgruppen wurden hinsichtlich Studienfach, Alter und weiterer Faktoren möglichst ähnlich zusammengesetzt. 

Wir haben anschließend untersucht, welche Positionen die beiden Gruppen nach mehreren Jahren im Unternehmen erreichten – und das Ergebnis war überraschend. Diejenigen, die den Umweg über eine gescheiterte Gründung gegangen waren, hatten später erfolgreichere Karrieren als jene, die direkt im Unternehmen gestartet waren. Man hätte vermuten können, dass der direkte Einstieg in den Konzern Vorteile bringt – durch länger aufgebaute Netzwerke oder ein besseres Verständnis für interne Abläufe. Doch dieser Effekt wurde durch die umfangreichen Lernerfahrungen aus der Gründungszeit übertroffen. 

Als Gründer übernimmt man Verantwortung für alle Bereiche, arbeitet eigenverantwortlich, lernt, mit Rückschlägen und Stress umzugehen – Fähigkeiten, die man in den ersten Jahren im Unternehmen nur begrenzt entwickeln kann. Und die offenbar später von Vorteil sind. 

Unsere Ergebnisse zeigen: Ein anfängliches Scheitern ist kein langfristiger Nachteil – im Gegenteil. Wer in einem herausfordernden Umfeld Erfahrungen sammelt, profitiert davon auch in anderen beruflichen Kontexten. Allerdings gibt es eine Grenze: Dauert die unternehmerische Erfahrung – und das anschließende Scheitern – mehr als fünf Jahre, lässt sich der Vorsprung der direkt im Konzern gestarteten Absolventen nicht mehr vollständig aufholen. 

Insgesamt lässt sich sagen: Wer scheitert, lernt – auch für ganz andere Karrierewege. 

Der Autor

Die Forschung schafft Wissen, die Praxis nutzt es – wenn dazwischen nur nicht immer so viel Interessantes verloren ginge. Unser Kolumnist Professor Andreas Engelen setzt sich für den gezielten Wissenstransfer von den Hochschulen in die Unternehmen zu betriebswirtschaftlichen Themen ein. Der Inhaber des Lehrstuhls für Management an der Heinrich HeineUniversität in Düsseldorf forscht mit seinem Team erfolgreich über Fragen des strategischen Managements, der Innovation und des digitalen Managements. Aktuell schlägt er in Projekten mit mehr als 20 Unternehmen die Brücke zwischen Theorie und Praxis – für seine Studierenden wie für Firmen.

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