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Wirtschaftswunder: Wie das ‚Wunderland‘ die Bundesrepublik neu erfand

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 1 Min.

Vom Trümmerfeld zum Kaufrausch: Harald Jähner erzählt das Wirtschaftswunder als lebendige Gründerstory mit überraschenden Parallelen zu heute.

Buch & Laptop
(Foto: shuttersctock)

Wunderland

So macht Wirtschaftsgeschichte Spaß, vor allem eine echte Gewinnergeschichte: 1945 lag Deutschland in Trümmern, aber von 1955 bis 1967 passierte das, was wir als „Wirtschaftswunder“ kennen. Harald Jähner hat diese Gründerzeit in „Wunderland“ (Rowohlt Verlag) auf die ihm eigene Weise beschrieben. Der durch sein Buch „Wolfszeit“ bekannt gewordene Autor ist kein typischer Historiker, sondern kommt aus dem Journalismus und schreibt entsprechend lebendig über diese Zeit, in der mehr Kinder geboren und mehr Überstunden gemacht wurden als je zuvor. Nie wieder wurde so viel Alkohol getrunken, so viel Wohlstand angesammelt. „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“, war einer der bekanntesten Werbeslogans dieser Jahre als Reaktion auf die enorme Nervosität, die der Preis des Erfolges war. 

Statt einer klassischen Wirtschaftsgeschichte verbindet Jähner Wirtschaft, Kultur und Alltag zu einem kaleidoskopartigen Bild der frühen Bundesrepublik: vom üppigen Wirtschaftswachstum und nahezu Vollbeschäftigung über Konsum- und Medienkultur bis zur aufkommenden Jugendbewegung und dem Einfluss des Kalten Krieges. Jähner schildert, wie die sozialen Dynamiken des Wirtschaftswunders nicht nur den materiellen Wohlstand prägten, sondern auch Lebensgefühl, gesellschaftliche Rollen und Identität. Zitat: „Was war das für ein Volk, das nicht mehr an den Kaiser und den Führer glaubte, sich selber aber auch nicht recht trauen konnte?“ 

Er zeigt, dass dieses Jahrzehnt von Fortschrittsglaube, konsum­orientierten Lebensentwürfen und dem Bedürfnis nach Normalität nach Jahren großer Entbehrungen bestimmt war. Zugleich bleibt er wachsam gegenüber Widersprüchen: Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit war, wie andere Herausforderungen auch, ein komplexer Prozess.

Harald Jähner, „Wunderland“ (Rowohlt Verlag)

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