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ZEW-Studie: Homeoffice in Deutschland - jedes dritte Unternehmen plant Ausbau bis 2026

| Markt und Mittelstand Redaktion

Repräsentative Umfrage zeigt: Homeoffice bleibt – 80 % der IT-Firmen und 50 % der Industrie setzen auf hybride Modelle.

Homeoffice: Mann im Wohnzimmer am Schreibtisch - telefoniert
Hybrides Arbeiten etabliert sich: Immer mehr Unternehmen bieten mehrere Homeoffice-Tage pro Woche an. (Foto: shutterstock)

14.8.2025 - Markt und Mittelstand: Wer in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, deutsche Unternehmen stünden kurz davor, das Homeoffice in die Rumpelkammer der Pandemie-Relikte zu verbannen. CEOs fordern „mehr Präsenz“, neue Regeln schränken mobile Arbeit ein – das mediale Narrativ war klar: Die große Rückkehr ins Büro hat begonnen.

Die Zahlen des ZEW Mannheim zeichnen ein anderes Bild. Hybrides Arbeiten ist längst kein Experiment mehr, sondern Teil der betrieblichen DNA – und zwar quer durch Branchen und Unternehmensgrößen. Selbst im stärker ortsgebundenen Verarbeitenden Gewerbe bietet heute fast jedes zweite Unternehmen mindestens einen Homeoffice-Tag pro Woche an. In der Informationswirtschaft ist das Angebot fast flächendeckend. Die Prognosen zeigen: Der Trend geht nicht zurück, er wächst.

In einer Befragung von rund 1.200 Unternehmen im Juni 2024 gaben 82 Prozent der Firmen in der Informationswirtschaft und 48 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe an, dass Beschäftigte mindestens einmal pro Woche von zuhause arbeiten können – ein Niveau, das sich seit der Corona-Pandemie stabilisiert hat.

Prognosen zeigen weiteren Anstieg

Die Erwartungen der Unternehmen deuten sogar auf eine Ausweitung der Homeoffice-Angebote hin. Für 2026 rechnen Firmen der Informationswirtschaft mit einem Anstieg auf 88 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe auf 57 Prozent. Auch der Anteil der Beschäftigten, die Homeoffice tatsächlich nutzen, dürfte wachsen: Zwei Drittel der Unternehmen in der Informationswirtschaft erwarten, dass in zwei Jahren mehr als 20 Prozent ihrer Belegschaft mindestens einmal wöchentlich mobil arbeiten.

Mehrtage-Modelle auf dem Vormarsch

Besonders dynamisch entwickeln sich mehrtägige Homeoffice-Modelle. In der Informationswirtschaft hat sich der Anteil der Unternehmen, die mindestens drei Tage pro Woche Homeoffice ermöglichen, seit der Pandemie von 21 auf 42 Prozent verdoppelt. Auch in anderen Frequenzstufen liegt die Nutzung deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.

Unternehmensgröße als entscheidender Faktor

Die Ausgestaltung hängt stark von der Betriebsgröße ab. Große Unternehmen bieten häufiger mehrere Homeoffice-Tage an: In der Informationswirtschaft nutzen 91 Prozent der Großunternehmen Modelle mit mindestens zwei Homeoffice-Tagen pro Woche, bei mittleren sind es 80 Prozent, bei kleinen nur 55 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe reicht die Spannweite von 76 Prozent bei großen bis 15 Prozent bei kleinen Betrieben.

Fazit

Was hier aufeinanderprallt, sind zwei Logiken: Auf der einen Seite das Bedürfnis mancher Führungskräfte nach Kontrolle und spontaner Zusammenarbeit im Büro. Auf der anderen Seite eine Arbeitswelt, in der digitale Tools, Fachkräftemangel und Work-Life-Balance mobile Arbeit zu einem Wettbewerbsfaktor machen. Wer diese Option streicht, riskiert, im Kampf um Talente ins Hintertreffen zu geraten.

Die Rückkehrdebatte ist daher weniger Ausdruck eines echten Strategiewechsels als vielmehr ein Reflex – gespeist aus Kulturfragen, nicht aus Produktivitätsdaten. Das Büro bleibt wichtig, aber nicht mehr exklusiver Mittelpunkt der Arbeit. Die Zukunft ist hybrid – und wer das ignoriert, führt Debatten von gestern.

Von einer generellen Abkehr vom Homeoffice kann keine Rede sein.

Fakten kompakt: Homeoffice in deutschen Unternehmen

Die ZEW-Studie liefert einen umfassenden Überblick über die aktuelle Homeoffice-Situation in Deutschland:

  • 80 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft bieten Homeoffice an mindestens einem Tag pro Woche an.
  • Im verarbeitenden Gewerbe ermöglichen 50 Prozent der Unternehmen Homeoffice-Optionen.
  • 98 Prozent der größeren Unternehmen (ab 100 Mitarbeiter) in der Informationswirtschaft setzen auf Homeoffice-Modelle.
  • 34 Prozent der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe planen einen Ausbau ihrer Homeoffice-Angebote.

 

Markt und Mittelstand Praxischeck

Was bedeutet das konkret?

Geschäftsführer sollten hybride Arbeitsmodelle als strategisches Instrument begreifen. Die Implementierung erfordert eine Neuausrichtung von Kommunikationsstrukturen, Führungsstilen und Leistungsmessung. Gleichzeitig bietet Homeoffice Chancen zur Kosteneinsparung bei Büroflächen und zur Erschließung neuer Talentpools.

Handlungsempfehlungen:

  • Evaluieren Sie Ihr aktuelles Arbeitsmodell hinsichtlich Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit.
  • Investieren Sie 5-10% des IT-Budgets in sichere Remote-Infrastruktur.
  • Schulen Sie Führungskräfte in Remote-Leadership-Kompetenzen.
  • Entwickeln Sie klare Richtlinien für Homeoffice-Nutzung und Erreichbarkeit.
  • Implementieren Sie Tools zur Messung der Remote-Produktivität.

Kritische Würdigung:

Hybride Arbeitsmodelle bergen Chancen für Kosteneinsparung und Mitarbeiterbindung. Gleichzeitig besteht das Risiko sinkender Innovationskraft und Teamkohäsion. Als Geschäftsführer müssen Sie einen Balanceakt zwischen Flexibilität und Unternehmenskultur meistern.

 

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