Montag, 06.03.2017
Geordnetes Chaos: Wie die Arbeitsplätze auszusehen haben, darf grundsätzlich der Chef bestimmen. Aber ihm sind Grenzen gesetzt.

Foto: Ingram Publishing/Thinkstock/Getty Images

Geordnetes Chaos: Wie die Arbeitsplätze auszusehen haben, darf grundsätzlich der Chef bestimmen. Aber ihm sind Grenzen gesetzt.

Recht & Steuern
Was darf der Chef verbieten?

Dekoration am Arbeitsplatz: Das ist erlaubt

Viele Beschäftigte dekorieren ihren Arbeitsplatz mit Bildern, Blumen und mehr. Das gefällt nicht jedem. Aber darf der Chef es verbieten? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Gut jeder dritte Berufstätige in Deutschland dekoriert in irgendeiner Form seinen Arbeitsplatz. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Yougov. Am beliebtesten sind Fotos der Familie oder von Freunden, aber auch Fanartikel der favorisierten Fußballmannschaft oder Blumen finden sich häufig.

Nicht jedem Chef gefällt das. Die Frage ist: Muss er es trotzdem dulden – oder kann er es verbieten? Und wo sollte er besser kein Auge zudrücken? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten gesammelt.

Wieso dekorieren die Mitarbeiter überhaupt ihren Arbeitsplatz – und was hat der Arbeitgeber davon?

Das Gros der Mitarbeiter verbringt stolze acht Stunden des Tages am Arbeitsplatz. Kein Wunder, dass sie sich dort wohlfühlen wollen. Ein bisschen Dekoration kann dabei nicht schaden. Im Gegenteil: Eine Wohlfühlatmosphäre fördert Zufriedenheit und Motivation. Eine Studie der Universität Hiroshima hat nachgewiesen, dass Poster von Tierbabys Konzentration und Produktivität besonders steigern.

Lässt sich das Dekorieren des Arbeitsplatzes verbieten?

Marc Repey ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Abeln.

Foto: Kanzlei Abeln

Marc Repey ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Abeln.

Grundsätzlich entscheide die Geschäftsführung, was die Arbeitnehmer dürfen, erklärt Marc Repey, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Berliner Kanzlei Abeln. Allerdings müsse es für die Order von oben Gründe geben. Dazu zählt zum Beispiel die Arbeitssicherheit. So dürfen Fluchtwege nicht blockiert werden, auch Kerzen und andere potentiell gefährliche Dekorationsartikel sind problematisch. „Alles, was andere bei der Arbeit stört, kann im Büro verboten werden“, sagt der Arbeitsrechtler. Das Familienfoto auf dem Schreibtisch sei insbesondere an Arbeitsplätzen ohne Publikumsverkehr hingegen nur schwerlich zu untersagen. Laut Repey lassen sich Regelungen zur Dekoration am Arbeitsplatz auch in Betriebsvereinbarungen oder in der Hausordnung festhalten. „In der Praxis wird das aber meist gar nicht geregelt“, sagt Repey, und wenn, dann nur mündlich.

Wie lassen sich Verstöße gegen die Dekorationsregeln sanktionieren?

Theoretisch, sagt Repey, sei es natürlich denkbar, einen Mitarbeiter, der sich partout nicht an die Regeln hält, abzumahnen. „Schließlich gehört die Einhaltung solcher Regeln zu den Nebenpflichten des Arbeitnehmers“, sagt der Rechtsanwalt. Ob das hartnäckige Dekorieren des Arbeitsplatzes allerdings ausreicht, einem Mitarbeiter zu kündigen, scheint fraglich. Unstrittig hingegen ist: Wird durch die Dekoration Firmeneigentum beschädigt, dann haftet der Mitarbeiter – beziehungsweise, falls vorhanden und außer bei Vorsatz, seine private Haftpflichtversicherung.

Darf der Geschäftsführer eine Bayern-München-Fahne erlauben, einen Schalke-Wimpel aber verbieten?

Nein, so eine Regelung dürfte gegen die Gleichbehandlung verstoßen. Grundsätzlich dürfen Mitarbeiter nur unterschiedlich behandelt werden, wenn es einen wichtigen Grund dafür gibt. „Deshalb sind natürlich unterschiedliche Regeln für die Mitarbeiter am Empfang und jene im Backoffice möglich“, sagt Repey. Aber allein aufgrund von Sympathie oder ästhetischem Empfinden darf die Führungskraft nicht entscheiden.

Im Sommer stellen sich viele Mitarbeiter einen Ventilator ins Büro, im Dezember eine Lichterkette. Gibt es dabei Besonderes zu beachten?

Arbeitsrechtler Repey warnt davor, den Einsatz von Elektrogeräten – egal welcher Art und zu welchem Zweck – grundsätzlich zu erlauben. Die sogenannte Betriebssicherheitsverordnung schreibe nämlich eine Sicherheitsüberprüfung für alle Geräte obligatorisch vor. „Ansonsten entstehen Gefahren, zum Beispiel durch Stromschläge – insbesondere wenn die Herkunft der Geräte unklar ist“, sagt Repey. Bei Nichtbeachtung drohen Ordnungsgelder. 

Darf der Chef vorschreiben, den Schreibtisch aufzuräumen?

Grundsätzlich gilt laut Repey auch hier, dass der Vorgesetzte oder Chef die Mitarbeiter zur Ordnung auffordern kann. „Allerdings sollte er dabei keine militärischen Maßstäbe anlegen“, sagt er. Stattdessen sei Augenmaß wichtig. Mitarbeiter seien nun einmal unterschiedlich: Der eine könne etwa an einem chaotisch aussehenden Schreibtisch besser arbeiten, während ein anderer penible Ordnung brauche. „Wenn allerdings der betriebliche Ablauf gestört ist, zum Beispiel weil im Krankheitsfall wichtige Unterlagen nicht gefunden werden können, sieht das anders aus“, sagt Repey. Dann sei auch eine nachdrückliche Aufforderung, den Schreibtisch aufzuräumen, durchaus legitim.

Info

Ob Rauchen im Büro, die Geburtstagsfeier mit Kollegen oder der Hund unter dem Schreibtisch – Millionen Arbeitnehmer in Deutschland fragen sich: Was darf ich rechtlich, und was nicht? Markt und Mittelstand klärt auf, was am Arbeitsplatz erlaubt ist und wann eine Kündigung droht.

Hier finden Sie unsere Übersicht.