Donnerstag, 18.10.2018

Foto: Fizkes/Getty Images

Fit im Job: Rückenleiden gehören zu einer der häufigsten Erkrankungen, durch die deutsche Arbeitnehmer ausfallen.

Recht & Steuern
Sport, Ernährungskurse & Co.

Diese Fallstricke lauern bei der staatlichen Gesundheitsförderung

Um den hohen Krankenstand in Unternehmen zu senken, greift der Fiskus Unternehmen unter die Arme, die ihren Mitarbeitern Gesundheitsleistungen zukommen lassen wollen. Bei den Freibeträgen gilt es, die Grenzen zu beachten.

Rückenschmerzen, Bluthochdruck oder Burn-out: Die Liste der typischen Erkrankungen von Mitarbeitern ist lang. Aktuell liegt der Krankenstand in Deutschland so hoch wie in den vergangenen zwei Jahrzenten nicht mehr. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft war im Jahr 2016 jedes Betriebskrankenkassen-Mitglied durchschnittlich 17,4 Tage arbeitsunfähig. Zu den häufigsten Ausfallgründen zählten dabei Muskel- und Skeletterkrankungen sowie psychische Störungen. Unter den Ausfällen leiden die Arbeitsqualität und die Produktivität – und damit der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen.

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Immer mehr Firmen packen das Problem deshalb proaktiv an und setzen auf Prävention im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Dazu zählen etwa Bewegungs- und Ernährungskurse oder Seminare zur Stressbewältigung. Die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern wird staatlich gefördert, aber hinsichtlich der Steuer- und Abgabenfreiheit gelten strenge Bedingungen.

Von der Förderung der Mitarbeitergesundheit profitieren Firmen gleich mehrfach. Sie reduzieren krankheitsbedingte Fehlzeiten und verbessern das Betriebsklima. Obendrein bieten sie Mitarbeitern attraktive Gehaltsextras (siehe Infokasten „Gesunde Gehaltsextras“, Seite 19) und werten ihr Image als Arbeitgeber auf. Damit von solchen Maßnahmen nicht der Fiskus profitiert, müssen Unternehmen in steuerlicher Hinsicht einiges beachten.

Maßnahmen müssen Gesundheitszustand verbessern

Denn schnell wertet das Finanzamt Sachleistungen oder Barzuschüsse als steuerpflichtige Einkünfte. Die Folge: Bei der nächsten Betriebsprüfung droht eine saftige Nachzahlung samt Zinsen. Eine sorgfältige Dokumentation ist deshalb für alle Mitarbeiter Pflicht. Firmen sollten Belege wie Beitragsbescheide, Teilnahmebescheinigungen oder Zertifizierungen von Anbietern immer zusammen mit den Lohnunterlagen aufbewahren.

Steuerlich begünstigt sind nur Sachleistungen und Barzuschüsse, die Firmen freiwillig und zusätzlich zum vertraglich vereinbarten Arbeitslohn gewähren. Eine Umwandlung von Gehaltsbestandteilen oder Gegenleistungen des Mitarbeiters wie etwa ein Lohnverzicht sind nicht erlaubt. Nichtsdestotrotz besteht ein gewisser Gestaltungsspielraum: Unternehmen können Gesundheitsleistungen auf andere freiwillige Sonderzahlungen wie etwa das Weihnachtsgeld anrechnen oder im Rahmen einer Gehaltserhöhung gewähren. Wichtig ist dabei: Laut dem Sozialgesetzbuch müssen diese Maßnahmen der Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands oder der betrieblichen Gesundheitsförderung dienen.

Info

Gesunde Gehaltsextras

Das müssen Sie beachten

  • Betriebliche Gesundheitsförderung: Bis zu 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter kann die Firma steuerfrei in die Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter investieren. Dieser Betrag kann zum Beispiel in Rückenschulungen, Bewegungs- oder Yogakurse, aber auch in Ernährungsberatung und Schutzimpfungen fließen. 
  • Fitnessgutscheine: Solche Gutscheine dürfen Mitarbeiter monatlich bis zu einer Höhe von maximal 44 Euro erhalten, beispielsweise als Zuschuss für den Sportverein oder für einen Fitnessstudiobesuch. Auf dem Voucher müssen Verwendungszweck und Betrag vermerkt sein. Die Sachbezugsgrenze in Höhe von 44 Euro kann sich auch aus mehreren Einzelgutscheinen zusammensetzen. 
  • Beiträge zur Unfallversicherung: Eine private Unfallversicherung (UV) greift sowohl bei Freizeit- als auch bei Arbeitsunfällen. Steuergünstig wird es, wenn der Arbeitgeber die UV als Gruppenversicherung abschließt. Denn wenn mehrere Mitarbeiter dieses Angebot nutzen, fallen für sie keine Steuern und Beiträge an. Die Prämie je Arbeitnehmer darf die Freigrenze von 62 Euro pro Jahr allerdings nicht übersteigen. 
  • Arbeitsplatzbrillen: Die Kosten für eine Sehhilfe für den Arbeitsplatz kann das Unternehmen ebenfalls steuer- und abgabenfrei übernehmen. Dafür müssen aber zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Arbeitsplatzbrille muss ärztlich verschrieben sein und die Kosten müssen „angemessen“ sein.

Unternehmen sollten darauf achten, dass sie in Qualität, Zweckbindung und Ziel den Vorgaben entsprechen. Eine Orientierungshilfe bietet hier etwa der Präventionsleitfaden des GKV-Spitzenverbands, der auf der Website zum Herunterladen bereit steht. Firmen sollten vorab immer genau prüfen, ob Kurse von den Krankenkassen als Präventionsmaßnahme zertifiziert und Anbieter ausreichend qualifiziert sind. In Zweifelsfällen sollten Arbeitgeber für Rechtssicherheit sorgen und beim Finanzamt eine sogenannte Anrufungsauskunft einholen, die kostenlos ist.

Die Förderfreude des Fiskus hat allerdings ihre Grenzen: Maximal 500 Euro dürfen Firmen jährlich pro Mitarbeiter ohne Weiteres für Gesundheitsmaßnahmen ausgeben, und zwar für inner- und außerbetriebliche Angebote. Vertragspartner kann grundsätzlich der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer sein. Bis zum Freibetrag von 500 Euro müssen Unternehmen keinen Nachweis erbringen, dass die Maßnahmen berufsspezifischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorbeugen. Dies trifft etwa dann zu, wenn Mitarbeiter, die am PC arbeiten, an einem Rückengymnastikkurs teilnehmen oder eine spezielle Bildschirmbrille benötigen.

Gegen Entscheidungen des Finanzamtes Einspruch einlegen

Wer mehr als 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter steuerfrei ausgeben will, muss den berufsspezifischen Nachweis durch eine Auskunft des medizinischen Dienstes der Krankenkassen, der Berufsgenossenschaft oder eines Sachverständigen erbringen. Sofern das Finanzamt den Nachweis akzeptiert, ist die Maßnahme in unbegrenzter Höhe steuer- und abgabenfrei. In solchen Fällen sollten Unternehmen vorab immer ihren Steuerberater konsultieren, insbesondere wenn eine größere Anzahl von Mitarbeitern betroffen ist.

Vorsicht geboten ist bei Angeboten des allgemeinen Freizeit- und Breitensports. Die Übernahme oder Bezuschussung von Mitgliedsbeiträgen – beispielsweise von Fitnessstudios oder Sportvereinen – ist immer steuer- und sozialversicherungspflichtig. Firmen können dabei jedoch die monatliche Sachbezugsfreigrenze von 44 Euro in Anspruch nehmen. Wie in einem aktuellen Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen deutlich wird, stimmt die Finanzverwaltung bei der Finanzierung einer Fitnessstudio- Mitgliedschaft der Anwendung der monatlichen Sachbezugsfreigrenze zu. Sie sieht den Zufluss des geldwerten Vorteils beim Arbeitnehmer auch dann monatlich, wenn ein Jahresvertrag abgeschlossen wurde. Das Finanzamt war zuvor der Ansicht, dass damit die Sachbezugsfreigrenze im Regelfall überschritten würde. Das Finanzgericht wiederum urteilte zwar zugunsten des Steuerpflichtigen, hat jedoch die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen. Bis zur abschließenden Klärung sollten Arbeitgeber gegen anderslautende Entscheidungen des Finanzamtes Einspruch einlegen. So können sie gegebenenfalls von einem steuerzahlerfreundlichen Urteil rückwirkend profitieren.

Autor

Torsten Lambertz ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft WWS Wirtz, Walter, Schmitz in Mönchengladbach.


Der Artikel gehört zu einem Thema aus der „Markt und Mittelstand“-Ausgabe Oktober 2018. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.