Donnerstag, 25.01.2018
Spenden sind im Mittelstand weit verbreitet: „Viele Firmen haben ihr soziales Engagement mittlerweile fest in ihrer Unternehmensphilosophie verankert“, sagt Tanja Korn

Foto: ErikdeGraaf/Thinkstock/Getty Images

Spenden sind im Mittelstand weit verbreitet: „Viele Firmen haben ihr soziales Engagement mittlerweile fest in ihrer Unternehmensphilosophie verankert“, sagt Tanja Korn

Recht & Steuern
Interview zu Unternehmensspenden

„Engagement besitzt bei vielen Mittelständlern eine lange Tradition“

Tanja Korn, Referentin Unternehmenskooperationen bei SOS-Kinderdorf, weiß, warum Mittelständler spenden. Im Interview spricht sie über den Zusammenhang zwischen Spendenvolumen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Bedeutung von Glaubwürdigkeit.

Spenden Unternehmen mehr, wenn die Wirtschaft brummt?
Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen Spendenvolumen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Doch gerade in den vergangenen Jahren beobachten wir, dass Unternehmen zunehmend konjunkturunabhängig spenden. Das freut uns, denn es zeigt: Viele Firmen haben ihr soziales Engagement mittlerweile fest in ihrer Unternehmensphilosophie verankert.

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Wer spendet eher: ein Konzern oder ein Mittelständler?
Die Spendenbereitschaft an sich hängt nicht unmittelbar mit der Unternehmensgröße zusammen. Inzwischen legen immer mehr Firmen ein tiefes soziales Bewusstsein an den Tag – ob sie nun 100 oder 1.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das rührt sicherlich auch daher, dass Öffentlichkeit, Kunden und Mitarbeiter heute von einem Unternehmen gesellschaftliches Engagement erwarten. Worin sich Konzern und Mittelständler allerdings unterscheiden, sind zum Beispiel die konkreten Spendenziele.

Tanja Korn ist Referentin Unternehmenskooperationen bei SOS-Kinderdorf

Foto: SOS-Kinderdorf

Tanja Korn ist Referentin Unternehmenskooperationen bei SOS-Kinderdorf

Nämlich?
Konzerne stellen meist größere gesellschaftliche Probleme in den Fokus und wollen diese nachhaltig verändern. Beim Mittelstand geht es oftmals um regionale Projekte oder anlassbezogene Spenden, etwa zu Weihnachten.

Sind mittelgroße Mittelständler (mit einem Jahresumsatz zwischen 20 Millionen und 60 Millionen Euro) großzügig oder knausrig mit Spenden?
Das lässt sich nur schwer beantworten, dafür ist diese Spendergruppe schlichtweg zu heterogen. Es gibt Firmen, die in ihren Bereichen Marktführer sind und auch entsprechend großzügig spenden. Andere bleiben trotz großer Umsätze deutlich unter ihren Möglichkeiten. Wie gesagt: Die Größe oder der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens erlaubt nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Spendenbereitschaft.

Warum spenden Mittelständler – aus philanthropischen Gründen oder um Steuern zu sparen?
Dass würde ich nicht unbedingt gegeneinander ausspielen – beides können Gründe sein. Allerdings muss man klar sagen, dass gesellschaftliches Engagement bei vielen Mittelständlern eine lange Tradition besitzt. Familienunternehmen, die sich nicht nur den Mitarbeitern verantwortlich fühlen, sondern auch für die Gemeinde spenden oder regionale Veranstaltungen fördern – so etwas gibt es nicht erst seit der „Erfindung“ des Begriffs Corporate Social Responsibility. Das ist – gerade im Mittelstand – oft tief verwurzelt. 

Welche Rolle spielt die öffentliche Sichtbarkeit der Spender?
Selbstverständlich können Firmenspender aus ihrem Engagement konkrete Vorteile für das eigene Unternehmen ziehen. Mit einer wohlüberlegten und gut umgesetzten Spendenstrategie lässt sich bei Mitarbeitern und Kunden viel bewirken. Auch die Öffentlichkeit nimmt soziales Engagement in der Regel positiv auf. Vorausgesetzt, das Ganze wirkt ehrlich und authentisch. „Aufgesetzte“ Spendenaktionen werden heute schnell durchschaut. Die Glaubwürdigkeit ist also ein ganz entscheidender Punkt.

Wonach suchen sich deutsche Mittelständler den Empfänger ihrer Zuwendungen aus?
Das hängt letztlich immer von den individuellen Spendenzielen ab, die ein Unternehmen verfolgt. Regionalität und Nähe zum eigenen Standort stellen erfahrungsgemäß wichtige Faktoren dar. Aber auch die Reputation des Empfängers sowie die Gewissheit, dass die Spende dort ankommt, wo sie gebraucht wird, spielen eine Rolle.

Gezielt spenden oder Gießkannenprinzip: Brauchen mittelständische Unternehmen eine Spendenstrategie?
Der Erfolg von sozialem Engagement steht und fällt mit einer soliden Spendenstrategie – insofern ein klares Ja. Das Unternehmen sollte auf jeden Fall genau reflektieren, weshalb und mit welchem Ziel es spenden möchte. Deshalb legen wir bei SOS-Kinderdorf von Anfang an großen Wert auf den Dialog mit unseren Spendern. Dann erzielen Spenden die beste Wirkung: für die Gesellschaft und das Projekt – aber auch für die eigene Firma. Gleichzeitig muss man sich bewusst machen, dass einer Spendenstrategie auch Grenzen gesetzt sind. Am Ende geht es immer um konkrete soziale Bedarfe, die wir gemeinsam bewältigen möchten.