Mittwoch, 20.04.2016

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Herstellung von Elektromotoren: Besonders in Familienunternehmen des produzierenden Gewerbes kann ein Finanzinvestor hilfreich sein.

Recht & Steuern
Finanzinvestor im Familienunternehmen

Finanzinvestor: Frischzellenkur auf Zeit

Finanzinvestoren sind für Familienunternehmen oft immer noch ein Tabuthema. Der Einstieg eines Finanzinvestors kann jedoch Vorteile haben.

Die temporäre Minderheitsbeteiligung eines Finanzinvestors kann drei Vorteile für ein Familienunternehmen haben und damit zur „Frischzellenkur auf Zeit“ werden:
•    Die Eigenkapitalbasis verbessert sich. Das Unternehmen erhält dadurch einen größeren finanziellen Spielraum.
•    Die Weiterentwicklung und das Wachstum des Unternehmens erhalten einen Schub – etwa, weil der Finanzinvestor es dabei unterstützt, ausländische Märkte zu erschließen.
•    Durch den Verkauf der Anteile für die Minderheitsbeteiligung an den Finanzinvestor fließt Geld an die Eigentümer des Familienunternehmens.

Finanzinvestoren wollen von Minderheitsbeteiligung überzeugt werden

KPMG

Christian Specht ist Spezialist für Mergers & Acquisitions und Partner bei KPMG. Zu seinen Schwerpunkten zählen M&A-Transaktionen mit Familienunternehmen und Industriekonzernen.

 

Die Zahl der Finanzinvestoren, die zu einer Minderheitsbeteiligung bereit sind, ist überschaubar. Damit die temporäre Minderheitsbeteiligung an einem Familienunternehmen für einen Finanzinvestor in Frage kommt, müssen die Unternehmen deshalb diese Voraussetzungen erfüllen.
•    Im Guten vorsorgen: Die Chancen für eine Minderheitsbeteiligung sind umso höher, je besser das Familienunternehmen aufgestellt ist. Der Einstieg eines Finanzinvestors sollte daher idealerweise in guten Zeiten und mit ausreichend Vorlauf geplant werden.
•    Das Ziel immer im Blick behalten: Familienunternehmen sollten sich vor dem Einstieg des Finanzinvestors darüber im Klaren sein, wofür die Mittel eingesetzt werden sollen, die im Rahmen der möglichen Kapitalerhöhung zufließen.
•    Bereits am Anfang ans Ende denken: Was für das Familienunternehmen eine „Frischzellenkur“ ist, ist für Finanzinvestoren eine „Ehe“ auf Zeit. Eine konkrete Trennungsstrategie ist daher essentiell. Familienunternehmen sollten sich aus diesem Grund bewusst sein, dass in der Regel beim Ausstieg des Finanzinvestors entweder ein gemeinsamer Verkauf des gesamten Unternehmens oder ein Rückkauf der veräußerten Beteiligung ansteht. Der Finanzinvestor wird bereits beim Einstieg auf eine entsprechende vertragliche Regelung der Exit-Option drängen.

Plan auf Zeit für Familienunternehmen

Familienunternehmen müssen von vorneherein einplanen, dass sie nach fünf bis sieben Jahren entweder eine der beiden oben genannten Optionen (Verkauf des gesamten Unternehmens, Rückkauf der veräußerten Beteiligung) umsetzen, oder sich erneut auf die Suche nach einem oder mehreren neuen Anteilseignern machen müssen.

Denn in der Regel ist das der Zeitraum, nach dem Finanzinvestor wieder aus ihren Beteiligungen aussteigen. Soll der nächste Anteilseigner wieder ein Finanzinvestor werden, sollte das Familienunternehmen daher weitere Wachstumsmöglichkeiten identifizieren.

Wenn Unternehmer die drei Voraussetzungen für eine Minderheitsbeteiligung an beachten, bestehen gute Chancen, dass der temporäre Einstieg eines Finanzinvestors zur Frischzellenkur auf Zeit wird und das Familienunternehmen nach dem Ausstieg des Investors auf einer neuen wirtschaftlichen Stufe steht. Davon profitiert dann auch der Finanzinvestor finanziell – er hat als Partner natürlich auch ein großes Interesse daran, seine Beteiligung zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen.

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