Freitag, 30.01.2015
Diskriminierung Alter

Paul Vasarhelyi/Thinkstock/Getty Images

Wer in einer Stellenausschreibung bewusst junge Leute anspricht, riskiert unter Umständen eine Klage.

Recht & Steuern
Berufsanfänger richtig ansprechen

„Junge“ Bewerber gesucht: Klage droht

Unternehmen, die Berufsanfänger oder junge Mitarbeiter für ihre Ausbildungsprogramme suchen, sollten das Wort „jung“ in ihren Stellenausschreibungen vermeiden. Denn das könnte diskriminierend sein.


Bereits im Jahr 2013 (Az. 8 AZR 429/11) hat sich das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit einer Stellenanzeige auseinandergesetzt, die sich an „Young Professionals“ richtete. In der Stellenanzeige wurde ausgeführt, dass die Arbeitgeberin einen Bedarf an Nachwuchsführungskräfte habe. Daher sei ein Trainee-Programm für Hochschulabsolventen/Young Professionals eingerichtet worden, für das man zwei Hochschulabsolventen benötige. Da es sich „per definitionem“ um Berufsanfänger handele, würden neben den erworbenen Fähigkeiten vor allem die persönlichen Eigenschaften im Mittelpunkt stehen.

Ein 36-jähriger Jurist hatte sich auf eine Stelle in der Verwaltung eines Krankenhausträgers beworben. Dem 36jährigen Bewerber wurde abgesagt. Er jedoch sah in der Absage eine unzulässige Altersdiskriminierung und machte Entschädigungsansprüche geltend.

Indiz für Altersdiskriminierung

Nach dem BAG lagen in der Stellenausschreibung Indizien für eine Altersdiskriminierung vor. Durch die Verwendung von Begriffen wie „Young Professionals“ werde verdeutlicht, dass das Unternehmen direkt auf das Alter als unzulässiges Eignungsmerkmal abstelle. Das BAG ließ den Zweck der Nachwuchsgewinnung nicht als sachlichen Grund für eine zulässige Ungleichbehandlung wegen des Alters gelten.

Das Indiz der Diskriminierung könnte dadurch widerlegt werden, wenn nur Bewerber mit den besten Examensnoten in die Auswahl einbezogen worden wären. Dies sei ein taugliches Kriterium, um die Eignung eines Bewerbers zu bewerten. Das BAG hat das Verfahren zur weiteren Sachverhaltsaufklärung an die Vorinstanz zurückverwiesen.

Vermeidung bestimmter Begriffe in Stellenanzeigen

Dr. Philipp Byers

Dr. Philipp Byers ist Partner im Bereich Arbeitsrecht und Datenschutz in der Kanzlei Lutz Abel am Standort München.

Ausgehend von dem Urteil ist Arbeitgebern dringend zu empfehlen, bei der Erstellung von Stellenanzeigen größtmögliche Sorgfalt anzuwenden. Insbesondere sollten bestimmte Begriffe vermieden werden, um Indizien einer Diskriminierung auszuschließen. So sollten Substantive wie „Nachwuchsprogramme“ oder „Berufsanfänger“ nicht im Zusammenhang mit dem Adjektiv „jung“ verwendet werden, da dies auf das Alter als unzulässiges Bewerbungskriterium hindeuten könnte. Andernfalls drohen Entschädigungsansprüche abgelehnter Bewerber.

Sofern sich eine Stellenanzeige nur an Berufsanfänger richtet, die nicht auf das Merkmal „jung“ abstellt, stellt dies eine altersneutrale Ausschreibung dar. Es können sich auch Bewerber im vorgerückten Alter angesprochen fühlen, die z.B. länger studiert haben.

Arbeitgeber sollten ihre Stellenausschreibung altersneutral formulieren, um Entschädigungsansprüche zu vermeiden. Sofern sich eine Stellenanzeige ausnahmsweise zwingend an junge Bewerber richten soll, sollte die Anzeige durch einen Experten erstellt werden.

Es kann sich alternativ anbieten, altersneutral formulierte Stellenanzeigen in Medien zu platzieren, die überwiegend von jungen Bewerbern genutzt werden. Dabei bieten sich spezielle Jobbörsen oder Zeitschriften für Universitätsabsolventen an. Auf diese Weise können gezielt junge Bewerber angesprochen werden, ohne dass diskriminierungsrelevante Risiken durch die Stellenanzeige entstehen können.

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