Freitag, 20.09.2019
Dieser Mitarbeiter wäre vielleicht besser zu Hause geblieben. Aber haftet er auch für Fehler, die ihm nur aufgrund des Krankseins passieren?

Foto: Deagreez/Thinkstock/Getty Images

Dieser Mitarbeiter wäre vielleicht besser zu Hause geblieben. Aber haftet er auch für Fehler, die ihm nur aufgrund des Krankseins passieren?

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Krank im Büro: Muss der Chef erkältete Mitarbeiter nach Hause schicken?

Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben. Doch mancher kommt auch mit ständig laufender Nase oder schlimmerem zur Arbeit. Sollte der Chef ihn nach Hause schicken? Und wer haftet, wenn aufgrund der Krankheit oder Verletzung etwas passiert?

Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland ist einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes zufolge im Laufe des Jahres 2017 zur Arbeit gegangen, obwohl er krank war. Mit einer solchen falsch verstandenen Rücksicht schaden die Mitarbeiter nicht nur sich selbst, sondern auch dem Unternehmen - weil ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist und sie zudem Kollegen und Kunden anstecken könnten.

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Auch deshalb sagt Dirk Bischoff, Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Paul Müller & Kollegen in Offenburg und Fachanwalt für Arbeitsrecht: „Ist der Mitarbeiter erkennbar krank, sollte er nach Hause geschickt werden.“ Das gebiete schon die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer – habe aber auch versicherungsrechtliche Gründe. Denn es gilt: Wenn der Arbeitgeber davon weiß, dass der Arbeitnehmer nicht voll einsatzfähig ist und dadurch eine Gefahr für sich und andere darstellt, kann er für Schäden haftbar gemacht werden, sagt Arbeitsrechtler Bischoff.

Dr. Dirk Bischoff ist Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Paul Müller & Kollegen in Offenburg und Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Foto: Kanzlei Dr. Paul Müller & Kollegen

Dr. Dirk Bischoff ist Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Paul Müller & Kollegen in Offenburg und Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Grundsätzlich verstoße aber auch der Arbeitnehmer selbst gegen vertragliche Pflichten – etwa wenn er eine ansteckende Krankheit verschweigt oder weiterarbeitet, obwohl er aufgrund einer Verletzung eigentlich nicht mehr dazu fähig ist. Verursacht er dabei einen Schaden, muss eventuell auch er dafür haften. Möglicherweise werden auch beide – Arbeitgeber und Mitarbeiter – gemeinsam in Regress genommen.

Aber warum tun die Mitarbeiter das? Warum lassen sie sich nicht krankschreiben, wenn sie erkältet sind oder eine Grippe haben? In einer Studie der Krankenkasse DAK gaben mehr als 80 Prozent der Befragten als Hauptgrund an, dass sie ihre Kollegen nicht hängen lassen wollten. Rund 50 Prozent wollen negative Folgen für Kunden oder Klienten verhindern, wobei diese Motivation bei Frauen deutlich weniger verbreitet ist als bei Männern. 

Der Artikel stammt vom 2. Januar 2018 und wurde zuletzt am 20.9.2019 überprüft und aktualisiert.