Dienstag, 06.12.2016
Vorsicht auch nach Feierabend: Ob man Geschäftspartner noch zum Bier einladen darf, kann Teil eines Code of Conduct sein.

Foto: GeorgeRudy/Thinstock/Getty Images

Vorsicht auch nach Feierabend: Ob man Geschäftspartner noch zum Bier einladen darf, kann Teil eines Code of Conduct sein.

Recht & Steuern
Interview zum Welt-Anti-Korruptionstag

„Problem ist nicht das Bewusstsein, sondern die Umsetzung“

Der deutsche Mittelstand ist in Sachen Compliance auf einem guten Weg, sagt Jörg Viebranz. Im Interview zum Welt-Anti-Korruptions-Tag in dieser Woche erklärt der Experte auch, was man bei Weihnachtsgeschenken für Geschäftspartner beachten sollte.
Dr. Jörg Viebranz ist Compliance Partner bei Idox Compliance.

Foto: Idox Compliance.

Dr. Jörg Viebranz ist Compliance Partner bei Idox Compliance.

Markt und Mittelstand: Den Welt-Anti-Korruptionstag gibt es seit 2003, selbst der Otto-Normal-Verbraucher hat schon einmal etwas von Compliance gehört. Es scheint, als sei die Wirtschaft auf einem guten Weg. Oder täuscht der Eindruck?
Jörg Viebranz: Nein, der Eindruck täuscht nicht. Der Begriff taucht in der Tat immer häufiger auf. Und wir haben schon festgestellt, dass insbesondere nach den Skandalen bei Siemens und Daimler vor zehn Jahren der Kampf gegen Korruption immer wichtiger geworden ist.

MuM: Gilt das auch für den Mittelstand?

Viebranz: Grundsätzlich schon. Die Konzerne waren zwar Vorreiter, aber auch Mittelständler kommen nicht umhin, sich mit dem Thema Compliance zu befassen. Denn die verschiedenen gesetzlichen Regelungen gelten ja auch für sie. Darüber hinaus spüren sie auch den Druck der Öffentlichkeit und von Geschäftspartnern. Schließlich befinden sich viele Mittelständler in einer Zuliefererbeziehung zu größeren Konzernen, die wiederum gewisse Ansprüche stellen. Da reicht es heutzutage meist nicht mehr aus, auf einem Fragebogen anzukreuzen, dass man sich an entsprechende Regeln hält.

MuM: Wie gehen Mittelständler das Thema Compliance denn an?
Viebranz: Bei Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern gibt es mittlerweile oft einen Compliance-Beauftragten. Der leitet allerdings häufig gleichzeitig die Rechts- oder Finanzabteilung, und kümmert sich nur nebenbei um die Compliance. Bei kleineren Mittelständlern ist es häufig noch der Geschäftsführer selbst. Aber auch dort gab es in den vergangenen zehn Jahren einen Kulturwandel.

MuM: Wo hapert es noch?
Viebranz: Das Problem ist meist nicht das Bewusstsein, sondern die Umsetzung. In verschiedenen Befragungen und auch in der Beraterpraxis haben wir immer wieder festgestellt, dass in vielen Unternehmen einfach nicht die Ressourcen dafür vorhanden sind, etwa einen Code of Conduct zu erarbeiten. Dass hat sicher auch damit zu tun, dass der Compliance-Verantwortliche das Thema oft nur nebenher betreut. Da sind dann andere Projekte schon mal wichtiger.

MuM: Bald ist Weihnachten, da möchte manch einer auch dem Geschäftspartner ein kleines Geschenk machen. Ist das überhaupt noch zeitgemäß?
Viebranz: Weihnachtsgeschenke sind eine übliche Gepflogenheit, auch im Geschäftsverkehr. So lange sich das Geschenk in einem üblichen Rahmen bewegt und nicht zum Beispiel gerade eine Vertragsverlängerung verhandelt wird, ist so etwas in Ordnung. Allerdings gibt es in den Unternehmen unterschiedliche Regelungen, bis zu welchem Wert Geschenke angenommen werden dürfen. Um sicher zu gehen, empfiehlt es sich, das vorher beim Geschäftspartner zu erfragen.