Montag, 13.11.2017

Foto: Chad Baker/Thinkstock/Getty Images

„Dem werd ich's zeigen“: Mancher Angestellte „bedankt“ sich für die Kündigung beim Chef auf eine besondere Art.

Recht & Steuern
Nach der Kündigung

So verhindern Sie Racheaktionen am letzten Arbeitstag

Mitarbeiter, die gekündigt haben oder wurden, haben manchmal noch „offene Rechnungen“ mit ihrem Noch-Arbeitgeber. Dass sie diese durch eine Racheaktion begleichen, können Unternehmen nur schwer verhindern. Ein paar Tricks gibt es allerdings.

Vor kurzem deaktivierte ein Twitter-Mitarbeiter an seinem letzten Arbeitstag den Account von US-Präsident Donald Trump. Dass Mitarbeiter noch kurz vor ihrem Ausscheiden eine offene Rechnung mit dem Arbeitgeber begleichen, kann auch Mittelständler treffen. Was diese dagegen tun können, verrät Arbeitsrechtlerin Andrea Mehrer im Interview.

 

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Frau Mehrer, der Fall des ehemaligen Twitter-Mitarbeiters, der Donald Trumps Account lahmlegte, hat Schlagzeilen gemacht. Wie wäre ein solcher Fall in Deutschland arbeitsrechtlich zu werten?
Ein solches Verhalten ist jedenfalls als Verstoß gegen arbeitsrechtliche Pflichten zu werten. Dann stellt sich die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden: Kündigung oder Abmahnung, Unterlassung, Schadenersatzforderung und/oder Strafanzeige. Ob das Unternehmen geschädigt wurde, spielt für die Haftung des Arbeitnehmers eine Rolle – hier vor allem, worin der Schaden besteht und wie hoch er ist. In diesem Falle könnte der Ruf von Twitter gelitten haben.

Welche Kriterien müssten in einem solchen Fall erfüllt sein?
Wir müssen uns etwa fragen, ob der Ruf von Twitter durch die Aktion des Mitarbeiters tatsächlich beschädigt worden ist. Das ist in solchen Fällen, bei denen ein immaterieller Schaden im Raum steht, oft besonders schwer zu beweisen. Zudem sind grundsätzlich drei Punkte abzuwägen: Erstens, ob der Mitarbeiter gegen seine Pflichten verstoßen hat, zweitens, ob er dadurch den festgestellten Schaden verursacht hat, und drittens, ob er den Schaden letztlich auch verschuldet hat. So ist es zumindest erstaunlich, dass die Löschung eines Kontos so einfach und ohne Sicherheitsvorkehrungen möglich war.

Der Fall des Twitter-Mitarbeiters ist insofern besonders, weil dieser schon gekündigt war. Kann der Arbeitgeber solch ein Fehlverhalten trotzdem noch sanktionieren?
Nicht ohne Grund hat der Twitter-Mitarbeiter Trumps Konto erst an seinem letzten Arbeitstag abgeschaltet. Denn grundsätzlich kann ein Mitarbeiter, solange er noch beschäftigt ist, durch den Arbeitgeber immer zusätzlich fristlos gekündigt werden, auch wenn er befristet beschäftigt ist. Wenn der Arbeitgeber das nicht riskieren will, kann er ihn auch sofort freistellen und ihm den Zugriff auf die Firmendaten sperren. Außerdem sind zur Abschreckung von Nachahmungstaten strafrechtliche Schritte und Schadenersatzforderungen in Erwägung zu ziehen.

Was sollten Unternehmen tun, die Opfer von Racheaktionen durch Arbeitnehmer wurden?

Dann kann ein Unternehmen in jedem Fall dafür sorgen, dass es nicht mehr zu einem solchen Vorfall kommt. Twitter hat ja auch bereits reagiert und angekündigt, dass künftig Konten nicht ohne weiteres von Mitarbeitern abgeschaltet werden können. Das Unternehmen wird dazu entsprechende Maßnahmen treffen. Es könnte zum Beispiel ein Vier-Augen-Prinzip einführen.

 

Info

Tipps für die Gestaltung von Arbeitsverträgen

Generell ist beste Vorsorge eine gütliche Trennung – dann kommt der Mitarbeiter gar nicht erst auf „dumme Ideen“. Folgende vorsorgliche Maßnahmen sind darüber hinaus auch empfehlenswert:

  • transparente vertragliche Regelungen in Abstimmung mit der betrieblichen Praxis und der Technik

  • Regelungen und Kontrolle, auf welche Daten Mitarbeiter Zugriff haben, welche sie nach dem Ausscheiden behalten dürfen, welche gelöscht beziehungsweise zurückgegeben werden müssen

  • Klärung des Umgangs mit privaten Daten wie E-Mails auf dem Firmenaccount: im Zweifel müssen diese an den scheidenden Mitarbeiter herausgegeben oder ihm der Zugriff darauf erlaubt werden

Andrea Mehrer ist Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei AGC – Arbeitsrecht Gesellschaftsrecht Consulting in Ismaning.