Mittwoch, 21.10.2015

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Soziale Netzwerke lenken jeden Fünften von der Arbeit ab. Im Schnitt sind Arbeitnehmer allein bei Facebook über zwei Stunden pro Woche online.

Recht & Steuern
Surfen am Arbeitsplatz

Social Media: Checkliste für Arbeitgeber

Die Beliebtheit von Social Media ist ungebrochen – auch am Arbeitsplatz. Wie aber sollen Arbeitgeber mit der privaten Internetnutzung im Büro umgehen? Was kann erlaubt werden, was sollte tabu bleiben? Die wichtigsten Fakten rund ums Surfen am Arbeitsplatz.
Volker Schneider, GKS Rechtsanwälte

Volker Schneider ist Arbeitsrechtler bei der Wuppertaler Kanzlei GKS Rechtsanwälte.

 

Die Beliebtheit von Social Media ist ungebrochen – auch am Arbeitsplatz. Einer aktuellen Studie zufolge lenken soziale Netzwerke mittlerweile jeden Fünften von der Arbeit ab. Im Schnitt sind Arbeitnehmer über zwei Stunden pro Woche allein bei Facebook online. Wie aber sollen Arbeitgeber mit der privaten Internetnutzung im Büro umgehen? Was kann erlaubt werden, was sollte tabu bleiben?

Wenn der Chef es nicht ausdrücklich erlaubt, dann ist die private Internet-Nutzung im Büro wegen Verstoßes gegen arbeitsvertragliche Regelungen verboten. Anders kann dies aber schon sein, wenn der Arbeitgeber es zunächst stillschweigend geduldet hat. Unternehmen sollten in jedem Fall eine klare Regelung zum Surfen am Arbeitsplatz treffen – durch eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag, eine verbindliche Internet-Richtlinie oder eine Einigung mit dem Betriebsrat. Grundsätzlich gilt aber: Downloads von großen Datenmengen sind in jedem Fall genauso tabu, wie das Surfen auf Seiten mit pornografischen oder strafbaren Inhalten.

Auch wenn privates Surfen erlaubt oder stillschweigend geduldet wird, sind Arbeitgeber dazu angehalten, private Internetnutzung mindestens zu beschränken, da dem Unternehmen zusätzliche Kosten entstehen und der Arbeitnehmer von der Arbeit abgelenkt wird. Wer trotzdem täglich längere Zeit auf der Arbeit privat online ist, kann – nach einer Abmahnung – unter Umständen sogar fristlos gekündigt werden. Nachstehend finden Sie die fünf wichtigsten Fakten rund ums Surfen am Arbeitsplatz:

1. Fristlose Kündigung möglich

Wenn der Arbeitgeber Surfen am Arbeitsplatz generell verboten hat, dann kann die private Nutzung im Büro zur fristlosen Kündigung führen. Der Grund: In diesem Fall liegt eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung vor.

2. Arbeitsvertrag entscheidend

Die Erlaubnis, privat am Arbeitsplatz zu surfen, kann sich aus dem Arbeitsvertrag ergeben. Auch wenn der Arbeitsvertrag keine genaue Regelung vorsieht, können Arbeitgeber nachträglich durch eine Anordnung oder Betriebsvereinbarung das Surfen erlauben oder verbieten. Wenn der Mitarbeiter mit dem Wissen und der Billigung des Chefs über längere Zeit das Internet privat nutzt, entsteht eine sogenannte betriebliche Übung. Dann darf der Arbeitnehmer auch ohne festgeschriebene Erlaubnis während der Arbeit online sein. Allerdings nur für eine angemessene Zeit und keinesfalls stundenlang.

3. Ausnahmen in dringenden Fällen

Hat zum Beispiel ein naher Angehöriger eines Arbeitnehmers einen Unfall, darf der Mitarbeiter trotz Internet-Verbots online gehen – etwa, um eine E-Mail zu schreiben. Die Interessen des Beschäftigten sind in solchen Fällen höher zu bewerten, als das Interesse des Arbeitgebers an der Einhaltung eines Internet-Verbots.

4. Laufende Überwachung tabu

Arbeitgeber dürfen ihre Beschäftigten nicht laufend überwachen und zum Beispiel die Mail-Accounts der Mitarbeiter protokollieren. Wenn das private Surfen erlaubt ist, muss der Chef das Fernmeldegeheimnis beachten, das die „unkörperliche Vermittlung von Informationen“ schützt. Das bedeutet: Private Mails – auch vom betrieblichen Internetanschluss verfasst – darf der Arbeitgeber nicht lesen.

5. Berufliche Netzwerke erlaubt

Besonders bei hochqualifizierten Mitarbeitern sehen Arbeitgeber häufig die Gefahr, dass Headhunter diese durch berufliche Netzwerke, wie Xing oder Linkedin abwerben könnten. Solange in diesen Profilen keine Interna aus dem Unternehmen preisgegeben werden, dürfen Arbeitgeber diese Profile nicht verbieten. Mitarbeiter würden dadurch zu sehr in ihrem Persönlichkeitsrecht eingeschränkt.

6. Social Media Guidelines helfen

Insgesamt sollten Unternehmen festlegen, welche Inhalte Mitarbeiter im Namen des Unternehmens in sozialen Medien, wie Facebook, Twitter oder Blogs kommunizieren dürfen. Dabei helfen so genannte Social Media Guidelines. Sie können Mitarbeiter zum Beispiel anweisen, private Äußerungen deutlich zu kennzeichnen oder potenziell rufschädigende Inhalte zu vermeiden.

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