Dienstag, 09.09.2014

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Unternehmen können Mitarbeiter abmahnen oder sogar kündigen, wenn sie gegenüber Kunden unfreundlich werden.

Recht & Steuern
Unternehmen können Pflichtverletzung ahnden

Unfreundlich im Kundenkontakt: Abmahnung

Blöder Kunde! Wenn Mitarbeiter im Kundenkontakt rüpelhaft oder frech werden, fällt das auf die Unternehmen zurück. Diese können sich allerdings gegen das schlechte Verhalten wehren.


Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist im Arbeitsverhältnis vor Ausspruch einer (verhaltensbedingten) Kündigung regelmäßig eine Abmahnung erforderlich. Die Abmahnung ist gegenüber der Kündigung das mildere und damit das grundsätzlich vorrangig heranzuziehende Mittel. Lediglich bei besonders schweren Pflichtverletzungen, von denen der Arbeitnehmer nicht erwarten kann, der Arbeitgeber werde diese hinnehmen, sowie bei Pflichtverletzungen im Vertrauensbereich kann eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung gerechtfertigt sein.

„Keine freundliche Antwort mehr möglich“

Dr. Lorenz S. Mitterer ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht bei Zirngibl Langwieser.

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hatte kürzlich über die Wirksamkeit einer Abmahnung wegen eines unfreundlichen Verhaltens gegenüber einem Kunden zu entscheiden.

Der beim Arbeitgeber als Ausbildungsberater angestellte Arbeitnehmer hatte auf Nachfrage eines Kunden zu Einzelheiten zu einer mündlichen Ergänzungsprüfung per Email geantwortet, dass es „selbstverständlich sei, wo man sich für die Prüfung anmelden müsse“ und dass es „ebenfalls klar sei, dass die Anmeldung nicht auf Zuruf erfolgen könne“.

Als der Kunde die Unfreundlichkeit des Arbeitnehmers beanstandete, erhielt er von diesem die Antwort, dass „bei mittlerweile 20 Anrufen keine freundliche Antwort mehr möglich sei“. Die aufgrund dieses Verhaltens vom Arbeitgeber ausgesprochene Abmahnung sah das Gericht als verhältnismäßig und damit wirksam an. Es begründete seine Entscheidung insbesondere damit, dass die Pflichtverletzung des Arbeitnehmers keine Nichtigkeit darstelle, zumal dieser sein unfreundliches Verhalten im Laufe der Kommunikation sogar wiederholt habe.

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Fazit

Ein unfreundliches Verhalten eines Arbeitnehmers gegenüber Kunden seines Arbeitgebers stellt in der Regel eine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung dar, die den Ausspruch einer Abmahnung rechtfertigt. Bei besonders groben Verstößen, wie insbesondere schweren Beleidigungen, kommt sogar der Ausspruch einer Kündigung ohne vorherige Abmahnung in Betracht.

ZIRNGIBL LANGWIESER ist eine Full-Service-Wirtschaftskanzlei mit Büros in München, Berlin, Frankfurt a.M. und Wien. Mit der Erfahrung aus über 35 Jahren berät die Kanzlei Unternehmen und Unternehmer in allen Bereichen des Wirtschaftsrechts, vor Ort und international.