Donnerstag, 05.07.2018
Achtung, Doppelbesteuerung: Wer nicht aufpasst, muss mitunter in mehreren Ländern Steuern für die gleichen Erträge bezahlen.

Foto: bCracker/Thinkstock/Getty Images

Achtung, Doppelbesteuerung: Wer nicht aufpasst, muss mitunter in mehreren Ländern Steuern für die gleichen Erträge bezahlen.

Recht & Steuern
Steuerpflicht bei Auslandstöchtern

Wie Steuerbehörden Mittelständlern das Exportgeschäft erschweren

International agierende Unternehmen haben es schwer: Sie müssen nicht nur mit dem deutschen Fiskus über Abgaben streiten, sondern sind auch in ihren Zielmärkten körperschaftssteuerpflichtig. Das liegt auch an der unterschiedlichen Definition einer Betriebsstätte.

Ein reges Exportgeschäft zeugt von der Innovationskraft eines mittelständischen deutschen Industriebetriebs. Es führt allerdings auch zu einer schwierigeren Steuererklärung. Grundsätzlich gilt: Bei der Körperschaftssteuer hat dasjenige Land das Besteuerungsrecht, in dem die Gesellschaft ansässig ist. Beim „kleinsten“ Exportfall, in dem lediglich eine Einzellieferung ins Zielland geschickt wird, ist die Situation eindeutig. Versteuert wird dann im Heimatland des Unternehmens.

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Sobald Betriebsstätten im Ausland ins Spiel kommen, wird es aber komplex. Denn die Bewertung, wann eine Betriebsstätte vorliegt, ist nie ganz eindeutig, berichtet Bettina Ohlwein, Fachberaterin für internationales Steuerrecht und Partnerin bei der Kanzlei Ackermann, Meyer & Partner, die vor allem mittelständische Industriebetriebe betreut. „Je mehr Entscheidungskompetenz vor Ort liegt, desto eher zählt es als Betriebsstätte“, erklärt Ohlwein. In ihrer Beratungspraxis hat sie schon erlebt, dass ein einzelner Außendienstmitarbeiter als Betriebsstätte galt. Aber sie kennt auch Unternehmen, deren Vertriebsbüro das Finanzamt nicht als Betriebsstätte gewertet hat.

Weitere Beiträge zu den Themen „Zoll“ und „Export“ finden Sie auf unseren Themenseiten.

Betriebsstätte in kleinvolumigen Absatzmärkten vermeiden

Mittelständler sollten versuchen, in Märkten, in die lediglich Einzelaufträge gehen, Strukturen vor Ort und damit eine Betriebsstätte zu vermeiden, rät sie. Die Praxis in vielen mittelständischen Betrieben zeigt, dass kleinvolumige Absatzmärkte durchaus aus der Muttergesellschaft heraus betreut werden können.

Sobald regelmäßige Bestellungen aus einem Land eintreffen und der Mittelständler versucht, in diesem Markt nachhaltiges Geschäft aufzubauen, ist ein Mitarbeiter vor Ort oft sinnvoll. Dieser koordiniert dann Logistik und Transport der bereits eingegangenen Bestellungen und geht zudem auf potentielle Neukunden zu, um die Bekanntheit der eigenen Produkte zu erhöhen und weitere Aufträge an Land zu ziehen.

„An diesem Punkt der Auslandsaktivität lohnt sich aus Steuersicht die Gründung einer Tochtergesellschaft“, rät Ohlwein. Die steuerliche Behandlung der Kosten für den sogenannten Overhead sei dann leichter zu klären: Hierzu zählen etwa die Miete und Gehälter für vor Ort angestellte Mitarbeiter. Für zentrale Organisationsarbeiten wie Vertriebsunterstützung, Buchhaltung und IT-Support müssen Töchter der Mutter einen Anteil zahlen, der ihrer Größe entspricht.

„Marktübliche“ Preise für unternehmensinterne Lieferungen

Die Verrechnung von Lieferungen wickeln deutsche Unternehmen mit ihren Tochtergesellschaften meist ab, indem sie Produkte zunächst an die Tochter im Ausland verkaufen, die diese dann weiterverkauft. Damit sind zu versteuernde Einnahmen ebenso wie absetzbare Kosten eindeutig geklärt. Die Bepreisung der Lieferungen muss in diesem Konstrukt „marktüblich“ sein – damit wollen die Finanzbehörden Steuersparkonstrukte unterbinden.

Viele ihrer Mandanten wünschten sich, Verrechnungspreise und Gewinnermittlung zwischen Muttergesellschaft und Tochterunternehmen transparent mit den Finanzbehörden klären zu können, erzählt Steuerberaterin Ohlwein. Derzeit errechnen Unternehmen selbst Preise beziehungsweise Gewinnanteile, die sie für angemessen halten und so versteuern, und erfahren erst bei Betriebsprüfungen mehrere Jahre später, ob das Finanzamt dies akzeptiert. „Mit einer praktikablen Vorabklärung würde die Besteuerung im Auslandsgeschäft vorhersehbarer und verlässlicher.“


Wie Doppelbesteuerungsabkommen – zumindest in der Theorie – die Situation etwas vereinfachen und wo Mittelständler auf unlogische Ermessensfragen treffen, lesen Sie in der Titelgeschichte der „Markt und Mittelstand“-Ausgabe Juli/August 2018, die am 6. Juli erscheint. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.