Freitag, 12.11.2021

Quelle: Daniel Ingold/Getty Images

 

Spezial
Digitalisierung

Wenn Digitalisierung auf Tradition trifft

Das fränkische Familienunternehmen Kräuter Mix GmbH liefert luftgetrocknete Gemüse, Kräuter und Gewürze in alle Welt. Mit der Investition in modernste Technologien will der Mittelständler die Digitalisierung von Produktion und Logistik vorantreiben, so die Effizienz steigern und Prozesse optimieren.

Es kommt nicht selten vor, dass der Duft von Kräutern und Gewürzen, von Oregano, Pfefferminze oder Ingwer etwa, die 850-Seelen-Gemeinde Abtswind durchweht. Denn deren Verarbeitung hat in der unterfränkischen Marktgemeinde eine lange Tradition. Und diese Tradition ist untrennbar verbunden mit der Familie Mix. „Mein Urgroßvater hat 1919 hier eine Firma für den Anbau und Handel mit Arzneipflanzen aufgebaut“, beschreibt Bernhard Mix, gemeinsam mit seinem Vater Christoph geschäftsführender Gesellschafter, die Gründerzeit der Kräuter Mix GmbH.

Aus den bescheidenen Anfängen des heutigen Mittelständlers, der in den 1920er Jahren vielen Menschen im Steigerwald in einer wirtschaftlich unruhigen Zeit mit dem Sammeln von Kräutern zu Lohn und Brot verhalf, ist ein führendes Unternehmen in der Region mit über 475 Mitarbeitern entstanden. Und es wächst beständig weiter: „Wir haben im vergangenen Jahr trotz Corona-Krise einen Rekordumsatz von rund 132 Millionen Euro erzielt,“ freut sich Bernhard Mix nicht ohne Stolz mit Blick auf die rund 650 verschiedenen Rohstoffgruppen, die die Kräuter Mix GmbH veredelt und weltweit exportiert.

Zwischen Tradition und Moderne

Bei aller Familientradition – die Kräuter Mix GmbH ist heute vor allem ein hochmoderner Drei-Schicht-Betrieb mit einem komplexen Zusammenwirken von insgesamt 33 Produktionsanlagen.

Quelle: Kräuter Mix GmbH
Geschäftsführer Bernhard Mix
Quelle: Kräuter Mix GmbH

Die Geschäftsprozesse steuert seit vielen Jahren ein auf das Unternehmen speziell zugeschnittene Warenwirtschaftssystem. Doch die digitale Zeitenwende schafft neue Herausforderungen. „Das Warenwirtschaftssystem ist das Rückgrat unseres Unternehmens. Aber es ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit“, weiß Firmenchef Mix.

 

Aus diesem Grund reiften schon vor einigen Jahren die ersten Pläne für ein umfassendes Digitalisierungsvorhaben im Unternehmen. Mit der finanziellen Unterstützung durch den ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit der KfW will der Kräuterproduzent nicht nur in ein neues Warenwirtschaftssystem investieren, sondern auch den Weg in Richtung Produktion 4.0 fortsetzen. Schon heute arbeiten beispielsweise acht fahrerlose Transportsysteme in der Logistik des Unternehmens, deren Einsatz sich bestens bewährt hat. Mit dem Update seines integrierten ERP-/CRM-Systems schafft Kräuter Mix nun die Voraussetzungen für die Digitalisierung von verschiedenen Produktions- und Logistikprozessen.

„Wir haben jetzt die Möglichkeit, ein Prozessleitsystem mit Maschinensteuerung aufzubauen“ erklärt Betriebsleiter André Metz. Durch die Umrüstung der Anlagen erfolgt bei der Fertigung der Produkte künftig ein kontinuierlicher Datenaustausch vom Warenwirtschaftssystem, direkt an die Anlage, in die Maschine und wieder zurück. So können alle Daten aus dem Wertschöpfungsprozess künftig ohne großen Aufwand ausgewertet werden. Als einer der nächsten Schritte ist die vollständige Cloud-Integration geplant.

Kräuter Mix-Firmenchef Bernhard Mix verspricht sich von den Investitionen neben Produktions- und Effizienzsteigerungen auch eine bessere Datenbasis mit zusätzlichen Auswertungsmöglichkeiten, leichter anwendbare Planungstools und den möglichst weitgehenden Verzicht auf papiergebundene Vorgänge. Für ihn verkörpert die Digitalisierung der Firma ein Zusammenspiel von Tradition und Moderne und steht sinnbildlich für den kreativen Geist, der das Unternehmen seit über mehr als 100 Jahren prägt. Mit der Durchführung dieses Digitalisierungsprojektes wollen die Unterfranken eine Benchmark für digitale Produktion setzen. Oder wie es im Falle der Kräuter Mix GmbH wohl besser heißen müsste – eine Duftmarke!

Das Beispiel zeigt: die Digitalisierung hat den deutschen Mittelstand längst erfasst und kann ihn, sofern klug umgesetzt, in vielen Bereichen auf ein neues Level heben. Sei es in Sachen Produktionsgeschwindigkeit, im Vertrieb oder der Vermarktung. Auch hat die Corona-Pandemie viele Entwicklungen noch einmal beschleunigt. Jetzt gilt es für die Hidden Champions hierzulande Schritt zu halten mit den neuesten Entwicklungen, um weiterhin als Weltmarktführer glänzen zu können.

Finanzielle Unterstützung für wichtigen Schritte in die digitale Zukunft bieten zum Beispiel zinsgünstige Kredite der KfW. Mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit können mittelständische Unternehmen vielfältige Projekte, angefangen bei der Vernetzung von ERP- und Produktionssystemen über die Entwicklung von IT- oder Datensicherheitskonzepten bis hin zu betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Digitalisierung finanzieren. Einen Überblick über die Eckpunkte des Kredits bietet das folgende Video.

Der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit der KfW

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