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Sommerumfrage: Bayerns Metall- und Elektroindustrie 2025 - Konjunktur schwach, Zuversicht wächst

| Vera König

bayme und vbm: Bayerns M+E-Industrie bleibt 2025 angespannt – doch die Hoffnung kehrt zurück. Die Sommerumfrage zeigt erste Anzeichen der Erholung.

Metallarbiter - die Funken spühen
Sommerumfrage zur Lage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie: Trotz schwieriger Lage keimt in der Branche wieder Hoffnung auf – vor allem bei den Produktionsplänen. (Foto: shutterstock)

von Vera König für Markt und Mittelstand

Die Lage in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie war im ersten Halbjahr 2025 nach wie vor schlecht, die Aussichten für die künftige Entwicklung haben sich aber verbessert. „Die Metall- und Elektroindustrie sind nach wie vor in einer schwierigen Lage“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm bei der Pressekonferenz im Haus der bayerischen Wirtschaft in München. Die inländischen Produktionspläne liegen wieder im positiven Bereich, die Investitions- und Beschäftigungspläne bleiben negativ. „Der konjunkturelle Tiefpunkt ist überwunden, strukturelle Herausforderungen bleiben aber bestehen“, ergänzte Brossardt.

Licht am Ende des Tunnels

„Die neue Bundesregierung steht für diese positive Entwicklung, sorgte sie doch für einen Stimmungsumschwung. Wichtig ist, dass jetzt nicht nachgelassen wird und Tempo und Entschlossenheit beibehalten werden. Das wird sich dann auch in den Konjunkturzahlen widerspiegeln“, fasste Brossardt die Ergebnisse der Sommerumfrage unter den bayme- und vbm-Mitgliedsunternehmen zusammen. Die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände führen halbjährlich eine Befragung ihrer Mitglieder zur konjunkturellen Lage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie durch – und damit für den größten Industriebereich des Freistaats Bayern.

Laut Umfrage verbesserte sich die aktuelle Geschäftslage gegenüber dem Winterhalbjahr, bleibt aber im negativen Bereich. Fast jedes vierte Unternehmen bewertet diese mittlerweile als gut. Der Saldo aus positiven und negativen Antworten liegt im Inlandsgeschäft bei -7,5 Punkten und im Auslandsgeschäft bei -1,3 Punkten. Die Erwartungen für das Inlandsgeschäft sind hingegen erstmals seit vier Jahren wieder positiv. 36 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung, nur noch sieben Prozent eine Verschlechterung. „Die Unternehmen sehen trotz der schwierigen Gesamtsituation Licht am Ende des Tunnels. Das ist eine gute Nachricht“, so Brossardt.

Erstmals seit zwei Jahren sind die Produktionspläne im Inland wieder im positiven Bereich. Der Saldo liegt bei +4,5 Punkten. „Während vom ersten Halbjahr kaum Impulse ausgingen, erwarten wir einen moderaten Anstieg im zweiten Halbjahr. Die Produktion dürfte im Jahresdurchschnitt 2025 um ein Prozent über dem Durchschnitt 2024 liegen“, prognostizierte er.

Die Wirtschaftswende hat begonnen, wird aber noch Zeit in Anspruch nehmen.

Bertram Brossardt (Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Unternehmensverbands Metall und Elektro e. V. sowie des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V.)

Flexibilisierung der Arbeitszeiten und Bürokratieabbau

Bei den Investitionsplänen der M+E Unternehmen schließt sich die Schere zwischen Inland und Ausland, eine beträchtliche Lücke bleibt jedoch bestehen. So sind die inländischen Investitionspläne im Saldo immer noch negativ (-8,3 Punkte), während die ausländischen bei +18,7 Punkten liegen. „Die nachlassende Investitionszurückhaltung ist nicht zuletzt auch der neuen Bundesregierung zu verdanken“, sagte Brossardt. Und ergänzte: „Jetzt heißt es aber, zügig weitere Maßnahmen aus dem Sofortprogramm umzusetzen, insbesondere die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und den weiteren Bürokratieabbau. Nur so gewinnen wir wieder die Attraktivität zurück, die Investitionen an unseren Standort zieht.“

Eine bessere Wettbewerbsfähigkeit bleibt auch angesichts des außenwirtschaftlichen Umfelds eine Daueraufgabe. Allen voran die Zoll- und Handelspolitik von US-Präsident Trump führt laut Umfrage zu deutlichen Beeinträchtigungen.

So exportiert mehr als jedes zweite bayerische M+E Unternehmen in die USA, über die Hälfte davon war bereits konkret von Zollsteigerungen betroffen, und bei jeweils einem Drittel wurden Bestellungen reduziert oder verschoben. Bei 13 Prozent wurden Bestellungen gänzlich storniert. „Es zeigt sich, dass Zölle und Handelsbarrieren der Wirtschaft schaden, sie verteuern und den Außenhandel bremsen. Durch die Verhandlungslösung zwischen den USA und der EU konnte ein Handelskrieg vermieden werden und unsere Unternehmen haben endlich mehr Planungssicherheit“, sagte Brossardt.

Die Zölle von 15 Prozent verteuern laut Brossardt die Exporte, werden das Wachstum reduzieren und allgemein den Handel mit den USA erschweren. „Die Zusage der EU, Energie, KI-Chips und Rüstungsgüter zu beziehen, wird jedenfalls partiell zu Lasten von Europa gehen. Das Ausmaß lässt sich derzeit nicht absehen“, sagte er. Langfristiges Ziel müsse daher bleiben, Zölle und Handelsbarrieren weiter abzubauen. Jedenfalls steige der Druck, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Die Beschäftigungspläne bleiben im negativen Bereich, zeigen aber einen positiven Trend. Mittlerweile befürchten nur noch 17,5 Prozent der Unternehmen Stellen abbauen zu müssen. „Auch wenn sich die Lage verbessert, bis Jahresende werden die M+E-Unternehmen rund 20.000 Stellen abbauen müssen. Denn die Ertragslage ist weiterhin sehr kritisch, fast ein Fünftel der Betriebe schreibt Verluste und ein weiteres Viertel muss mit einer Nettoumsatzrendite von unter zwei Prozent auskommen“, berichtete Brossardt und fügte hinzu: „Die Beschäftigten sind die Leidtragenden einer lange verfehlten Industrie- und Standortpolitik. Die Wirtschaftswende hat begonnen, wird aber noch Zeit in Anspruch nehmen.“

 

 

Die Lage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie 2025

Branchenlage:

Die Metall- und Elektroindustrie (M+E) in Bayern bleibt im ersten Halbjahr 2025 wirtschaftlich unter Druck. Zwar zeigen Konjunkturindikatoren erste Erholungstendenzen, strukturelle Probleme wie Investitionszurückhaltung, Produktionsverlagerung und internationale Handelskonflikte bestehen weiterhin.

Ergebnisse der Sommerumfrage von bayme vbm:

  • Geschäftslage: Noch negativ, aber verbessert – 24 % der Unternehmen bewerten sie als „gut“

  • Produktionspläne: Im Inland erstmals seit zwei Jahren wieder positiv (+4,5 Punkte)

  • Inlandsgeschäft: Erwartung erstmals seit vier Jahren positiv (Saldo: +28,5 Punkte)

  • Auslandsgeschäft: Leichte Verbesserung, Saldo: –1,3 Punkte

  • Investitionen: Inland –8,3 Punkte, Ausland +18,7 Punkte → zunehmende Verlagerung

  • Beschäftigung: Stellenabbau wird abflachen, aber weiterhin nötig (–20.000 Stellen bis Jahresende erwartet)

Einflussfaktoren und Herausforderungen:

  • Außenhandel: Über 50 % der bayerischen M+E-Unternehmen exportieren in die USA

    • Zollsteigerungen unter Trump belasten mehr als jedes zweite Unternehmen

    • 13 % berichten über stornierte Aufträge

  • Standort Deutschland:

    • Erhoffte Impulse durch neue Bundesregierung

    • Forderung nach mehr Tempo bei Bürokratieabbau und flexibleren Arbeitszeiten

    • Nachholbedarf bei Standortattraktivität im internationalen Vergleich

Relevanz:
Die M+E-Industrie ist Bayerns größter Industriezweig und ein Schlüsselindikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Ihre Lage beeinflusst nicht nur regionale Beschäftigung und Wertschöpfung, sondern auch Deutschlands industrielle Resilienz in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten.

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