Mittwoch, 02.12.2020

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Der Mittelstand bringt immer weniger Innovationen hervor. Mehr Zusammenarbeit könnte helfen.

Technologie
Frische Ideen

Am Puls der Zukunft: So können Mittelständler ein Innovationszentrum nutzen

Die Corona-Pandemie hat den Mittelstand getroffen und zeigt, der Bedarf nach Innovationen ist groß. Doch viele Unternehmen verfügen nicht über die nötigen Prozesse, um frische Ideen gezielt umzusetzen. Durch eine Zusammenarbeit mit Innovationszentren können Mittelständler eigene Potenziale besser nutzen und Kompetenzen entwickeln, wie die Kooperation von TRUMA mit UnternehmerTUM zeigt.

Ein Gastbeitrag von Alexander Wottrich, Geschäftsführer der TRUMA Gruppe, und Christian Mohr, Innovations-Experte und Managing Partner bei UnternehmerTUM Business Creators.

 

Der Mittelstand bringt immer weniger Innovationen hervor. Schon vor der Corona-Pandemie schlug die KfW-Bank Alarm, weil Unternehmen ohne die Transformation bestehender Prozesse und Strukturen ihre mittel- und langfristige Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Die Pandemie löst zwar eine kleine Innovationswelle aus, allerdings handelt es sich bei den Neuerungen häufig um ad hoc umsetzbare Maßnahmen und seltener um die Ergebnisse längerfristiger Entwicklungsprozesse. Ein Grund: viele Unternehmen verfügen nicht über die nötige Innovationskompetenz und -kultur, um ihre Wettbewerbsposition langfristig zu sichern.

 

Dabei liegt Innovation in der DNA des Mittelstands. Die Unternehmensgründer sind und waren oft Tüftler, die mit ihren Erfindungen den Grundstein für das Unternehmen legten. So war es auch bei TRUMA. Dessen Gründer Philipp Kreis erfand eine Gasleuchte, die während der Stromsperren nach dem zweiten Weltkrieg in München Licht für seine Sprachenschule lieferte. Die Leuchte wurde der Renner in der Nachbarschaft und die TRUMA Gerätetechnik GmbH & Co. KG fand so ihren Ursprung. Heute ist der Mittelständler ein weltweit erfolgreicher Zulieferer in der Camping-Industrie mit den Kernprodukten Gasheizungen und Klimasysteme.

 

Erfolg kommt bekanntlich nicht von alleine, sondern braucht immer mutige Treiber, die Raum für Neues schaffen und Führung für die Umsetzung von Innovation geben. Diese Erfahrung macht Alexander Wottrich, Geschäftsführer und Enkel des TRUMA-Gründers, nach seinem Einstieg ins Unternehmen 2018. Eine Analyse zum Status-quo des Unternehmens bestätigte seine Annahme: Kundenanforderungen und Veränderungsgeschwindigkeit durch die Digitalisierung steigen, neue Wettbewerber machen Konkurrenz. Der empfundene Druck wird durch äußere Faktoren, wie jüngst die Corona-Krise, die die Reise- und Verhaltensmuster der Gesellschaft verändert, immer größer.

 

Bestehende oder fehlende unternehmensinterne Prozesse erschweren es jedoch Innovationen auf die Straße zu bringen, die diesen Herausforderungen entgegentreten wollen. Ohne das richtige Umfeld verlaufen auch die aussichtsreichsten Ideen im Sande, noch bevor konkret an ihnen gearbeitet werden kann.

 

Freiräume für Innovation schaffen

 

Innovation ist ein unglaublich komplexer und sensibler Vorgang, der nicht von selbst entsteht und fortlaufend gepflegt werden will. Gerade in den frühen Phasen der Innovationsentwicklung braucht es deswegen einen geschützten Raum, in dem Mitarbeiter frei von starren Strukturen Ideen entwickeln können. In diesem Freiraum arbeiten Menschen mit großen Visionen zusammen und nutzen Methoden, um kreatives Denken und Ideenfindung zu fördern. Sobald eine Idee stark genug ist, muss sie ins Unternehmen gebracht und dort auf Umsetzbarkeit getestet werden.

 

Wie können Unternehmen aktuellen Herausforderungen wie Digitalisierung und veränderten Marktbedingungen durch die Corona-Pandemie als Chance nutzen und sich aktiv auf die Zukunft vorbereiten? Wottrich sucht Antworten auf diese Frage und gründet eine eigene Innovationseinheit. Freiraum und Unterstützung für seine Innovationsprojekte findet er bei dem Gründungs- und Innovationszentrum UnternehmerTUM.

 

Der Unterschied zu vielen klassischen Beraterfirmen ist, dass Innovationszentren mit ihren Kunden als aktiven Partnern zusammenarbeiten und diese dazu befähigen, innovative Lösungen selbständig zu erarbeiten. Hier erhalten sie nicht nur Unterstützung bei der Entwicklung von Innovationsprojekten, sondern vor allem Zugang zu Talenten, meist Studierende, Start-ups, Wissenschaftlern und Experten, die täglich mit neuen Technologien und Methoden arbeiten und können deren Expertise für die eigene Innovationskraft nutzen. Mitarbeiter profitieren von der Nähe zu diesem Innovationsökosystem: sie erleben Innovationskultur hautnah und erhalten so Impulse, die sie in den Unternehmensalltag mitnehmen und so ihr Team befähigen, andere Wege zu gehen, als sie es in den Jahren zuvor gelernt haben.

 

Entwicklung eines Innovationsprozesses

 

Die Zusammenarbeit beginnt üblicherweise mit einem ersten Workshop, bei dem sich beide Seiten kennenlernen. Gemeinsam definieren sie Herausforderungen und skizzieren eine Strategie und die dazugehörigen Ziele. Ein interdisziplinär aufgestelltes Projektteam, bestehend aus Methodenspezialisten, Gründern und Strategen des Innovationszentrums und Mitarbeitern des Unternehmens, arbeitet gemeinsam an den Zielen.

 

Zentral in diesem Prozess ist der Wissenstransfer, damit Mitarbeiter den Innovationsprozess von Grund auf verstehen und später selbstständig umsetzen können. Sie lernen die notwendigen Schritte bei der Entwicklung eines marktfähigen Produktes: Ideengenerierung, Identifikation von Kundenproblemen, Prototypenbau, Befragung und Beobachtung, Expertengespräche. In der Regel begleitet das Projektteam die Konzepte bis zur Implementierung und darüber hinaus. Damit Chancen und Potenziale noch besser genutzt werden, ermittelt das Team fortlaufend, ob eine Kooperation mit einem Start-up aus dem Ökosystem das Projekt weiterbringen kann.

 

Neue Wege gehen

 

Durch die Kombination aus Innovationsexperten und Unternehmens-Insidern entwickelt das Team von TRUMA relativ schnell erste Ideen und Prototypen für neue Produkte und Dienstleistungen. Konkret gibt es zwei Lösungen, die es durch den Prozess geschafft haben und die vor der Markteinführung stehen. Auch die Liste mit neuen Ideen und Projekten ist prall gefüllt. „Wir haben klare Prozesse und Entscheidungsabläufe definiert und etabliert. So haben alle beteiligten Mitarbeiter bereits gelernt sich im neuen Modell sicher zu bewegen. Wir arbeiten agil wo es Sinn macht, haben eine eigene Digitaleinheit und uns so ein zukunftsträchtiges Ökosystem aufgebaut, zu dem auch UnternehmerTUM zählt“, so Wottrich. Dennoch ist und bleibt der Prozess sehr herausfordernd. Sein Fazit „Die Zusammenarbeit zwischen einem Mittelständler und einem Innovationszentrum ist im ersten Schritt unkonventionell, sogar anstrengend, und dennoch nachhaltig erfolgreich“.

 

Die Autoren:

 

Alexander Wottrich ist Geschäftsführer der TRUMA Gruppe seit 2018. Er arbeitet mit seinen globalen Teams daran, Campern ein qualitativ hochwertiges Erlebnis zu bieten und führt das Unternehmen durch die Herausforderungen der digitalen Transformation. Er verantwortet die Bereiche Supply Chain Management, Forschung und Entwicklung, Marketing sowie die Digitaleinheit.


Christian Mohr ist Innovations-Experte und Managing Partner bei UnternehmerTUM Business Creators (UBC), dem Beratungsarm von UnternehmerTUM, dem Gründungs- und Innovationszentrum an der TU München. Seit November 2020 ist er zudem Prokurist und Mitglied der Geschäftsführung der UnternehmerTUM Projekt GmbH. Sein Fokus liegt in der ganzheitlichen Beratung von mittelständischen Unternehmen in den Bereichen Innovation, Technologie und Nachhaltigkeit.

 

 

 

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